60 Euro wegen Schwarzfahrens – obwohl er eine Fahrkarte hatte: Klaus Walsdorf aus Starnberg
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60 Euro wegen Schwarzfahrens – obwohl er eine Fahrkarte hatte: Klaus Walsdorf aus Starnberg

Ärger mit dem MVV

Die Krux mit der richtigen Fahrkarte

Vor allem für Senioren, die nur selten mit der S-Bahn fahren, sind die aktuellen Tarife offenbar schwer zu verstehen. Das belegen zwei Beispiele aus Starnberg und Gilching.

Starnberg/Gilching – Sind Senioren Schwarzfahrer, wenn sie aus Unwissenheit eine falsche Fahrkarte gekauft haben? Rein rechtlich gesehen: Ja. Aber offenbar bereitet das seit einem guten Jahr bestehende, „neue“ MVV-Tarifsystem vor allem älteren Menschen, die nur gelegentlich fahren, Kopfzerbrechen. Vor Kurzem hatte der Starnberger Merkur über Alfred Heigl (81) aus Starnberg berichtet, der sich nach dem Kauf einer nicht ganz ausreichenden Tageskarte selbst bei einem Kontrolleur gemeldet und von ihm eine 60-Euro-Strafe aufgebrummt bekommen hatte. Daraufhin meldeten sich zwei weitere Leser in der Redaktion, denen zwar nicht das Identische, aber Ähnliches passiert ist.

Beide wollten unabhängig voneinander in eine Augenklinik in der Nähe der Hackerbrücke in München. Das Ehepaar Ottilie (76) und Herbert Hädrich (81) aus Gilching löste für die Fahrt nach München im Dezember am Fahrscheinautomat in Gilching-Argelsried eine Gruppen-Tageskarte der Zone drei – benötigt hätte es allerdings eine Fahrkarte für drei Zonen (Tarif: M-2). Darauf wies der Kontrolleur die Senioren in Geisenbrunn hin – und stellte beiden eine Strafe von 60 Euro aus, also insgesamt 120 Euro. Über die Fahrpreisnacherhebung, so die offizielle Bezeichnung, habe der Kontrolleur aber kein Wort verloren, sagt Ottilie Hädrich. „Wir sind alte Leute und haben schon Probleme, mit der heutigen Computertechnik zurechtzukommen. Das Tarifsystem der Bahn ist zu kompliziert, wie uns von vielen älteren Bekannten bestätigt wird“, sagt sie.

Auch sie musste Strafe bezahlen: Ottilie Hädrich aus Gilching

Klaus Walsdorf (79) aus Starnberg will das sogar mit einem kleinen Test bewiesen haben, wie er sagt. Er habe drei Bekannte und Gelegenheitsfahrer der S-Bahn befragt, ob sie Tickets von Starnberg zu verschiedenen Stationen lösen konnten. Alle drei hätten erhebliche Probleme gehabt, die richtigen Werte zu ermitteln, berichtet Walsdorf. Er selbst stieg am 27. Januar am Bahnhof See in einen Zug der S 6, auch mit einem falschen Ticket. Bei der Kontrolle in Lochham konnte er nur eine Tageskarte für die Zone vier vorzeigen. „Ich habe aus Unwissenheit 1,80 Euro zu wenig gezahlt und trotzdem wurde mir eine Strafe von 60 Euro verpasst, die mir noch nicht einmal kommuniziert wurde“, sagt der Rentner. Walsdorf fordert, dass die Ticketauswahl auch für Gelegenheitsfahrer und Touristen einfach und selbsterklärend sein sollte. „Ich bin viel herumgereist, an den meisten Orten dieser Welt ist das Bahnsystem viel leichter zu verstehen.“

Die Bahn verteidigt die Fahrpreisnacherhebungen und besteht auf den Strafen, da die drei Senioren zum Zeitpunkt der Kontrolle keine gültige Fahrkarte besaßen – anders als im Fall von Alfred Heigl. „Ich kann gut nachvollziehen, dass eine Fahrpreisnacherhebung unangenehm ist und dass nicht immer böse Absicht dahinter steckt. Andererseits ist es aber auch eine Frage der Fairness, alle Fahrgäste in entsprechenden Fällen gleich zu behandeln“, teilt ein Bahnsprecher dem Starnberger Merkur mit. Und was sollen Senioren und andere Fahrgäste machen, wenn sie nicht wissen, welche Fahrkarte sie für welche Zonen benötigen? „Es kommen ganz unterschiedliche Wege in Frage – online wie offline“, sagt der Sprecher und gibt Tipps:

■  Der MVV-Ticketfinder im Internet – https://ticketfinder.mvv-muenchen.de/ – listet nach Eingabe von Start und Ziel die erforderlichen Zonen und Tickets auf.

■  Alle Apps im MVV (also der „München Navigator“ der S-Bahn, der „DB Navigator“ und die Apps von MVV und MVG) ermöglichen den Kauf von Tickets nach Eingabe von Start und Ziel.

■  Die Fahrkartenautomaten der S-Bahn bieten standardmäßig eine Start-Ziel-Suche. Gibt man dort sein Fahrtziel ein, wird automatisch das Ticket mit der richtigen Zonenanzahl ausgewählt.

■  Der Kundendialog der S-Bahn München berät zum normalen Festnetztarif unter der Rufnummer (089) 20 35 50 00 und ist bei der Wahl der richtigen Zonenzahl behilflich.

■  Und dann natürlich – falls vorhanden: „Wer mit den Automaten nicht so gut zurecht kommt, dem ermöglichen auch Kundencenter und Verkaufsstellen an einigen Orten den Kauf“, erklärt der Sprecher. Stefanie Pfleger

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