Die Fahrzeuge glänzen, die Stimmung ist bestens: Manny Meider (l.) Franz Schirwitz (3.v.l.) und Hans Eisenhut vom Oldschooler Club Bayern zusammen mit den Seniorenstift-Bewohnerinnen Susanne Brzoska (2.v.l.) und Inge Büntig sind bereit für die Abfahrt im roten Cadillac.
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Die Fahrzeuge glänzen, die Stimmung ist bestens: Manny Meider (l.) Franz Schirwitz (3.v.l.) und Hans Eisenhut vom Oldschooler Club Bayern zusammen mit den Seniorenstift-Bewohnerinnen Susanne Brzoska (2.v.l.) und Inge Büntig sind bereit für die Abfahrt im roten Cadillac.

Kurpark Söcking

Die coolste Ausfahrt des Jahres: Seniorenheim-Bewohner auf Oldtimer-Tour

Einen Ausflug der besonderen Art gab es gestern für 22 Bewohner des Seniorenwohnens im Kurpark Söcking: Der Oldschooler Club Bayern hatte zu einer Ausfahrt in alten amerikanischen Straßenkreuzern eingeladen. Die Tour führte von Söcking an den Ammersee.

Söcking – Gefahren war sie noch keinen Meter. Für Gertrud Kalke stand das Ergebnis aber schon fest: „Die Fahrt hat sich jetzt schon gelohnt“, sagte die 93-Jährige, als sie gestern Vormittag in einem schwarzen Pontiac, Baujahr 1959, Platz nahm. „Ich habe nicht gedacht, dass Autos so hübsch sein können. Für mich waren das immer nur Transportmittel“, sagte sie. Gertrud Kalke gehörte zu den 22 Bewohnern des Seniorenwohnens im Kurpark Söcking, die am Sonntag an der vermutlich coolsten Ausfahrt des Jahres teilnahmen.

Der Oldschooler Club Bayern war mit 17 Autos nach Söcking gekommen, um den Senioren eine Freude zu bereiten. Der Club ist ein Zusammenschluss von etwa 40 Freunden alter US-Fahrzeuge aus München und Umgebung. Dank ihnen war es ein außergewöhnlicher Anblick, der sich auf dem Parkplatz vor dem Rummelsberger Stift bot: das glänzende Chrom, die spitzen Haifischflossen, das Gurgeln der Achtzylinder-Motoren. Vom Cadillac bis zum Chevrolet standen die Fahrzeuge ordentlich aufgereiht. Und davor freuten sich die Senioren auf das, was kommen sollte.

Auch Manny Meider (57) ist Mitglied bei den Oldschoolern. Von ihm war die Idee gekommen, einen Ausflug für die Söckinger Senioren zu organisieren. Zu Hause hat er drei verschiedene Oldtimer stehen, mit dem himmelblauen Ford Thunderbird von 1964 war er nun nach Söcking gefahren. Meider liefert einmal die Woche Essen ins Seniorenheim – und weil die Oldschooler drei- bis viermal im Jahr Ausfahrten für Kinder, Senioren oder Behinderte organisieren, waren diesmal eben die Söckinger dran.

Bitte Platz zu nehmen: Claudia Geith (l.) ließ Gertrud Kalke und Adolf Mach in den ’59er Pontiac einsteigen und fuhr sie anschließend durchs Fünfseenland nach Herrsching.

„Ich wollte einfach einmal etwas anderes sehen“, freute sich Christa Krieger (85) auf die Tour über Landstraßen und durch Dörfer zum Seehof nach Herrsching, in dessen Biergarten eine Brotzeit auf die Teilnehmer wartete. Auch Richard Rasch war mit seinen 91 Lenzen dabei. Er begeistere sich am meisten für besondere Autos, ein Lieblingsauto habe er allerdings nicht, sagte er.

Die Ausfahrt war die erste Veranstaltung für die Senioren aus dem Seniorenwohnen im Kurpark Söcking seit Langem. „Ich freue mich, dass man den Senioren wieder eine Freude machen kann“, sagte Sabine Domberg (59). Sie ist die Koordinatorin der betreuten Wohneinrichtung des Rummelsberger Stifts. Für die Senioren organisiert sie Weihnachtsfeste, dekoriert die Cafeteria und veranstaltet jeden Monat einen Ausflug – diesmal war es die Oldtimertour. „Ich freue mich riesig auf die Brotzeit“, sagte Ingrid Schirmer. Die 77-Jährige wohnt seit fünf Jahren in ihrer Wohnung im Kurpark, kümmert sich wie die anderen Bewohner alleine um ihren Haushalt und nimmt gerne an Spieleabenden oder Veranstaltungen teil. „Ich mache mir zwar nicht so viel aus Autos“, gab sie zu. „Aber das Wetter stimmt und ich kann endlich wieder mit den anderen etwas unternehmen.“

Pro Fahrzeug waren zwei Senioren mit den Oldtimerbesitzern unterwegs. Zwei Motorradfahrer setzten sich an die Spitze des Konvois, gaben die Route vor und sicherten Kreisverkehre für die alten Autos ab. Ausgemacht war, dass 60 km/h die Höchstgeschwindigkeit sein sollte. Für Gertrud Kalke und die anderen Teilnehmer völlig ausreichend. Die 93-Jährige hat übrigens erst in diesem Jahr aufgehört, selbst zu fahren. Nun ließ sie sich zusammen mit ihrem Lebensgefährten Adolf Mach (87) von Claudia Geith, der Besitzerin des schwarzen Pontiacs, chauffieren. Auch ihr machte die ganze Aktion einen Heidenspaß. „Den Pontiac habe ich mir zu Weihnachten gekauft“, erzählte Geith. Und irgendwie war’s gestern auch für die Senioren ein bisschen wie Weihnachten.

Vanessa Lange

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