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Unterwegs auf dem Schlossberg: Historikerin Miriam Schmiechen (vorne M.) nahm die Teilnehmer der Führung mit auf eine Reise durch die Geschichte des Schlosses.

Volkshochschule

Ein Schloss mit vielen Gesichtern

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Die Historikerin Miriam Schmiechen erzählt Geschichten von Starnbergs markantestem Bauwerk.

Starnberg – Burg, Landgericht, Schloss und schließlich Finanzamt – das Starnberger Schloss hatte über die Jahrhunderte viele Funktionen und Gesichter. In einer Führung quer über den Schlossberg bis hinunter zum Tutzinger-Hof-Platz zeigte Historikerin Miriam Schmiechen im Auftrag der Volkshochschule Starnberger See zwölf Teilnehmern, wie das Schloss die entstehende Stadt Starnberg beeinflusst hat.

An der Aussichtsplattform im Schlossgarten, umgeben von duftenden Rosen und mit Blick auf den See, begann Schmiechen mit ihrer Führung und drehte die Zeit um über 800 Jahre zurück. „Der Graf von Andechs erbaute die Burg im zwölften Jahrhundert“, erzählte sie. „Da die Andechser im Jahre 1208 in Verdacht gerieten, an der Ermordung des römisch-deutschen Königs in Bamberg beteiligt gewesen zu sein, ging die Burg damals in den Besitz der Wittelsbacher über.“ Zwar konnten die Andechser ihren Namen reinwaschen und erhielten so das Bauwerk zurück. Als die männlichen Vertreter der Grafschaft Andechs im 13. Jahrhundert ausstarben, übernahmen die Wittelsbacher dennoch schlussendlich die Burg.

„Im Jahre 1395 schenkte der Wittelsbacher Herzog Ernst von Bayern-München die Burg seiner zukünftigen Frau Elisabeth Visconti“, erklärte Schmiechen. „Seitdem entwickelte sich das Bauwerk zu einem Lustschloss, auf dem Festabende veranstaltet wurden.“ Dabei gab es jedoch ein Problem: Das Landgericht, das sich seit Mitte des 14. Jahrhunderts in der Burg befand, stand den immer ausschweifenderen Festen im Weg. Um in Ruhe Gerechtigkeit walten zu lassen, zog der damalige Landrichter nach einigen Jahren in ein eigenes Gerichtsgebäude nahe der Schlossküche.

„Ohne den Starnberger See wäre die Burg vielleicht nie zum Schloss geworden“, sagte Schmiechen. „Denn früher veranstaltete die Schiffsflotte der Wittelsbacher am Starnberger See prunkvolle Feste auf den Schiffen.“ Weil die Festgäste die Nacht in stilvollen Bleiben verbringen sollten, wurde die Starnberger Burg ab dem Jahre 1400 nach und nach zum herrschaftlichen Schloss ausgebaut.

Im Inneren durfte ein Tanzsaal nicht fehlen, und auch die Inneneinrichtung war mit Vorhängen aus Taft, mit Seide ausgekleideten Wänden und goldenen Tischläufern exquisit. Im Lauf der Jahre entwickelte sich das Schloss zusammen mit anderen Schlössern am Ufer des Sees zum Ziel der Schifffahrten, und auch die Feste verlagerten sich immer mehr in die Schlösser.

Zu dieser Zeit bestand die heutige Stadt Starnberg lediglich aus zwei Siedlungszentren am Fuße des Schlossbergs. Während die vordere Siedlung vor allem Landwirte bewohnten, war die hintere Ortschaft maßgeblich vom Schloss geprägt. „Die Siedlung am Tutzinger-Hof-Platz bestand vor allem aus Gebäuden, die zum Schloss gehörten“, erklärte Schmiechen. „Dort lebten viele Angestellte des Hofes, zum Beispiel Handwerker.“

Auch am Schlossberg, in unmittelbarer Nähe zum Schloss, hatten einige Bedienstete ihre Bleibe, etwa der Brunnwart, der für die Wasserversorgung zuständig war. Sein Haus und auch ein Pferdestall befanden sich direkt am Schlossberg. Diese Gebäude gibt es heute aber nicht mehr, da in den Jahren 1969 bis 1971 viele alte Häuser abgerissen wurden, als das Finanzamt ins Schloss zog.

Der Starnberger Schlossgarten blieb von den radikalen Umbaumaßnahmen aber verschont. Wie der Garten früher angelegt war, ist allerdings nicht bekannt. Zwischenzeitlich verwilderte er und wurde nur noch für den Anbau von Obst und Gemüse genutzt. Erst ab 1980 nahm sich die Stadt Starnberg der Gestaltung des Gartens an. Heute ist der Schlossgarten mit saftigen Hecken, blühenden Rosen und einem Steinbrunnen, in dem das Wasser beruhigend plätschert, ein schöner Ort zum Verweilen.

Bei der VHS-Führung machte der Regen den Starnbergern zwar einen Strich durch die Rechnung. Bei schönem Wetter bietet es sich für Besucher aber an, den blühenden Schlossgarten zu genießen und einen Blick auf das Schloss mit den vielen Gesichtern zu werfen.

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