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Symbolbild

Mietmarkt

Drohen dem Fünfseenland demnächst Hochhäuser?

Zu wenige Wohnungen, zu wenige Grundstücke – die Lage auf dem Mietmarkt hat eindeutige Ursachen. Dichter bauen und höher bauen sind Forderungen an die Politik.

Landkreis – Im Landkreis Starnberg steht kein Hochhaus. Zumindest keines, das offiziell diesen Titel verdient und höher als 23 Meter ist. Angesichts des Wohnungs- und Grundstücksmangels ist es fast schon verwunderlich, dass kein Investor einen Wohnturm bauen wollte – das würde die Bodenpreise erträglicher machen, weil mehr Wohnungen auf dieselbe Fläche passen. Denkbar wären Acht- oder Zehngeschosser, gewollt sind sie nicht.

Rein rechtlich wären Hochhäuser möglich, allerdings nach Einschätzung von Landrat Karl Roth nur in neuen Baugebieten. Das Baurecht würde zulassen, dass eine Gemeinde bei einem neuen Bebauungsplan auch solch hohe Häuser erlaubt. Allerdings: Fast alles in den Gemeinden ist bereits per Bebauungsplan geregelt, und nachträglich Hochhäuser zu erlauben, wäre eine Ungleichbehandlung derer, die vorher gebaut haben. In Gebieten ohne B-Plan ist das aber undenkbar, weil die Umgebungsbebauung zählt und die nicht um ein komplettes Stockwerk übertroffen werden darf. Von Hochhäusern will Roth nichts wissen: „Das würde die Ortsstruktur zerstören.“ Um das Problem weiß der Landrat sehr genau: „Arbeitsplätze sind leichter zu schaffen als Wohnraum.“

„Den Luxus der Bungalow-Siedlungen kann man sich nicht mehr leisten“

Also haben es die Kommunen in der Hand – und die haben schon mit normalen Bauvorhaben oft genug Ärger. „Ich fürchte keine Hochhäuser“, sagt Bürgermeister-Sprecher Rupert Monn. Vorstöße dieser Art sind ihm oder Roth auch nicht bekannt. Monn allerdings interpretiert die Forderung „höher bauen“ anders: Den Luxus von Bungalow-Siedlungen der 1960er Jahre könne man sich heute nicht mehr leisten, es müsse zwei bis dreigeschossig gebaut werden. Das müsse auch die Bevölkerung akzeptieren, auch wenn es schon bei „kleinen“ Wohnungsbauvorhaben Proteststürme gibt. Die Sache hat aber noch einen anderen Haken: Zumeist sind die Verkehrswege in gewachsenen Wohngebieten, in denen nun höhere Häuser gebaut werden, nicht dem heutigen Aufkommen gewachsen.

„Wohnsilos sind nicht die Strategie der Stadt Starnberg“

Vor allem die großen Orte wären Hochhaus-Standorte. Starnberg etwa hat schon mehrere hohe Häuser, nicht nur das so genannte Gaßner-Hochhaus. „Wohnsilos sind nicht Strategie der Stadt Starnberg“, erklärt Bürgermeisterin Eva John. Grundstücke seien nicht nur teuer, weil sie rar sind, sondern vor allem, weil sie wegen der Lage wertvoll sind. Die Stadt lasse alle freien Flächen erfassen, werde aber nicht überall „etwas hinstellen“. John geht im Geschosswohnungsbau von drei bis Stockwerken als Standard aus.

Hochhaus im rechtlichen Sinne ist alles mit acht oder mehr Stockwerken und einer Höhe von mehr als 23 Metern. So hoch reichen die Drehleitern der Feuerwehr, etwa in Starnberg. Da es in jedem Gebäude zwei Rettungswege geben muss, erklärt Kreisbrandrat Markus Reichart, müssen bei Hochhäusern zwei Treppenhäuser vorhanden sein oder ein spezielles mit Schleusen und einem Unterdrucksystem, das Rauch fernhält. Das macht die Sache dann wieder teurer.

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