Ehre für einen Starnberger: Hubert Dietrich (M.) erhielt die Staatsmedaille von Hubert Bittlmayer, Amtschef im Landwirtschaftsministerium (l.), und Hubert Heigl, Vorsitzender der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau ( LVÖ).
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Ehre für einen Starnberger: Hubert Dietrich (M.) erhielt die Staatsmedaille von Hubert Bittlmayer, Amtschef im Landwirtschaftsministerium (l.), und Hubert Heigl, Vorsitzender der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau ( LVÖ).

Staatsmedaille

Ein Pionier unter den Imkern

Ökologischen Landbau in all seinen Facetten ist im Kommen, Vordenker- und kämpfer wollte der Freistaat schon 2020 ehren – die Pandemie verhinderte es. Dieser Tage nun wurden Staatsmedaillen vergeben an Pioniere, auch an einen Starnberger: Hubert Dietrich, Bio-Imker.

Starnberg – Wer in Stadt und Landkreis Imker hört, denkt zumeist an Hubert Dietrich (81). Der Starnberger ist seit vielen Jahren Vorsitzender des Kreisverbandes, gibt Kurse, lehrt und hält Vorträge – und betreut natürlich laufend seine Bienenvölker. Vor 20 Jahren war er aus Interesse zu einem Vortrag über Bioimkerei gegangen, seither ist beim ihm alles bio. Für seine Verdienste darum wurde er diese Woche mit einer Staatsmedaille ausgezeichnet, zusammen mit 20 weiteren Vordenkern des ökologischen Landbaus und der Vermarktung aus ganz Bayern – wie Georg Scheitz sen. Hubert Dietrich bekam seine Auszeichnung gewissermaßen für sein Lebenswerk.

Seit rund 23 Jahren ist er Imker, seit 21 Jahren Bio-Imker. Er hatte sich seinerzeit für die Bio-Version des Bienenhalters interessiert („ich wollte wissen, wie es geht“) und ist dabei geblieben. Bio-Imker müssen sich, erzählt er, strengen Regeln unterwerfen. Denn dass die Bienen nicht auch einmal an behandelten Blüten zu Gange sind, kann man nicht ausschließen. „Bienen lassen sich nicht lenken“, sagt Dietrich. Die Regeln jedoch versuchen, so viel Bio in den Honig zu bekommen wie irgend möglich. Die Völker darf ein Bio-Imker nicht neben einem konventionell bewirtschafteten Feld aufstellen, er darf nur wenige, naturnahe Mittel gegen die Varroamilbe einsetzen, er muss Honig und Wachs regelmäßig untersuchen lassen. Und das auf das Mikrogramm genau. Probleme hatte Hubert Dietrich dabei nie. Die Region, das Fünfseenland, kommt einem Bio-Imker entgegen, weil es viele Landschaftsschutzgebiete gibt und einige Völker in der Stadt leben.

Hubert Dietrich hat zumeist 20 Völker, was im Winter etwa 100 000 bis 140 000 Bienen entspricht, im Sommer sind es etwa 800 000. Mehr Völker wollte der Starnberger nie, „man will es ja ordentlich machen“, sagt er. Heuer war das Jahr für die Imker schlecht, eines der schlechtesten der vergangenen Jahrzehnte. Mehrfach gab es Kälteschocks, was die Vermehrung der Bienen bremst, und was sie gesammelt hatten, brauchten sie selbst. Manche Imker, weiß der Vereinsvorsitzende, hätten gar keinen Honig erwirtschaftet. 20 Kilogramm pro Volk sind es zumeist, je nach Standort. Auch Dietrich ging der Honig aus. Nur der Juni sei für die Bienen in Ordnung gewesen, der Rest zu kalt und zu nass.

Der Starnberger hat die Staatsmedaille als langjähriger Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Starnberg erhalten und weil er seit mehr als 20 Jahren Fürsprecher für Bienen, Naturschutz und den Erhalt der traditionellen Kulturlandschaften sei, teilte das Landwirtschaftsministerium mit. Er habe maßgeblich zur Entwicklung, Gestaltung und Verbreitung der ökologischen Bienenhaltung beigetragen und sei seit 2021 Beisitzer im Präsidium des Verbands Bayerischer Carnicazüchter (VBC). Hubert Dietrich ist überregional bekannt als Veranstalter der Imkergespräche, die normalerweise in Starnberg stattfinden, heuer aber coronabedingt auf den Wendelstein verlegt worden waren. Der Starnberger ist in vielen Verbänden, einer hat ihn für die Auszeichnung vorgeschlagen, über die er sich als Anerkennung sehr gefreut hat.

In den vergangenen 20 Jahren hat der Bio-Gedanke auch bei Imkern immer mehr Anhänger gewonnen. Als Dietrich anfing, waren sie zu zweit im Verein, heute sind es mehr als ein Dutzend. Die Mitgliederzahl stieg von 130 auf 330. Was Hubert Dietrich noch nicht gefunden hat, ist ein Nachfolger für den Vorsitz.

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