Taxifahrer am Bahnhof See vermissen die Rufsäule.
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Taxifahrer am Bahnhof See vermissen die Rufsäule.

Am Bahnhof See in Starnberg

Rückkehr der Rufsäule: Warum die altmodische Einrichtung für Taxifahrer so wichtig ist

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Die Starnberger Taxifahrer haben ein Problem – neben Corona. Ihr Geschäft hängt auch in Smartphone-Zeiten stark von der Rufsäule am Bahnhof See ab. Die ist aber seit Jahren außer Betrieb. Eine neue Säule wurde nach langen Bemühungen geliefert – aber noch nicht angeschlossen.

Starnberg – Wenn alles zu hat, Gastronomie und Geschäfte, dann muss auch niemand wohin: Die Taxibranche leidet extrem in der Pandemie, Fahrer aus dem Landkreis berichten von Verdiensteinbrüchen von bis zu 80 Prozent. Und die in Starnberg treibt seit Langem auch noch ein weiteres Problem um: die nicht funktionierende Taxisäule am Bahnhof See.

Vor einigen Wochen verschwand die „Ruine“, wie sie Vizebürgermeisterin Angelika Kammerl nannte, aus dem Stadtbild. Ein Anschlussrohr und eine kleine neu betonierte Fläche ließ der Bauhof am Taxistand übrig. Kammerl hatte sich nach eigener Aussage über Monate um eine neue Rufsäule bemüht, recherchierte selbst im Internet, weil sie im Rathaus und Landratsamt nicht weiterkam. Mitte Dezember kam dann endlich die Lieferung, doch seitdem liegt das Gerät im Betriebshof der Stadt.

Viele Taxi-Einzelunternehmer: Zentrale Nummer sorgt für Gerechtigkeit

Warum eine im Jahr 2021 so altmodisch anmutende Einrichtung für die Taxifahrer so wichtig ist? In Starnberg gibt es, im Gegensatz zu Städten vergleichbarer Größe, keine größeren Taxi-Zentralen, sondern viele Solo-Unternehmer. In funktionierendem Zustand sorge die Rufsäule dafür, dass sie alle am normalerweise hochfrequentierten Bahnhof See zu ihrem Geschäft kommen, sagt Barakat Chekh Nabo, Taxifahrer aus Leutstetten. Die Nummer der Säule (081 51) 123 13 sei sehr bekannt in Starnberg, hänge seit vielen Jahren an Pinnwänden in Krankenhäusern, Arztpraxen, Hotels und Behörden. „Viele Leute haben diese Nummer im Kopf oder im Handy eingespeichert“, sagt Chekh Nabo. Das Prinzip: Die Rufsäule klingelt, der erste Taxifahrer in der Reihe nimmt das Gespräch an und fährt los, dann rückt der nächste einen Platz in der Schlange vor. Ein einfaches und gerechtes System – auch für ältere Fahrgäste, die ein Taxi brauchen, aber ihr Smartphone nicht mal eben nach einer der vielen Nummern fragen können.

Nun ist die Lösung so nah, lässt aber auf sich warten, wie Vizebürgermeisterin Kammerl sagt. Sie habe die Auskunft bekommen, dass nur die Bayernwerke die Säule an den Strom anschließen dürften – und nicht die Bauhofmitarbeiter. Und warum wird das nicht erledigt? „Unsere Partnerfirmen haben gerade wenig Kapazitäten“, sagt Bayernwerk-Pressesprecher Michael Bartels auf Nachfrage des Starnberger Merkur. Man rechnet damit, dass ein Elektroinstallateur sich der Sache Anfang Februar annehmen kann.

Neue Rufsäule: Taxi-Stammgast ließ Kontakt spielen

Mehrere Nachfragen der Taxifahrer selbst bei den Behörden waren in den vergangenen Jahren nicht erfolgreich. Dass es überhaupt eine neue Rufsäule gibt, ist auch Franz Xaver Hirschbold aus Leutstetten zu verdanken. Der 79-Jährige fährt in der Regel dreimal pro Woche mit dem Taxi zur Dialyse-Behandlung. Sein Fahrer Chekh Nabo hatte ihm das Leid geklagt, woraufhin Hirschbold seine guten Kontakte spielen ließ und sich an Vizebürgermeisterin Kammerl wandte. Die berichtet von ihren Internet-Recherchen: „Es war mühsam, eine Firma zu finden, die so etwas herstellt.“ Ein Angebot über 12 000 Euro kam für Kammerl nicht in Frage, die Stadt habe schließlich eine Säule für etwa 4500 Euro bestellt.

Übrigens: Es gibt das Gerücht unter Taxifahrern, dass die bekannte Rufsäulen-Nummer zeitweise auf ein oder mehrere Handys umgeleitet wurde. Nach Recherchen des Starnberger Merkur ist das nicht aus der Luft gegriffen. Wie auch immer: Mit der neuen Säule sollte auch die Gerechtigkeit zurückkehren.

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