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Ein Leben für die Kirche

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Von: Peter Schiebel

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Lieber Bier statt Sekt: Mesner Hans Raphael (Mitte) mit den Gratulanten, (v.l.) Stadtpfarrer Dr. Andreas Jall, dem Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Andreas Schubert, Kirchenpfleger Dr. Richard Leopold und seinem Tutzinger Kollegen Rudi Strunz.
Lieber Bier statt Sekt: Mesner Hans Raphael (Mitte) mit den Gratulanten, (v.l.) Stadtpfarrer Dr. Andreas Jall, dem Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Andreas Schubert, Kirchenpfleger Dr. Richard Leopold und seinem Tutzinger Kollegen Rudi Strunz. © andrea Jaksch

40 Jahre beim selben Arbeitgeber: Auf dieses stolze Jubiläum kann Hans Raphael zurückblicken. Und das in einem eher seltenen Beruf: Denn der 59-Jährige ist in Vollzeit hauptamtlicher Mesner der katholischen Pfarrei St. Maria in Starnberg. Am Samstag wurde gefeiert.

Starnberg – Es gibt sie noch, die waschechten Starnberger. In der Stadt geboren, aufgewachsen und verwurzelt. Nie länger von daheim weg als für eine Reise. Hans Raphael gehört zu dieser Spezies Mensch. „Ich bin sehr froh und sehr stolz, dass ich diese Kontinuität bei meinem Lebensmittelpunkt habe“, sagt der 59-Jährige. Die elterliche Wohnung an der Hauptstraße, wo er mit vier Geschwistern aufwuchs, die Kindergartenzeit am Hirschanger, dann Schlossbergschule, Gymnasium – okay, für die Ausbildung zum Kfz-Mechaniker im Autohaus Walter in Pöcking hat er es vorzeitig beendet. Und seitdem, seit 1. Juli 1982 und damit seit 40 Jahren: Mesner von St. Maria, Hilfe der Christen.

Die Eltern seien sehr gläubig gewesen, bereits als Kind habe er sich in der Kirche sehr wohl gefühlt, erzählt Hans Raphael im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. „Die christliche Gemeinschaft finde ich bis heute prima“, sagt er. Natürlich war Raphael Ministrant in Starnberg. Er war Jugendleiter und Pfadfinder, engagierte sich bei der Katholischen jungen Gemeinde und der Kolpingsfamilie. „St. Josef war dreißig Meter entfernt, St. Maria war dreißig Meter entfernt, und mittendrin war der Schlossberg unser Spielplatz.“ Von daher sei „ein kirchlicher Beruf“ schon etwas gewesen, was er sich sehr gut vorstellen konnte.

Und dennoch musste er zumindest kurzfristig überlegen, als seinerzeit die Mesner-Stelle durch den Wegzug von Andreas Ziegler frei wurde. Denn gleichzeitig hätte Raphael auch im Musikkorps der Bundeswehr anfangen können. Schon als junger Kerl spielte er mit Begeisterung und Können Tuba, war Mitglied der Münchner Bläserbuben. Die Entscheidung fiel schließlich zugunsten der Kirche. „Die Musik ist aber meine Leidenschaft geblieben“, sagt Hans Raphael.

Nun also Mesner, und das als einer der ganz wenigen im Umkreis in Vollzeit. Was alles zu seinen Aufgaben gehört, schilderten Kirchenpfleger Dr. Richard Leopold und Pfarrgemeinderatsvorsitzender Andreas Schubert im Samstagabendgottesdienst zur Feier des Jubiläums. Raphael sorge sich um alle Kirchen der Pfarrei „vom Keller bis zur Kirchturmspitze“, so Schubert. Er organisiert die gottesdienstlichen Abläufe, für die Werktagsmesse genauso wie für den Festgottesdienst mit Bischof. Er ist für den Kirchenschmuck zuständig. Und er ist die zentrale Bezugsperson für die regelmäßig zwischen 80 und 100 Ministranten. Hinzu kommt die Musik – angefangen bei der legendären Mini-Band bis zu den Starnberger Blechbläsern, die es bis heute gibt.

„Natürlich wird man nicht einfach mal so Mesner. Man braucht jemand mit Organisationstalent, Engagement, Spürsinn für ganz viele Dinge, eigentlich muss man dafür berufen sein“, sagte Leopold. An dieser Berufung hat es bei Hans Raphael vom ersten Moment an nicht gefehlt.

Als er die Mesner-Stelle antrat, war Konrad Schreyegg noch Pfarrer in Starnberg. Zu ihm habe er „ein großes Vertrauensverhältnis“ gehabt, sagt Raphael. Es sei wunderbar gewesen, einer Kirchengemeinschaft angehören zu dürfen, die im Aufbruch begriffen gewesen sei. Schreyegg habe die Menschen für den Glauben begeistern können. „Er war nie bremsend, sondern immer motivierend.“ Es sei viele Jahre lang „eine sagenhafte Phase“ gewesen.

Besondere Freude hat ihm von Anfang an die Arbeit mit den Ministranten gemacht. Sie zu begleiten und zu erleben, Aktionen und Ausflüge zu organisieren, die ersten Mini-Mannschaften beim Landkreislauf anzumelden oder Fußballturniere auszuspielen – all das sei immer auch mit viel Spaß verbunden, sagt er. Dass viele ehemalige Ministranten am Samstag gekommen seien, habe ihn sehr gefreut, sagt Raphael. Auch die Sternsinger, aktuell etwa 70 pro Jahr, unterstützt er. Wobei Hans Raphael in seiner Bescheidenheit betont: „Ich mache das nicht allein. Es funktioniert nur, wenn viele Leute mitmachen.“

Dass die Kirche, vor allem die katholische, derzeit einen schweren Stand hat, schmerzt ihn. Er ärgere sich maßlos über die „schwarzen Schafe“, die sich Missbrauchsvergehen schuldig gemacht hätten, sagt Hans Raphael. „Es ist so viel Mist passiert, der jetzt hochkommt.“ Dennoch ist an der Kirche natürlich nicht alles schlecht. „Die Jugendarbeit und die Musik, verankert in einer lebendigen Gemeinde, das hat mir über die Jahre und Jahrzehnte hinweg am meisten Freude gemacht.“ Ein paar Jahre kommen für Hans Raphael noch dazu – in seiner Pfarrei in seinem Starnberg.

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