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Die Porträtkünstlerin von Starnberg

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Von: Peter Schiebel

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Indi Herbst in ihrer Galerie am Kirchplatz: Die 46 Jahre alte Porträtkünstlerin mit der ansteckend guten Laune will mit ihren Porträts die Ahnengalerie füllen. „Das ist eine Ewigkeitssache“, sagt sie über ihre Arbeit.
Indi Herbst in ihrer Galerie am Kirchplatz: Die 46 Jahre alte Porträtkünstlerin mit der ansteckend guten Laune will mit ihren Porträts die Ahnengalerie füllen. „Das ist eine Ewigkeitssache“, sagt sie über ihre Arbeit. © Photographer: Andrea Jaksch

Am Kirchplatz in Starnberg hat vor Kurzem eine neue Galerie eröffnet. Es ist das Geschäft von Indi Herbst, die sich als Porträtkünstlerin und Seelenfotografin versteht. Wer sich von ihr fotografieren lässt, hat etwas für die Ahnengalerie.

Starnberg – Hier ein schnelles Selfie, dort kurz die Katze, die Blume oder wahlweise auch den Sonnenuntergang fotografiert. Bild angeschaut, abgespeichert, vielleicht noch über Internetdienste an Freunde oder Verwandte verschickt – und das war es dann. Der individuelle Wert eines Fotos hat mit dem Siegeszug der Smartphones rapide abgenommen. Wie anders ist da der Ansatz von Indi Herbst. „Ich sehe meine Aufgabe darin, die Menschen weg von den Handyfotos und stattdessen zurück zu den Generationen überdauernden Porträts zu bringen“, sagt die 46-Jährige. Und genau das präsentiert sie seit Kurzem direkt am Starnberger Kirchplatz. Zwischen Eiswerkstatt und Bücherjolle hat sie ihre Galerie eröffnet – und sorgt mit ausdrucksstarken, großformatigen Bildern in dem lichten Raum für mehr als einen Hingucker.

Da ist das rothaarige Mädchen in dem senffarbenen Kleid, dessen Blick in eine endlose Weite schweift. Da sind die Zwillingsschwestern, die sich innig umarmen und damit nicht nur sich, sondern auch diesen Augenblick festhalten. Da ist das Ehepaar mit Kaffeetasse und Kaffeekanne, das in Abendkleid und Smoking einen Rollenwechsel vorgenommen hat. Dem Betrachter kommen zwangsläufig zwei Gedanken: Die Bilder erinnern an die Ahnengalerien längst vergangener Zeiten, auf denen Oma, Opa, Tante oder Onkel im Sonntagsgewand festgehalten sind – und sie werfen ganz zwangsläufig die Frage auf: Sind das noch Fotos oder schon Gemälde?

Beides ist von Indi Herbst beabsichtigt. „Ich will mit diesen Arbeiten in der Tat zurück zur Ahnengalerie“, sagt sie. Die jetzt von ihr porträtierten Kinder beispielsweise sollen in 50 Jahren zu ihren eigenen Kindern sagen können: „Das war eure Mama.“ Und auch der Fototermin als „Event“ ist ihr wichtig. Die Auswahl der Kleidung, der Anlass, das Mitwirken von Visagistin oder Stylistin – all das soll „etwas Besonderes, ein Erlebnis“ sein, sagt Indi Herbst. „Jedes Porträt hat ein Thema, ein Konzept und wahnsinnig viel Emotion.“

Das Verschwimmen von Foto und Gemälde hat mit ihrer Arbeit und dem Produktionsprozess zu tun. Nach dem Fotoshooting, das in der Regel zwei bis vier Stunden dauert, und der Auswahl des richtigen Bildes setzt sich Indi Herbst an den Computer und beginnt mit der Bearbeitung. Bis zu 500 Ebenen Licht und Schatten fügt sie ein oder nimmt sie weg. Zwei bis drei Wochen lang arbeitet sie täglich zwei bis vier Stunden an dem Porträt. Vermeintlich geschönt wird dabei nichts. Einen kleinen Pickel oder einen Katzenkratzer retuschiert sie weg, aber: „Ich nehme keine Falten weg, mache nichts an der Nase und vergrößere auch nicht den Busen“, sagt sie. „Die Unperfektion ist das eigentlich Perfekte. Wir sind nun mal so, wie wir sind.“ Es komme darauf an, den Menschen in dem einen Moment zu erfassen, in dem er sich selbst im Spiegel sieht.

