Argument im Bild: Mit Fotos wie diesem hatten die Feuerwehren deutlich gemacht, warum sie bestimmte Aufzugsgrößen in den Notausstiegen brauchen – mit Erfolg, die Aufzüge werden größer gebaut als anfangs geplant.
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Argument im Bild: Mit Fotos wie diesem hatten die Feuerwehren deutlich gemacht, warum sie bestimmte Aufzugsgrößen in den Notausstiegen brauchen – mit Erfolg, die Aufzüge werden größer gebaut als anfangs geplant.

B2-Tunnel

„Der Bund hat sich maximal bewegt“

Bund und Freistaat haben den Forderungen der Stadt und ihrer Feuerwehren zum Brandschutz im B 2-Tunnel weitestgehend entsprochen. Kommandant Markus Grasl und Bürgermeister Patrick Janik sind hoch zufrieden und loben die Zusammenarbeit. Denn: Eine Verpflichtung gab es für den Staat nicht.

Starnberg – Das Staatliche Bauamt Weilheim, Bund und Freistaat sind den Argumenten der Stadt und ihrer Feuerwehren zu Sicherheitseinrichtungen für den B 2-Tunnel auf ganzer Linie gefolgt. Das gilt für Aufzüge ebenso wie für eine Löschanlage, Aufstellflächen und mehr, die nun auf Kosten des Bundes im Tunnelplan vorgesehen sind. Kommandant Markus Grasl betonte in der Sitzung des Projektausschusses für Feuerwehr- und Rettungsdienstangelegenheiten am Dienstagabend: „Der Bund hat sich maximal bewegt.“

Da die Tunnelplanung etwas älter ist, fehlten nach Einschätzung der Feuerwehr und diverser Gutachter wichtige Einrichtungen, um das Risiko in einem einröhrigen Tunnel beherrschbar zu machen (wir berichteten mehrfach). Der habe, so Experten, andere, höhere Risiken als ein zweiröhriger Tunnel. Gutachter Dr. Dirk Schneider erklärte erneut, wenn die Forderungen der Stadt umgesetzt würden, würde er mit seiner Familie durch den Tunnel fahren. Tenor der Gutachter ist auch, dass es keine sicheren oder unsicheren Bauwerke gebe, sondern es immer um Risiken geht, die man beherrschen müsse.

„Jeder Tunnel ist anders beschaffen“, betonte Grasl, „und das Staatliche Bauamt Weilheim und der Bund haben alles getan, um den Starnberger sicher zu machen.“ Nachholbedarf gab es seiner Ansicht nach auch, weil seitens der Feuerwehr während der Planfeststellung vor mehr als zehn Jahren nicht die nötigen Forderungen formuliert wurden. An der Grundbauweise konnten Stadt und Wehren freilich nichts mehr ändern, weil die Genehmigung des Tunnels (Planfeststellungsbeschluss) keine gravierenden Umplanungen zulässt. Aber durch die Maßnahmen sei das Bauwerk zu beherrschen, wenn etwas passiert.

Eine Brandbekämpfungsanlage wird eingebaut, die mehrere Millionen Euro kostet. Zahlen wird der Bund. Die Anlage kann den Albtraum aller Retter, einen Pkw- oder Lkw-Brand im Tunnel, zwar nicht löschen, aber niederhalten und damit den Einsatz der Retter erleichtern. Standard sind solche Anlagen in Tunneln nicht. Es sei ein System gewählt worden, dass bei einem Gasaustritt in der Röhre auch diesen begrenzen könne, sagte Grasl. Auf der Forderungsliste der Wehren standen auch Wandhydranten, Fragen der Lüftungstechnik in den Notausstiegen, deren Lage (alle auf der Westseite) und anderes. Großer Punkt waren Aufzüge in den Notausstiegen, die groß genug sind, um einen Angriffstrupp der Wehren mit Atemschutzgeräten und dergleichen aufzunehmen. Da gab es zuletzt noch Klärungsbedarf über die genauen Ausmaße (wir berichteten). Das ist aber geklärt und „für uns eine enorme Erleichterung“, wie Grasl sagte. Auch bei den Aufstellungs- und Anfahrtsflächen für die Feuerwehr – sie braucht für Fahrzeuge und Mannschaft an den Notausstiegen und an anderen Stellen ausreichend Platz – sind Lösungen gefunden. Noch zu besprechen sind Punkte wie Löschwasserversorgung oder Leitplanken. Grasl: „Wir sind sehr zufrieden mit dem, was wir erreicht haben.“

Noch am Dienstag hatten sich Behörde und Stadt auf Details verständigt. Bürgermeister Patrick Janik lobte die Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Bauamt ausdrücklich – und den Einsatz Grasls. Die Stadt allerdings hat auch noch einiges zu tun. Was genau, wird der in Arbeit befindliche Feuerwehrbedarfsplan ergeben, dessen erste Ergebnisse in den nächsten Wochen vorliegen sollen. Darin wird es um Ausbildung, Ausstattung und Personalbedarf gehen. Absehbar ist, dass Starnberg mit den Nachbarn in Pöcking und Gauting Absprachen wird treffen müssen, weil deren Wehren bei einem Unfall im Tunnel am Einsatz beteiligt wären und ebenfalls über entsprechende Technik und Ausbildung verfügen müssen.

Die Kosten dafür drücken manche Stadträte massiv. Josef Pfister (BMS) beantragte, der Bürgermeister solle vom Bauherren eine Aufstellung einmaliger und fortlaufender Kosten anfordern, damit man deren Übernahme verlangen könne. Pfister will damit Belastungen für die Stadt vermeiden: „Irgendwann müssen wir zum Punkt kommen. Wer das bezahlt, ist nicht bekannt.“ Den Antrag wird er auf Bitten Janiks schriftlich einreichen, der Bürgermeister will sich drum kümmern. Er betonte das Ziel der Stadt, „keine Kosten zu tragen, die wir nicht tragen müssen“. Dr. Johannes Glogger (WPS) hält den Tunnel dennoch für nicht sicher und Aussagen zur Sicherheit für schwammig. Mache man den Zustand den Menschen nicht klar, würden sie den Tunnel meiden – und er wirke nicht.

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