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Das nördliche Tunnelportal in Höhe des McDonald‘s (links) auf einer Simulation.

Neue Stellen, neues Geld, alte Projekte

Ein Monat nach dem Tunnelbeschluss: Das ist seitdem geschehen

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Denkwürdig, historisch, nachhaltig – es gab viele Umschreibungen für die Stadtratssitzung vor vier Wochen. Am heutigen Montag ist es genau einen Monat her, dass sich Starnbergs Abgeordnete mit einer Mehrheit von 19:12 Stimmen für den Bau des B2-Tunnels bei gleichzeitiger Prüfung einer ortsfernen Umfahrung ausgesprochen haben.

Starnberg – Was ist seit diesem Doppelbeschluss passiert? Wie ist der aktuelle Stand der Dinge? Der Starnberger Merkur hat bei den wichtigsten Beteiligten nachgefragt.

Stadt Starnberg:Bürgermeisterin Eva John hat die zuständigen Behörden von Freistaat und Bund in einem Schreiben mit Datum vom 2. März über den Beschluss des Stadtrats informiert. Der Brief ist adressiert an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt in Berlin – über das Staatliche Bauamt Weilheim und die Oberste Baubehörde im Bayerischen Innenministerium. „Bis jetzt haben wir noch keine Antwort“, sagt Bürgermeisterin Eva John.

Bundesverkehrsministerium Berlin:„Der Brief ist im Ministerium eingegangen“, bestätigte ein Sprecher am Freitagnachmittag. „Eine Vorlage an den Minister ist derzeit in Vorbereitung.“ Verkehrsminister Alexander Dobrindt muss die Baufreigabe erteilen, da es sich bei dem (mit Rampen) 2180 Meter langen Tunnel um ein Bundesstraßenprojekt handelt.

Staatliches Bauamt Weilheim: Auf die offizielle Freigabe wartet zwar auch Amtsleiter Michael Kordon, gleichwohl hat er „den Apparat wieder angeschmissen“, wie er dem Starnberger Merkur erklärt. Schließlich habe Dobrindt die Freigabe der bislang errechneten 162 Millionen Euro bereits avisiert.

„Apparat wieder anschmeißen“ bedeutet, dort weiterzumachen, wo die Behörde bis zum zwischenzeitlichen Aussetzen der Tunnelbeschlüsse schon einmal war: „Wir führen mit den Fachbüros bereits Gespräche oder machen Termine aus, um die Kapazitäten abzuklopfen“, erklärt Kordon. Diese Büros müssen nun die Baureifplanung für den Tunnel machen. Auch mit der Bahn sei bereits ein Termin vereinbart, um über den erforderlichen Neubau der Bahnbrücke am Seilerweg zu sprechen. Zudem würden die genauen Grundstücksverhältnisse entlang des Tunnelprojekts überprüft. „Nach außen gegangen sind wir aber noch nicht“, sagt Kordon. Heißt: Vor allem mit der Familie Ganslmeier, deren Wohnhaus dem erforderlichen Durchstich der Petersbrunner Straße weichen muss, seien noch keine Gespräche geführt worden.

Um das „Riesen-Projekt“ zu stemmen, benötigt Kordon auf jeden Fall zusätzliches Personal. Zwei bis drei neue Mitarbeiter will er einstellen. Ob dabei ein Projektmanager ist oder ein Tunnelexperte, lässt er offen. „Wir müssen sehen, was der Arbeitsmarkt hergibt“, sagt er. „Ich möchte aber auf jeden Fall vermeiden, dass andere Projekte darunter leiden.“

Stadt Starnberg:Einen neuen Mitarbeiter sucht auch Bürgermeisterin John. Die Besetzung einer Vollzeitstelle für einen Bauingenieur der Fachrichtung Verkehrs- und Straßenplanung ist am heutigen Montag bereits Thema im Haupt- und Finanzausschuss (Beginn der öffentlichen Sitzung: 18 Uhr, Schlossberghalle). Denn während beim Tunnel-Projekt das Staatliche Bauamt Herr des Verfahrens ist, so ist es die Stadt bei der Untersuchung einer ortsfernen Umfahrung. Eine Aufgabe, für die zusätzliches Personal benötigt wird.

Zumal die Arbeiten ebenfalls schon angelaufen sind. „Wir entwickeln für den Stadtrat gerade einen strukturierten Vorschlag über die notwendigen Arbeitsschritte“, sagt John. Dabei gehe es in erster Linie um naturräumliche Auswirkungen einer Trasse zwischen der Waldkreuzung und Oberdill. Der Vorschlag der Verwaltung werde unter anderem eine Übersicht der zu erwartenden Arbeiten und einen Terminplan beinhalten. Sobald er fertig und mit dem Staatlichen Bauamt abgestimmt sei, werde sie den Vorschlag dem Stadtrat vorlegen, so John. Die finanziellen Voraussetzungen sind bereits gegeben.

Stadtrat:Der Stadtrat hat am 6. März 500 000 Euro für die Prüfung der ortsfernen Umfahrung im neuen Haushalt bereitgestellt. Der Beschluss fiel einstimmig, wogegen eine weitere halbe Million Euro jährlich gegen FDP, BMS und WPS durchgesetzt wurde. Dieses Geld ist für Maßnahmen, die die Stadt im Zuge des Tunnelbaus bezahlen muss.

CSU-Chef Stefan Frey, der für viele als Architekt des Doppelbeschlusses gilt, ist überrascht, wie stark die Resonanz auf die Tunnel-Entscheidung nach wie vor ist. „Ich werde aus ganz Bayern ganz oft darauf angesprochen“, sagt er.

Am 6. April will der Tunnel-Verein „Umweltbewusste Verkehrsentlastung Starnberg“, dessen zweiter Vorsitzender Frey ist, die aktuelle Situation darstellen. Zu dem Infoabend im Gasthof In der Au (Beginn: 19 Uhr) werden unter anderem auch Amtsleiter Kordon und Ministerialrat Dr. Thomas Linder von der Obersten Baubehörde erwartet.

Bürgerinitiative Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel (BI):Unklar ist derweil das weitere Vorgehen der BI. „Wir werden bei der nächsten Vorstandssitzung intensiv und sorgfältig weitere Schritte beraten“, hatte BI-Chef und WPS-Stadtrat Dr. Klaus Huber vor einer Woche gegenüber dem Starnberger Merkur erklärt.

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