Der Bahnhofplatz soll grundlegend neu geordnet werden. Die Stadträte stellen sich vor allem einen „Shared Space“ vor, also eine Fläche, auf der alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind.
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Der Bahnhofplatz soll grundlegend neu geordnet werden. Die Stadträte stellen sich vor allem einen „Shared Space“ vor, also eine Fläche, auf der alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind.

Ausschuss empfiehlt erste Maßnahmen

„Urbanes Herz“ für Starnberg: Innenstadt-Pläne werden konkreter, Durchgangsverkehr soll raus

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
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Diskutiert und gestritten, geplant und wieder verworfen wurde in den vergangenen Jahren mehr als genug, wenn es um die Frage ging, wie die Starnberger Innenstadt vom Verkehr entlastet werden soll. Nun scheint es so, als ob es tatsächlich einen breiten Konsens für erste Maßnahmen gibt

Starnberg – . Jedenfalls hat der Projektausschuss Verkehrsentwicklung des Stadtrats am Mittwochabend nach fast drei Stunden Diskussion einige Punkte auf den Weg gebracht. Sie betreffen unter anderem die Leutstettener Straße, die Possenhofener Straße, den südlichen Teil der Innenstadt und den Bahnhofplatz. Da bis auf eine Ausnahme alle Beschlüsse einstimmig fielen, sollte die Zustimmung des Stadtrats am kommenden Montag Formsache sein.

Auf dem Tisch lagen die Ergebnisse des Verkehrsentwicklungsplans (VEP), das Konzept „Lebendiges Starnberg“ des STAgenda-Arbeitskreises Verkehr, Überlegungen des Ingenieurbüros Vössing und ein neuer Vorschlag einer „Arbeitsgruppe Innenstadt“, bestehend aus den Stadträten Professor Otto Gaßner, Dr. Thorsten Schüler (beide UWG), Angelika Kammerl (CSU) und Dr. Franz Sengl (Grüne).

„Es ist kein neues Konzept, sondern der Versuch, aus den bestehenden Konzepten einen Kompromiss zu entwickeln“, erklärte Schüler. Ziel sei es, vor allem den Durchgangsverkehr aus der Innenstadt zu verbannen. Bürgermeister Patrick Janik hatte von der Verwaltung einen Beschlussvorschlag erarbeiten lassen auf Basis des „kleinsten gemeinsamen Nenners“ aller vorliegenden Überlegungen.

Possenhofener Straße/ Bahnhofstraße

An der Einmündung Possenhofener Straße/Bahnhofstraße soll die Vorfahrtsregelung geändert werden in Richtung Hauptstraße – und das „baldmöglichst“, wie es im Beschluss heißt.

Linksabbiegespur B 2/ Leutstettener Straße

Sowohl STAgenda als auch Arbeitsgruppe Innenstadt wollen von München kommenden Autofahrern künftig die Möglichkeit nehmen, von der B 2 in die Leutstettener Straße abzubiegen und von dort weiter durch die Innenstadt zum Beispiel in Richtung Paradies zu fahren. „Wir wollen den Verkehr zwingen, auf der Hauptstraße zu fahren“, sagte Franz Sengl. Machbar ist das aber erst mit Inbetriebnahme des B 2-Tunnels. Eine Einbahnregelung auf der Leutstettener Straße in Richtung B 2 war am Mittwoch nur am Rand Thema.

Der Anlieferverkehr für die an der inneren Leutstettener Straße ansässigen Unternehmen könne dann über Petersbrunner und Gautinger Straße dorthin fahren, sagte Sengl. BLS-Stadtrat Michael Mignoli hatte da seine Bedenken und sorgte bei dem Punkt für die einzige Nein-Stimme. „Ganz so einfach kann man das nicht machen“, gab er zu bedenken.

Bedenken ganz anderer Art hegt das Staatliche Bauamt Weiheim. „Ganz wird man auf die Linksabbiegerspur nicht verzichten können“, sagte der Abteilungsleiter Tunnelbau, Raphael Zuber, am Donnerstag gegenüber dem Starnberger Merkur. Zum einen müsse eine Möglichkeit geschaffen werden für Fahrzeuge, die wenden wollen, zum anderen für den Winterdienst. Über die Ausgestaltung der Spur, also zum Beispiel deren Länge, könne man aber reden, sagte Zuber.

Gautinger Straße bis Tutzinger-Hof-Platz

Nach Fertigstellung des Tunnels soll entlang der jetzigen B 2 zwischen Gautinger Straße und Tutzinger-Hof-Platz die Anzahl der Fahrspuren von zwei auf eine reduziert werden. Dieser Beschluss ging auf einen Vorschlag von Vössing-Ingenieur Frank Trebus zurück, der das für ausreichend hält, wenn der Großteil des Verkehrs unterirdisch durch Starnberg fährt.

Münchner, Haupt- und Weilheimer Straße

Auch das ist ein Vorhaben für die Zeit des Tunnels. Die Fahrbahnbreite von Münchner, Haupt- und Weilheimer Straße soll auf 6,50 Meter begrenzt werden. Mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer ist geplant, ebenso weitere Querungshilfen nördlich des Tutzinger-Hof-Platzes, östlich der Einmündung Ferdinand-Maria-Straße, im Bereich Achheimstraße und in der Nähe der Fischzucht. Ein entsprechendes Konzept soll die Verwaltung erarbeiten.

Bahnhofplatz und südliche Innenstadt

Von zentraler Bedeutung, nicht nur für die Arbeitsgruppe Innenstadt, ist die Entwicklung des Bahnhofplatzes und des südlichen Bereichs der Innenstadt, grob gesagt zwischen Josef-Jägerhuber-Straße und Bahnlinie. Maximilian- und Wittelsbacherstraße verfügten im unteren Bereich über die Qualität von Neuhauser und Kaufingerstraße, schwärmte Otto Gaßner in seiner Funktion als Stadtplanungsreferent des Stadtrats. „Dieses Gebiet sollte die Stadt für die Zukunft dahin entwickeln, dass es ein urbanes Herz wird“, sagte er.

Ganz wichtig sei es dabei, vor allem den Bahnhofplatz verkehrlich zu einem „Shared Space“ zu entwickeln, also zu einer Fläche, auf der alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind. Sollte das funktionieren, kann sich die Stadtratsgruppe in letzter Konsequenz und in ferner Zukunft sogar eine Fußgängerzone vorstellen. Was die nähere Zukunft betrifft, so sollte dort „ein stark verkehrsberuhigter Bereich“ entstehen, sagte Angelika Kammerl. Das steigere die Aufenthaltsqualität – und verleide es dem Durchgangsverkehr, den Bereich zu befahren. Auf Einbahnregelungen könne deswegen auch verzichtet werden, sagte Thorsten Schüler.

Die Verwaltung soll zunächst die Rahmenbedingungen für Shared Space erarbeiten. Dabei gehe es auch um Fragen der Barrierefreiheit, wie Patrick Janik sagte. Welche Beschlüsse der Ausschuss zum Bahnhofplatz getroffen hat, lesen Sie in dem Artikel „Mehr Leben am Bahnhofplatz“ auf dieser Seite.

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