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„Dringend schauen, dass wir aus dem Stillstand rauskommen“

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Drei Bürgermeister, nicht alle von der UWG: Altbürgermeister Heribert Thallmair, Ulrich Müller (UWG), Altbürgermeister Ferdinand Pfaffinger (UWG-Vorsitzender), Angelika Wahmke (UWG), der aktuelle Bürgermeister Patrick Janik und Landrat Stefan Frey (v.l.) bei der 50-Jahr-Feier.
Drei Bürgermeister, nicht alle von der UWG: Altbürgermeister Heribert Thallmair, Ulrich Müller (UWG), Altbürgermeister Ferdinand Pfaffinger (UWG-Vorsitzender), Angelika Wahmke (UWG), der aktuelle Bürgermeister Patrick Janik und Landrat Stefan Frey (v.l.) bei der 50-Jahr-Feier. © DR

Lebhaft kam Heribert Thallmair das „Königlich Bayerische Amtsgericht“ in Erinnerung. „Es war eine liebe Zeit. Menschlich halt. Und das Leben ging und geht weiter.“ Diese Worte aus der Fernsehserie von Georg Lohmeier zitierte Starnbergs langjähriger Bürgermeister schmunzelnd bei der Jubiläumsfeier der UWG, als er von der Gebietsreform der 1970er Jahre berichtete – quasi ein Rückblick aus der Vogelperspektive.

Starnberg - Die Schlossberghalle sei der einzige vom Weltall aus sichtbare Punkt von Starnberg, witzelte damals der Kabarettist Josef Brustmann. Die 1970er Jahren waren auch die Frühzeit der UWG. Eine pünktlich fertig gewordene Festschrift schildert die 50-jährige Geschichte der „Unabhängigen Wähler Gemeinschaft Starnberg“ detailliert, mit Erfolgsberichten ebenso wie mit Hinweisen auf zeitweise „unguten Geist“ im Stadtrat. Der UWG-Vorsitzende, Altbürgermeister Ferdinand Pfaffinger, und der langjährige Stadtrat Dr. Jürgen Busse kleideten ihre Erfahrungen in ein munteres Zwiegespräch. Den Bahnhof Nord sahen manche einst schon als Zentrum für Kriminelle und Trinker, erinnerte sich Busse. Niemand habe sich vorstellen können, „dass der Streit um den B 2-Tunnel die Bürgerschaft derart spalten würde“, sagte Pfaffinger. Da hakte Landrat Stefan Frey nach: Spaltungen dürften nicht passieren, man müsse vernünftig miteinander umgehen.

Pfaffinger, 2002 als damaliger Kandidat der Bürgerliste (BLS) zum Bürgermeister gewählt, gab sich überzeugt, dass sich das alles gelohnt habe. Der Tunnel-Beschluss von 2003 sei nie geändert worden, am Sinn des Bahnhofs Nord zweifle niemand mehr. Dennoch mahnte Busse: „Wir müssen dringend schauen, dass wir aus dem Stillstand rauskommen.“ Die Kreisstadt werde nur Fördermittel für die Seeanbindung erhalten, wenn sie Ansehen genieße.

Teils recht umstritten war auch die 1978 abgeschlossene Gebietsreform, wie Thallmairs Vortrag belegte. Der Eingliederung von Söcking, Percha, Hanfeld, Hadorf, Leutstetten, Wangen und Perchting soll ein zwölfter Band der Stadtgeschichte gewidmet werden. Mit Anekdoten gab Thallmair einen Vorgeschmack. Er berichtete über Gemeinderatssitzungen im Wohnzimmer des damaligen Hanfelder Bürgermeisters Georg Hälterlein mit einem Mostkrug in der Tischmitte und über die Leutstettener, die im Dorf einen Gedenkstein aufgestellt haben: „Hier ruht die Gemeinde Leutstetten“. Der damalige Stadtpfarrer von Pasing forderte die Perchaer auf: „Vergesst nie, dass ihr die Speerspitze unserer Diözese gegen die heranrückenden Schwaben seid!“ Das frühere Stadtgebiet von Starnberg mit Hanfeld, Hadorf, Perchting und Söcking gehörte zur Diözese Augsburg, die Gemeinden Percha, Leutstetten und Wangen gehören zur Erzdiözese München und Freising. Thallmair: „Die Gemeindegebietsreform hat vieles verändert, an einer Diözesangrenze ist aber bisher noch jede Reform gescheitert.“

Ob die Zweifel an der Gebietsreform endgültig verschwunden sind, scheint sich Starnbergs heutiger Bürgermeister Patrick Janik zu fragen. Er erzählte von einer Anfrage der Perchtinger, die damals bei Starnberg gelandet sind, ihre Maisinger Nachbarn aber bei Pöcking. Nun, berichtete er, haben die Perchtinger einen neuen Platz für ihre Dorfkanone gesucht...  

Lorenz Goslich

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