Der Starnberger Feuerwehr-Vorstand Thomas Pleyer (l.) und Ehrenvorstand Hermann Kaufer am Gedenkstein für Adalbert Kinzinger am Feuerwehrhaus an der Ferdinand-Maria-Straße.
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Der Starnberger Feuerwehr-Vorstand Thomas Pleyer (l.) und Ehrenvorstand Hermann Kaufer am Gedenkstein für Adalbert Kinzinger am Feuerwehrhaus an der Ferdinand-Maria-Straße.

Feuerwehr freut sich, dass Straße nach Adalbert Kinzinger benannt wird

Der Doppelgründer von Starnberg

  • Peter Schiebel
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Die Straßen im Neubaugebiet am Wiesengrund werden nach großen Starnberger Persönlichkeiten benannt. Dass Adalbert Kinzinger dabei ist, freut vor allem die Freiwillige Feuerwehr Starnberg. Kinzinger hat im 19. Jahrhundert Spuren hinterlassen, die bis heute sichtbar sind.

Starnberg – Samstag, 28. Juni 1862: Der damals 26 Jahre alte Adalbert Kinzinger versammelt 52 Starnberger um sich und unterbreitet ihnen den Vorschlag zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr. Die Mehrheit ist dafür, vier Wochen später, am 22. Juli 1862, erfolgt die Vereinsgründung, nachdem das Königliche Bezirksamt München die Bewilligung erteilt hat. Erster Vorstand wird Adalbert Kinzinger.

Straße im Starnberger Neubaugebiet am Wiesengrund wird nach Adalbert Kinzinger benannt

18 Jahre später, Sonntag, 25. Juli 1880: Adalbert Kinzinger setzt die nächste Idee in die Tat um. Nachdem er zwei Jahre zuvor als Vorstand der Feuerwehr aufgehört hat, trifft er sich jetzt mit einem knappen Dutzend Sportbegeisterter in der „Almhütte zu den sieben Quellen“ und gründet den Turnverein, den heutigen TSV Starnberg von 1880.

Keine Frage: Der Mann hat Bahnbrechendes in Starnberg geleistet. Dass nun eine Straße im Neubaugebiet am Wiesengrund nach ihm benannt wird (wir berichteten), freut den Ehrenvorstand der Starnberger Feuerwehr, Hermann Kaufer, sehr. „Das ist eine sehr schöne Geste“, sagt er im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Ganz ähnlich äußert sich der aktuelle Vorstand Thomas Pleyer. „Adalbert Kinzinger hat das wirklich verdient“, betont er.

Es ist die zweite Würdigung für Kinzinger im Stadtgebiet. Seit 2014 steht am Feuerwehrhaus an der Ferdinand-Maria-Straße ein Gedenkstein mit einer Metallplatte, die an den Gründer erinnert. Aber wer war dieser Adalbert Kinzinger?

Adalbert Kinzinger: Gründer der Feuerwehr Starnberg und des TSV Starnberg

Geboren wurde er am 20. April 1836. Er erlernte das Gold- und Silberschmiedehandwerk, und er war begeisterter Turner. Nun kam es oft vor, dass im Falle eines Feuers junge und kräftige Männer zu Hilfe gerufen wurden. Zwar bestand bis Mitte des 19. Jahrhunderts die allgemeine Löschpflicht in Bayern, wonach die Gemeinden notdürftige Löschgeräte zu stellen hatten. Richtig organisiert war das Ganze aber nicht.

Bis Kinzinger das 1862 änderte und dem damals kleinen und überschaubaren Starnberg die erste Feuerwehr im heutigen Landkreis Starnberg bescherte. Ihm zur Seite standen Johann Biller als Kassier und Eduard Sigl als Schriftführer. Die Steigermannschaften führten Johann und Lorenz Kergl, die Löschmannschaften Karl Panz und Josef März. Bereits damals gab es eine enge Verzahnung zwischen Feuerwehrmännern und Turnern. So heißt es in Protokollbüchern vom Sommer 1862, dass bereits bestimmt worden sei, „an welchen Tagen exerziert und geturnt werden soll“. Schriftführer Sigl wurde „mit der schleunigen Aufstellung der Turngeräte“ beauftragt. Das funktionierte offenbar. Jedenfalls ist wenige Tage später davon die Rede, dass „ein feststehender Barren, zwei feststehende Recks und ein feststehendes Klettergerüst mit Leitern, Steigseil, Schwungschaukel und Steigleitern“ übergeben worden seien. So ist es in der Festschrift zum 125-jährigen Bestehen des TSV Starnberg nachzulesen. Kinzinger wurde zudem zum Turnwart ernannt. „Sie löschten und sie turnten“, heißt es dort.

Adalbert Kinzinger

16 Jahre lang war Adalbert Kinzinger fortan Vorstand der Wehr. Dann muss irgendetwas vorgefallen sein. Was genau, liegt im Dunkeln. Ehrenvorstand Kaufer, der die Chronik der Feuerwehr führt, berichtet von einem „Unfall“, von dem aber keine Einzelheiten bekannt seien. Jedenfalls schied Kinzinger aus dem Vorstand aus und widmete sich noch stärker dem Turnen, das er zwei Jahre später ebenfalls in Vereinsform brachte.

Am 26. Juli 1882 starb Adalbert Kinzinger im Alter von nur 56 Jahren. Er hinterließ seine Ehefrau und zwei Töchter. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof an der Hanfelder Straße. Damit dieser große Starnberger in Erinnerung bleibt, wird er nach dem Beschluss des Stadtrats nun im Neubaugebiet am Wiesengrund gewürdigt.

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