Dieselgate im Landkreis Starnberg

Fast 30 Autos droht die Stilllegung

Mehr als zwei Dutzend Eigentümer von Fahrzeugen aus dem Bereich des VW-Konzerns bekommen demnächst Post – die Stilllegung der Autos. Viele wollen ihre Pkw aus einem Grund nicht umrüsten lassen.

Landkreis – Die Bescheide sind in Vorbereitung: Das Landratsamt Starnberg wird demnächst Fahrzeuge mit bestimmten Motoren aus dem VW-Konzern stilllegen, weil die Eigentümer der Aufforderung zur Umrüstung nicht nachgekommen sind. Die Autos können danach aber weiter gefahren werden, wenn die Fahrzeughalter klagen.

29 Fahrzeuge sind bisher nicht umgerüstet worden. Betroffen sind Modelle der Marken VW, Seat, Audi und Skoda, die mit dem Motor EA189 ausgestattet sind – einem Dieselmotor mit Schummelsoftware. Zunächst hatte der Hersteller die Fahrzeuge zur Umrüstung in die Werkstätten gerufen. Folgte ein Autobesitzer dem nicht, gingen die Daten über das Kraftfahrtbundesamt an die Zulassungsstelle nach Starnberg. Bürgerservice-Chef Wolfgang Tenzer und seine Mitarbeiter kommen damit mitunter in eine schwierige Situation. „Für uns ist das eine unangenehme Geschichte“, sagt er, denn: Die meisten Halter sind weder vergesslich noch nachlässig, sondern wollen ihr Fahrzeug wegen Klagen gegen VW als Beweisstück erhalten.

Die Zulassungsstelle schrieb die betreffenden Autobesitzer an und gab ihnen die Möglichkeit zur Stellungnahme. In vielen Fällen kam das Argument des zivilrechtlichen Verfahrens gegen den Hersteller. „Das können wir nicht akzeptieren“, sagt Tenzer. Die Behörde habe keine Wahl: Die Fahrzeuge verlieren die Betriebserlaubnis.

Bescheide in Vorbereitung

Die Bescheide werden dann verschickt – ist er beim Fahrzeughalter eingegangen, muss er den Wagen stehenlassen. Eine Fahrt ist aber noch zulässig: Zur Zulassungsstelle, um das Auto stillzulegen. Kommt ein Halter auch dem nicht nach, folgen nach Tenzers Worten erst ein Zwangsgeld und dann ein Besuch der Polizei, um den Pkw zu entstempeln. Soweit ist es aber noch lange nicht, denn: Gegen den Bescheid des Landratsamtes können die Halter klagen, und diese Klage hat aufschiebende Wirkung, wie Tenzer erklärt. Dann kann das Auto auch weiter benutzt werden, bis Verwaltungsgericht oder Verwaltungsgerichtshof entschieden haben.

Wie viele Fahrzeuge im Landkreis mit dem EA189 ausgestattet sind, ist im Detail nicht bekannt. Frühere Schätzungen gingen von mehreren Hundert aus. Der VW-Konzern selbst konnte auf Anfrage keine exakten Zahlen nennen – es wird dort nicht nach Kreisen gerechnet. In Deutschland seien etwa 2,25 Millionen Fahrzeuge betroffen, sagte ein Sprecher, von denen bisher 97 Prozent umgerüstet worden seien. Demnach wären es rund 67 000 bundesweit nicht und damit von einer Stilllegung bedroht.

Rubriklistenbild: © dpa / Marijan Murat

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