„Wenn ich zufrieden bin, geht das Bild in den Druck“, sagt sie. Dafür hat sie Partner in Italien und Deutschland, die eine speziell strukturierte Leinwand nutzen. Ganz günstig ist die Sache nicht. Ein Porträt in der Größe 1,20 Meter mal 80 Zentimeter kostet in der Herstellung 1500 Euro, noch mal so viel verlangt Indi Herbst an Gage.

Die 46-Jährige ist ein Tausendsassa. „Mein Leben ist eine wilde Reise“, sagt sie selbst. Geboren in Freiburg und aufgewachsen auf Sri Lanka, hat sie Hotelkauffrau gelernt, ist für Fluggesellschaften um die Welt gejettet, hat beim Bodenpersonal gearbeitet, sich erst mit einer Event- und dann einer Hochzeitsagentur selbstständig gemacht. 2017 entdeckte sie die Porträtfotografie für sich, nachdem sie all die Jahre zuvor bereits hobbymäßig mit der Kamera unterwegs war. Seitdem hat sie nach eigenen Angaben 64 internationale Preise für ihre Arbeit gewonnen. „Es gibt tausend tolle Fotografen“, sagt Indi Herbst. „Meine Nische ist es, die Ahnengalerie zu füllen.“

Seit bald zehn Jahren lebt sie mit ihrem Mann und drei Kindern in Starnberg und scheint angekommen zu sein. Sie ist Mitglied im Kunstverein Die Roseninsel, der Mietvertrag mit der Kreissparkasse ist langfristig angelegt. „Ich habe zwei Jahre lang in Starnberg ein Atelier gesucht“, betont sie. Am Kirchplatz ist sie nun total glücklich. Dass der Einzelhandel in Starnberg seit Jahren schwächelt, schreckt sie nicht. „Klar gibt’s Schwierigkeiten, aber die sind dazu da, gemeistert zu werden. Ich habe jedenfalls nicht vor, hier so schnell wieder auszuziehen.“Zweimal im Jahr will Indi Herbst ihre Galerie am Starnberger Kirchplatz auch für Ausstellungen zur Verfügung stellen. Kommende Woche eröffnet Leopold Prinz von Bayern die Charity-Ausstellung „Universum, wir leben – eine Hommage an das Leben“. In deren Rahmen sind 50 Porträts von Menschen zu sehen, „die alle eine sehr persönliche Erfahrung teilen“, wie es im Einladungstext heißt. „Sie haben einen geliebten Menschen verloren oder selbst eine schwere Krankheit wie Krebs durchlebt. Dennoch stehen sie mitten im Leben, strahlen Stärke und Lebensfreude oder auch innere Reflexion aus.“

Zu den Porträtierten gehören neben Prinz Leopold unter anderen der Tenor Jonas Kaufmann, die Fotografin Gisela Getty, die Unternehmerin Chantal Hammer und die Filmregisseurin Heidi Kranz. Die Porträts können gekauft werden. Der Erlös geht vollständig an die Krebs- und Palliativstation des Klinikums Starnberg, verspricht Indi Herbst. „Gerade, weil wir wissen, dass Krankheiten wie Krebs oder Corona unseren Alltag von einem Moment auf den anderen von Grund auf ändern können, ist es wichtig, unser Schicksal jeden Tag aufs Neue in die Hand zu nehmen, im Jetzt zu leben und uns Zeit für uns zu nehmen“, betont sie.

Die Vernissage beginnt am kommenden Donnerstag, 2. September, um 19 Uhr. Anschließend ist die Ausstellung bis Montag, 20. September zu sehen zu diesen Öffnungszeiten: montags bis samstags von 11 bis 14 Uhr, donnerstags zusätzlich von 17.30 bis 20 Uhr.

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