Ein Dehn- und Streckgerät bekam der Kneippverein im September 2019
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Ein Dehn- und Streckgerät bekam der Kneippverein im September 2019 von der Stadt spendiert. Im Bucentaurpark wird es dagegen weiterhin keine Fitness-Anlagen für Senioren geben. Im Bild (v.l.): Hannelore Hartmann, Josef Penzkofer, Ex-Bürgermeisterin Eva John (heute Pfister), Hannelore Uffelmann und Renate Wagner.

Fitnessparcours

Die unendliche Geschichte der Fitnessgeräte

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Große Bauprojekte wie Schulturnhallen oder Rathäuser ziehen sich schon mal über viele Jahre von der ersten Idee bis zur Umsetzung. Eine Handvoll Fitnessgeräte im Freien für Senioren an einem geeigneten Standort aufzustellen, sollte dagegen eine einfache Übung für eine Stadt sein. In Starnberg scheint das aber einfach nichts zu werden. Der beste Beweis waren die widersprüchlichen Abstimmungsergebnisse des Bauausschusses am Donnerstagabend.

Starnberg – Vor acht Jahren stellte CSU-Stadtrat Gerd Weger erstmals einen Antrag für einen kleinen Fitnessparcours. Er musste einsehen, dass damals vieles dagegen sprach – Baustellen hier, kontaminierte Böden dort. Aber er ließ nicht locker und erreichte, dass der Bauausschuss im Jahr 2016 beschloss, einen „Senioren-Spielplatz“ zu bauen. Und zwar einstimmig. Drei Jahre später war aber immer noch nichts passiert, weshalb Weger 2019 heftig mit der damaligen Bürgermeisterin Eva John (heute Pfister) aneinandergeriet.

Im März diesen Jahres beschloss der Bauausschuss: „Der Bürgerpark wird als Standort für eine Seniorenfitnessanlage weiterverfolgt.“ Mittlerweile ist Patrick Janik Bürgermeister, Weger nicht mehr im Stadtrat, und der Bürgerpark, den auch der Seniorenbeirat als Standort bevorzugt, heißt Bucentaurpark. Der Durchbruch für die Fitnessgeräte war am Donnerstag durchaus möglich. Aber es kam ganz anders. Für Verwirrung bei einigen Stadträten sorgte Stadtbaumeister Stephan Weinl. Er empfahl ihnen, den Parcours beim Kneippverein am Mühlbergschlössl anzulegen – und eben nicht im Bucentaurpark. Die Begründung: „Die durch seine natürliche Gestaltung geprägte Parkanlage würde durch die Errichtung einer Sportanlage aus Edelstahl mit entsprechend befestigten Flächen in seinem Gesamtcharakter aus Sicht der Verwaltung nachteilig beeinträchtigt werden.“ Es sei ein beschaulicher Ort am See. Und das solle auch so bleiben.

Bürgermeister Janik betonte gleich, dass er die Ansicht der Verwaltung nicht teile. Über die „merkwürdige“ Sitzungsvorlage wunderte sich auch Angelika Kammerl (CSU). Drei Beschlüsse fasste der Bauausschuss nun: Der Standort beim Kneippverein fand mit 3:10 Stimmen keine Mehrheit – der am Bucentaurpark mit 6:7 aber auch nicht. Dafür einigte man sich mit 10:3 auf einen Kostenrahmen von 66 000 Euro. „Ich frage mich schon, warum wir den festgelegt haben. Der ist ja dann erst mal hinfällig“, sagte Janik nach der Abstimmung, sichtlich verwundert.

„Ich verstehe die Welt nicht mehr“, sagt Gerd Weger, wenn man ihn mit der Entscheidung konfrontiert. Eine Erklärung für das Verhalten der Stadträte sind die angespannte Finanzlage der Stadt und die nahenden Haushaltsberatungen. Marc Fiedler (FDP) plädierte dafür, mit der Sache bis zu den Debatten über die Finanzen abzuwarten, Kammerl war gleich für eine Verschiebung des Parcours-Baus auf 2022.

Am Ende ist das Thema Fitnessgeräte also noch lange nicht. Ludwig Jägerhuber (CSU) bat die Stadt darum, mit dem Kneippverein im Gespräch zu bleiben. Dem hat sie im September 2019 ja bereits ein Dehn- und Streckgerät für 3500 Euro spendiert.

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