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Mit dem Tablet unter Wasser Entfernungen, Positionen und Tiefen ablesen: Das ermöglicht eine finnische Innovation, die Taucher der DLRG zuletzt im Starnberger See testeten.

Taucher mit Tablet

Ein Navi für Wasserretter: DLRG Starnberg testet Innovation aus Finnland

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Für Deutschland wäre es eine Technik-Neuheit: Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hat im Starnberger See eine Art Navigationsgerät für Taucher und Einsatzleiter getestet. Ob das System alltagstauglich ist, muss sich aber erst noch zeigen.

Pöcking – Wo bin ich eigentlich genau? Und wie bin ich hierher gekommen? Wer mit dem Auto durch eine fremde Stadt fährt, fragt sich das heute nur noch selten – dank Online-Karten oder Navigationsgerät an der Frontscheibe. Taucher und ihre Einsatzleiter auf dem Boot haben es nicht so leicht. GPS-Ortung funktioniert unter Wasser nicht, genauso wenig eine Funkverbindung. Die Lösung für das Problem kommt aus Finnland und wurde zuletzt im und am Starnberger See getestet.Erstmals in Deutschland, sagt Walter Kohlenz.

Der Vorsitzende der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Pöcking-Starnberg, der auch bundesweit Vizepräsident ist, hat die Initiative ergriffen. Im Internet sei er auf die finnische Firma UWIS Oy gestoßen. Die hat das sogenannte Under Water Information System (UWIS) entwickelt, mit dem Wasserretter sich orientieren und kommunizieren können. „Ich habe sie angeschrieben und gefragt, ob sie mit der weltweit größten Wasserrettungsorganisation zusammenarbeiten möchten“, erzählt Kohlenz. Wollten sie.

Und so kam es, dass sich rund 30 Einsatzplanungsspezialisten und Taucher der DLRG aus ganz Deutschland an der Rettungsstation der Ortsgruppe in Possenhofen trafen. Zwei Tage lang testeten sie UWIS bei verschiedenen Tauchgängen. Das Prinzip: Die Taucher bringen einen etwa handgroßen, runden Tracker an ihrer Gasflasche an. Oder gleich an einem Tablet, das dann dank Infraschall-Technik als Navi funktioniert, Entfernungen, Position und Tiefe anzeigt. Die Daten werden über eine Boje an die Oberfläche weitergeleitet. So können auch die Einsatzleiter in Echtzeit die tatsächlich zurückgelegte Strecke der Taucher verfolgen – wenn sie wollen von bis zu 100 gleichzeitig in einem Radius von 500 Metern in einer Tiefe von bis zu 150 Metern.

Einsatzleiter können im Detail in Echtzeit nachvollziehen, wo ihre Taucher unterwegs sind.

Die Suche nach gesunkenen Booten oder vermissten Menschen würde das erleichtern, findet der Pöckinger Ortschef. „Wir haben natürlich unsere Suchmuster – aber kein Tracking. Man sieht ganz genau, wo man schon überall war, und könnte die Daten zum Beispiel der Polizei übergeben.“ Ein „Riesengewinn“ wäre UWIS für die Unterwasser-Drohne der DLRG. Kohlenz: „Die lässt im Gegensatz zum Taucher keine Wasserbläschen nach oben steigen. Man kann nicht sagen, welchen Einfluss Strömungen gerade auf sie haben.“

Aber die finnische Innovation hat auch ihre Grenzen. In zerklüfteten Unterwasser-landschaften kann der Kontakt zur Boje schnell abreißen. Und die Kommunikationsfunktion ist für die DLRG eher unattraktiv. Taucher können per Knopfdruck Nachrichten an die Oberfläche senden: „SOS“, „Auftauchen“ oder auch etwas anderes – je nachdem, was der Nutzer einstellt. „Wir nutzen aber eine Gegensprechanlage über ein Kabel, das in der Führungsleine des Tauchers integriert ist“, sagt Kohlenz.

Das Fazit der Einsatzkräfte auf einen Nenner gebracht: nicht bahnbrechend, aber sehr interessant und eine Überlegung wert. „Was es im Einsatz tatsächlich bringt, müssten weitere Tests zeigen“, sagt Kohlenz. Auf höherer DLRG-Ebene werde nun beraten, ob es dazu kommt und eine Anschaffung Sinn macht. „Am Ende ist es auch eine Kostenfrage“, betont der Ortschef. Laut Kohlenz kostet ein System mit drei Bojen und sechs Trackern etwa 18 000 Euro.

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