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Ein Mann und sein „Delphin“: Das Prunkschiff von König Lud wig I. war das erste, was Benjamin Tillig am Museum Starnberger See positiv auffiel. Das hat er nicht vergessen. Ab Mai leitet er das Museum.

Er kommt aus Niedersachsen

Ein Geschichtenerzähler: Das ist der neue Leiter des Museums Starnberger See

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Der neue Leiter des Museums Starnberger See heißt Benjamin Tillig. Bisher kümmert er sich um das kulturelle Erbe Wilhelm Buschs in Wiedensahl in Niedersachsen.

Starnberg – Am Anfang war das Boot. Der „Delphin“, das höfische Prunkschiff der Wittelsbacher im Museum Starnberger See, hat Benjamin Tillig damals schwer beeindruckt. „Das ist ja cool, dass die ein Schiff im Museum stehen haben“, habe er sich damals gedacht. Inklusive Steg, so dass man sich sehr gut vorstellen konnte, gleich in das Boot einzusteigen. Wie damals Ludwig I. Das war etwa 2012, und natürlich durfte sich der Museumsbesucher Tillig nicht in den „Delphin“ setzen. Der Museumsleiter Tillig könnte es.

Ab 1. Mai läuft sein Vertrag als Chef des Museums Starnberger See. Im Januar beschloss der Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrats in nichtöffentlicher Sitzung einstimmig, den 37-jährigen gebürtigen Leipziger als Nachfolgerin von Sibylle Küttner einzustellen, die ans Gartenbaumuseum Erfurt gewechselt ist. Nachdem Küttner schon weg ist, kommt Tillig in den nächsten Monaten jeweils zwei Tage nach Starnberg, um den rund sechs Mitarbeitern im Museum die cheflose Zeit zu erleichtern. Gestern präsentierte Bürgermeisterin Eva John den neuen Museumschef in einem Pressegespräch, und es war ihr deutlich anzumerken, dass Tillig auch ihr Wunschkandidat ist.

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Der sieht sich als Geschichtenerzähler – weshalb es mit seiner Künstlerkarriere ins Stocken geriet, wie er mit einem Augenzwinkern berichtete. Er studierte an der Kunsthochschule für Medien in Köln und beendete das Studium mit einem Diplom in audiovisuellen Medien. Er arbeite als Bildhauer, malte auch, wollte aber immer Geschichten erzählen. Es gehe ihm um die Narration, wie er im Fachjargon sagte. Dafür kombinierte er eigene Werke mit denen von Kommilitonen. „Die fanden das anfangs gut, aber später irgendwann nicht mehr so gut“, berichtete er. Bis ihm jemand riet, sich doch als Kurator zu bezeichnen. Er kennt also beide Seiten: die des Künstlers und die des Kurators.

Ab 2012 war Tillig in München und arbeitete dort zuletzt für den Freundeskreis Pinakothek der Moderne und als Autor. Weil es seine Lebensgefährtin beruflich nach Niedersachsen zog, ging er mit. Und wurde vergangenes Jahr Leiter der Wilhelm-Busch-Museumslandschaft in Wiedensahl. Dort stehen das Geburtshaus des Dichters und das Pfarrhaus, in dem er lange wohnte. Die Besucherzahl ist mit rund 8000 vergleichbar mit Starnberg. „Ich habe dort viel angestoßen“, sagte er. Einiges, was er auch in Starnberg anpacken will.

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Etwa, wie ein Museum erlebbar wird. „Was ist das Erlebnis? Ist der Raum an sich das Exponat? Oder muss man den Raum zurücknehmen und sich auf das Exponat konzentrieren?“ Ein Museum müsse zeitgemäß sein und seinen Besuchern vermitteln, warum ein Exponat jetzt und dort ausgestellt werde. „Wenn wir den Besuchern nicht klarmachen, was das mit ihnen zu tun hat, dann ist es vergebene Liebesmüh. Dann fühlen sie sich nach dem Museumsbesuch wie nach einer Fahrt zum Mond.“ Es gehe darum, den Menschen mehr zu geben als nur eine Tafel mit Text. „Wenn man etwas erlebt hat, dann hält die Erinnerung länger vor.“ An Starnberg reize ihn zudem das Spannungsfeld zwischen Kultur und Natur und zwischen neuem Museumsbau und altem Lochmannhaus. Welche und wie viele Sonderausstellungen künftig geplant sind, konnte er gestern noch nicht sagen.

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