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Zwei Taucher mit einer Metallkiste am Starnberger See
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Kampfmittelabwehrtaucher Martin Wanuszka (l.) und Stephan Kühlmann von der Bundeswehr brachten die Metallkiste wieder an die Wasseroberfläche.

Aktion im Starnberger See

Die Kultur-Retter und ihre Kiste

Die Schatzkiste ist gehoben: Am späten Mittwochnachmittag wurde jene Metallkiste wieder aus dem Starnberger See geholt, die vergangene Woche versenkt worden war. Damit machten Künstler und Kulturschaffende auf ihre derzeit schwierige Lage aufmerksam.

Starnberg – Ins Wasser gefallen – das ist heuer ziemlich viel. Unter anderem eine Kiste voll mit Kunstwerken und Veranstaltungszusagen von Künstlern aus dem Landkreis (wir berichteten). Am Mittwoch wurde diese Schatzkiste vom Grund des Starnberger Sees an die Oberfläche geholt: Eine symbolische Aktion, um auf die Lage der Künstler aufmerksam zu machen und Hoffnung zu schenken.

„Gerade die Kulturbegeisterung musste leiden“, sagte Landrat Stefan Frey. „Viele Veranstaltungen sind im wahrsten Sinne ins Wasser gefallen.“ Deshalb kamen Daniela Tewes, Regionalmanagerin der Wirtschaftsfördergesellschaft gwt, Petra Brüderl vom Kulturamt Starnberg und die Herrschinger Künstlerin Gesine Dorschner auf die Idee, mit der symbolischen Aktion „Ins Wasser gefallen“ auf die Situation der regionalen Künstler aufmerksam zu machen. „Wir haben das Wortspiel gehabt und dann die Idee ausgearbeitet“, erzählte Brüderl bei der Veranstaltung am Mittwoch. „Dann haben wir Künstler angesprochen und viel Werbung über soziale Medien gemacht. Es ist toll, wie oft die Seite geteilt wurde und wie viele Menschen uns unterstützt haben. Auch die Künstler haben sich mit Einfallsreichtum, Herz und Kreativität gezeigt.“ Das beeindruckte auch den Geschäftsführer der gwt, Christoph Winkelkötter: „Unser Landkreis ist einer der Landkreise mit der höchsten Dichte an Unternehmen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft.“

Sven Thunig von der Starnberger Eiswerkstatt erstand von Stefan Komarek (v.l.) ein Konzert der Musikschule vor seinem Geschäft auf dem Kirchplatz.

Vor einer Woche packten die Organisatoren eine 40 Kilogramm schwere Stahlkiste voll mit Kunstwerken, Gutscheinen für private Konzerte oder Lesungen von regionalen Autoren. Diese Kiste versenkten sie, beschwert mit einem 350 Kilogramm schweren Stein und mit Hilfe der Bundeswehr, in zehn Meter Tiefe auf dem Grund des Starnberger Sees. Bis Mittwoch zierten eine Boje des Münchener Ruder- und Segelvereins und eine Fahne die Stelle zwischen „Undosa“ und MRSV.

„Ich freue mich, dass wir den Schatz jetzt wieder heben dürfen“, sagte Landrat Frey. Gemeinsam mit etwa 100 Künstlern, Käufern und anderen Mitwirkenden wartete er auf die Kiste, die die Bundeswehr mit Hilfe eines Kranes gegen 17.30 Uhr an die Seeoberfläche beförderte. Zwei Metallbauer der Firma Maier aus Weßling lösten die Schweißnaht, und gegen 18 Uhr war die Schatzkiste offen. „Die Kunst ist trocken geblieben“, verkündete Tewes.

Eine Boje markierte eine Woche lang die Stelle, an der die Kiste im Starnberger See lag.

Sie verteilte die Päckchen an die 20 Künstlerinnen und Künstler, die sie an die jeweiligen Käufer weitergaben. Darunter die Familie Henniger aus Starnberg: Anke Henniger kaufte einen Gutschein für eine Taschenlampenlesenacht in der Stadtbücherei Starnberg für ihre neunjährige Tochter Martha. „Ich liebe lesen“, sagte diese. Mit Freundinnen oder ihrer Familie darf sie an der Lesenacht teilnehmen. „Ich finde es toll, dass man mit so einer Aktion auf die Kulturmisere aufmerksam machen kann“, sagte Anke Henniger. Aus dem gleichen Grund wirkte auch Christine Loibl, Leiterin der Volkshochschule Starnberger See, bei der Aktion mit. Sie kaufte eine Lesung der regionalen Autorin Anja Janotta. Sven Thunig von der Starnberger Eiswerkstatt erstand ein Konzert von der Musikschule Starnberg. Gegen Ende der Sommerferien wird unter anderem Stefan Komarek, der auch am Mittwoch die Veranstaltung untermalte, auf dem Kirchplatz das Konzert geben. „Kirchplatz und Musik passen gut zusammen“, sagte Thunig, „sofern möglich, gerne auch mit größerem Publikum.“

Und auch Frey und Starnbergs Bürgermeister Patrick Janik schlugen zu: Gemeinsam kauften sie die Stahlkiste, die – nun angerostet – eine Woche lang die Kunst auf dem Grund eingeschlossen hatte. Diese soll im Museum Starnberger See ausgestellt werden. „Es zeigt, dass unser Landkreis eine Schatzkiste für Kultur ist“, sagte Janik. Wie alle anderen Mitwirkenden bekamen auch Bürgermeister und Landrat eine Urkunde mit der Zertifizierung „Kultur-Retter“.

Vanessa Lange

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