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Kultur im Sommer: „Eine Zumutung im besten Sinne“

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Von: Stefan Reich

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Einer der Höhepunkte im Programm der „Kunsträume am See“ im Sommer wird ein Abend im Gemischtwarenhandlung Biller Mitte Juli. 
Einer der Höhepunkte im Programm der „Kunsträume am See“ im Sommer wird ein Abend im Gemischtwarenhandlung Biller Mitte Juli.  © Kunsträume am See

Die „Kunsträume am See“ sind seit Jahren ein bekanntes und beliebtes Element der Kultur im Landkreis Starnberg. Nun liegt das Programm für den Sommer vor.

Starnberg – Sicherheitsabstand. Dieses Wort fällt immer wieder in den anderthalb Stunden, in denen Elisabeth Carr ihre Pläne für diesen Sommer vorstellt. Die körperliche und geistige Distanz zwischen Kunst und Betrachter aufzuheben, das gehört mit dazu bei ihrer Veranstaltungsreihe „Kunsträume am See“. Oft zwingen die Örtlichkeiten, in denen sie Lesungen, Ausstellungen, Konzerte oder Filmvorführungen organisiert, den Besucher in eine intime Nähe zu Künstlern und Werk. Bei den Gästen würden sich so auch geistig „Türen, Fenster, Kammern“ öffnen. Für diese Form des Kunsterlebnisses sucht Carr mit viel Bedacht passende Örtlichkeiten. Von Juni bis August öffnet sie ganz im wörtlichen Sinn Türen, die sonst verschlossen bleiben.

Die ehemalige Gemischtwarenhandlung Biller (Hauptstraße 25) in Starnberg ist so ein Ort. Auf dem engen Raum zwischen der Schaufensterfront, der Biedermeier-Ladentheke und den immer noch mit allerlei Kleidern und Stoffen bestückten Regalen werden am 16. Juli Besucher dicht an dicht sitzen und Elisabeth Carr lauschen. In Erinnerung an die 2021 verstorbene Ladeninhaberin Trudi Biller wird sie „Geschichte(n) über die Ladentheke“ erzählen. Gertraud Weiß, so der amtlich-korrekte Name von Trudi Biller, hätte an diesem Tag ihren 95. Geburtstag gefeiert. Diese Veranstaltung sei „absolute Tuchfühlung“, sagt Carr, „eine Zumutung im besten Sinne“.

Lesung auf der Roseninsel

Auch das kleine Casino auf der Roseninsel vor Feldafing ist so ein intimer Ort. König Ludwig II. hatte es als Rückzugsraum geschätzt. Dort wird Peter Weiß am Freitag, 17. Juni, die Novelle „Vergittertes Fenster“ von Klaus Mann lesen. In diesen Zeilen hielt der Sohn von Thomas Mann fest, wie er sich die letzten Tage des Märchenkönigs vorstellte, dem er sich innerlich stark verbunden fühlte. „Heimatliches Hingehören“ ist ein Abend mit Maria und Matthias Well am 16. September überschrieben. Die Geschwister aus der bekannten Musikerfamilie spielen im Casino Kunstmusik und Volksweisen.

Carr freut sich, dass solche Veranstaltungen heuer – nach einem Jahr Corona-Zwangspause und einem weitern Jahr mit reduzierten Möglichkeiten – wieder ohne medizinisch notwendigen Sicherheitsabstand durchführbar sind. Eine der Veranstaltungsreihen im Rahmen der „Kunsträume“, die im vergangenen Jahr stattfinden konnten, war „Sehnsucht Starnberger See – Eine historisch-musikalische Villenpartie“. Die Kunsthistorikerin Katja Sebald hatte sich für einen Bildband mit geschichts-trächtigen Villen am See beschäftigt und 2021 eine Führung in der Villa Linprun angeboten. Heuer öffnen sich die Türen zu drei Villen: der Villa de Osa in Kempfenhausen (2. Juli), der Villa Knorr in Pöcking (19. Juli), auch bekannt als Hotel „La Villa“, und der Villa Waldberta in Feldafing (31. Juli), in der Kunststipendiaten der Stadt München leben und arbeiten.

Organisatorin Elisabeth Carr mit dem Maler und Zeichner Tré Polk, der bei ihrer Reihe zu Gast ist.
Organisatorin Elisabeth Carr mit dem Maler und Zeichner Tré Polk, der bei ihrer Reihe zu Gast ist. © Kunsträume am See

Besuche in Villen und Ausstellung

Auch eine vierte Villa wird von innen zu sehen sein. Im Rahmen der Aktion „Gallery to live in“ wird der Maler und Zeichner Tré Polk einen Teil der Räume der Villa Mussian (Possenhofener Straße 19) in Starnberg mit seiner Ausstellung „For the love of Sisyphos“ bespielen. Sie wird von 23. bis 31. Juli täglich von 17 bis 21 Uhr zu sehen sein. An den vier Wochenendtagen wird Polk anwesend sein. Bei „Gallery & Concert“ am 27. Juli ist zudem Matthias Bublath am Piano zu hören.

Musik, mindestens als Begleitung, spielt bei fast allen Veranstaltungen der „Kunsträume“ eine Rolle. Im Mittelpunkt steht sie am 10. Juli, beim Konzert des „Duo Grosch Bublath“ mit Gästen im Park des Schlosses Kempfenhausen. Matthias Bublath und Max Grosch spielen mit Schlagzeuger Christian Lettner und dem Sänger und Gitarristen Torsten Goods. Besucher können sich Decken und Picknick mitbringen.

Im Innenhof des Schlosses Starnberg lockt am 30. Juni bei „Summertime“ Klangzauber zwischen Renaissance und Jazz. Es ist einer von drei Beiträgen zum Kultursommer, die beiden weiteren: der musikalisch-literarische Abend „Traum Sterne Schlaf“ am 24. Juni im Schlossgarten mit Josef und Monika Brustmann sowie Noriko Nishioka am Klavier und die performative Musik-Revue „Marlene Dietrich“ im Kino Breitwand am 25. Juni. Im Kino findet am 28. August auch die letzte „Kunsträume“-Veranstaltung des Sommers statt: Zu sehen ist der Film „Die Liebe frisst das Leben“ von Oliver Schwabe. Er zeichnet das Leben des 1996 verstorbenen Musikers Tobias Gruben nach.

Weitere Informationen und Tickets online auf kunstraeume-am-see.de.

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