Schwer zu überwinden: Der Zugang zur Söckinger Kirche St. Stephan ist nicht barrierefrei. Das soll sich ändern – nur wie, ist noch nicht geklärt.  Foto: Dagmar Rutt
+
Schwer zu überwinden: Der Zugang zur Söckinger Kirche St. Stephan ist nicht barrierefrei. Das soll sich ändern – nur wie, ist noch nicht geklärt. Foto: Dagmar Rutt

Diskussion im Starnberger Bauausschuss

Barrierefreier Zugang zur Kirche in Söcking: Neue Varianten und verärgerte Stadträte

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
    schließen

Rampe, Stahltreppe oder Lift? Die Stadträte diskutieren über den barrierefreien Zugang zur Kirche St. Stephan in Söcking. Bisher war nur eine Variante im Gespräch - was einigen ziemlich stinkt.

Söcking – Um drei Varianten für einen barrierefreien Zugang zur Söckinger Kirche St. Stephan ging es am Donnerstagabend im Starnberger Bauausschuss. Bisher war in den Gremien der Stadt nur immer von einer geschwungenen Rampe vom Gehweg an der Andechser Straße zum Friedhofsplateau die Rede gewesen. Nun warf Stadtbaumeister Stephan Weinl zwei weitere, günstigere Lösungen in die Runde: eine relativ einfach Stahltreppe inklusive Auffahrt für Rollstühle und Kinderwagen – und einen Lift. Nach längerer Debatte entschlossen sich die Mitglieder, die Entscheidung zu vertagen und im Zuge der Haushaltsberatungen im November erneut zu beraten.

Die Diskussion kam immer wieder auf die klamme Finanzlage der Stadt zurück. Laut Stadtbaumeister Weinl würde die Variante 1 insgesamt 641 000 Euro kosten, was vielen in der Runde deutlich zu teuer wäre. „Das steht alles in keinem Verhältnis dazu, wie die Kirche benutzt wird“, sagte etwa Angelika Kammerl (CSU). Sie halte es für zumutbar, Rollstühle und Kinderwagen die Treppen hochzutragen. Marc Fiedler forderte, die Maßnahme zu verschieben. Die Kirche müssen zunächst den Weg vom Friedhof zu St. Stephan rollstuhlgerecht aufrüsten. Auch Franz Heidinger (BLS) will warten, bis das Gotteshaus renoviert ist. Dr. Franz Sengl (Grüne) regte ebenfalls eine Kostenbeteiligung der evangelischen Kirche und der Diözese Augsburg an. Die Stadt soll Gespräche mit den Kirchenvertretern führen, beschloss der Ausschuss auf Sengls Antrag hin.

Bürgermeister „verwundert“, Vorgängerin klärt über Vergangenheit auf:

Beziehungsweise die Gespräche fortsetzen. Wie die ehemalige Bürgermeisterin Eva Pfister (BMS) sagte, hat es solche bereits gegeben. Die Kirchenvertreter hätten damals auch signalisiert, sich zu beteiligen. Darauf angesprochen, sagt der jetzige Bürgermeister Patrick Janik dem Starnberger Merkur: „Mich hat das verwundert.“ Im Haushalt sei die Stadt nämlich als Vollzahler bei dem Projekt ausgewiesen –ohne Kirchenbeteiligung.

Verwundert äußerten sich Janik und einige andere in der Sitzung auch darüber, dass die anderen Varianten nie zuvor ausführlich auf den Tisch gekommen waren. Heidinger fand die deutlichsten Worte: „Hier gab’s immer nur Variante 1 – und die stinkt, da wurde geschoben.“ Der Vorwurf: Die Verlegung der Bushaltestelle an der Andechser Straße im vergangenen Jahr stehe im Zusammenhang mit dem barrierefreien Ausbau der Kirche St. Stephan. Diesen Zusammenhang habe man ihm auch im Rathaus bestätigt, sagt Bürgermeister Janik auf Nachfrage. Er favorisiere jedenfalls eine kostengünstigere Option.

Vorschlag von Otto Gaßner: Prioritäten setzen

Josef Pfister (BMS) merkte an, dass bei den Kosten der ersten Variante auch die für den Straßenbau dabei seien. Nach „zig Gesprächen mit dem Denkmalamt“ sei eigentlich alles „in trockenen Tüchern“ gewesen. „Jetzt wird wieder alles neu aufgemischt. Nur einsparen und Erbsen zählen, bringt uns nicht weiter“, sagte er. Die anderen Optionen Hublift und Stahltreppe bezeichnete er als „Arbeitsbeschaffung“ Die Kirche werde voll genutzt und brauche deshalb einen vernünftigen barrierefreien Zugang.

Rudolf Zirngibl (CSU), als Bestatter am Friedhof in Söcking tätig, betonte, dass Kirchgänger vorwiegend ältere Menschen seien. „Es trifft wirklich eine Gruppe, der wir helfen müssen. Man darf nicht unterschätzen, wie viele da hochgehen.“ Variante 1 war Zirngibl zu teuer, er sprach sich für den Hublift aus.

Prof. Otto Gaßner (UWG) versuchte, das Thema allgemeiner zu fassen. Es mache Sinn, sich alle Kirchen in der Stadt mit Blick auf Barrierefreiheit anzuschauen und dann Prioritäten zu setzen. Wie diese aussehen, werden die Haushaltsberatungen im November zeigen.  

Lesen Sie auch:

Diskutiert und gestritten, geplant und wieder verworfen wurde in den vergangenen Jahren mehr als genug, wenn es um die Frage ging, wie die Starnberger Innenstadt vom Verkehr entlastet werden soll. Nun scheint es so, als ob es tatsächlich einen breiten Konsens für erste Maßnahmen gibt.

Auch interessant

Kommentare