Ein Jahr nach seiner Covid-19-Erkrankung fühlt sich Manuel Riedmeier wieder gesund und fit. Nur sein Geruchs- und Geschmackssinn funktionieren nicht mehr wie vorher.
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Ein Jahr nach seiner Covid-19-Erkrankung fühlt sich Manuel Riedmeier wieder gesund und fit. Nur sein Geruchs- und Geschmackssinn funktionieren nicht mehr wie vorher.

Manuel Riedmeier war 23 Tage auf der Isolierstation

Einer der ersten Corona-Fälle im Kreis Starnberg: So geht es ihm heute

  • Simon Nutzinger
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Er war einer der ersten Corona-Infizierten im Landkreis. 23 Tage verbrachte Manuel Riedmeier vor einem Jahr auf der Isolierstation im Klinikum Starnberg. Dem Starnberger Merkur erzählte er, wie es ihm heute geht.

Starnberg – Die Milch im Kühlschrank lässt Manuel Riedmeier im Zweifelsfall dann doch lieber seine Frau kontrollieren. „Ob die schlecht ist oder nicht“, sagt der Starnberger, „da würde ich meiner Nase besser nicht vertrauen.“ Riedmeier war vor ziemlich genau einem Jahr einer der ersten Menschen im Landkreis, die sich nach den Fällen bei Webasto in Stockdorf mit dem Coronavirus infiziert hatten. Passiert war das Ganze in Misano/Italien, dort war der Fußballtrainer mit der Jugend der FT Starnberg 09 im Trainingslager. 23 Tage verbrachte er anschließend auf einer Isolierstation im Klinikum Starnberg, und das, obwohl er damals kaum Symptome hatte. Auch heute geht es ihm prinzipiell gut. Einzig die Sache mit dem Geruchs- und Geschmackssinn, die ist ihm geblieben. Er sagt: „Da geht noch immer recht wenig.“

Weitere bleibende Probleme hat das Virus glücklicherweise nicht nach sich gezogen. Riedmeier fühlt sich fit, fährt regelmäßig längere Strecken mit dem Fahrrad. „Das ist alles wie vorher.“ Um auf Nummer sicher zu gehen, hat sich der 41-Jährige im Dezember sogar einem Lungenfunktionstest unterzogen – mit positivem Ergebnis. „Die Ärzte haben nichts gefunden, was nicht passt.“ Andere Covid-19-Patienten haben nicht so viel Glück, das sogenannte Long-Covid schränkt viele noch lange ein.

Wenn Riedmeier an die Zeit vor rund einem Jahr zurückdenkt, geht es, wenig verwunderlich, sogleich um seinen 23-tägigen Aufenthalt im Klinikum Starnberg. Etwas mehr als drei Wochen alleine auf 20 Quadratmetern, ohne direkten Kontakt zu anderen Menschen, abgesehen von den Ärzten und Pflegern. „Das war schon nicht ganz ohne“, sagt er. Wie auch schon damals versteht er bis heute nicht, warum er so lange auf der Isolierstation bleiben musste und nicht, wie sonst bei Patienten ohne Symptome üblich, seine Quarantäne zu Hause verbringen konnte. „Da ich einer der ersten Fälle war, war wahrscheinlich noch nicht alles ganz genau geklärt“, sagt er. So hieß es für Riedmeier eben warten, warten und nochmals warten. Erst mit dem zweiten negativen Coronatest erhielt er seine Freiheit zurück. Dem Klinikpersonal will er jedoch keinen Vorwurf machen. „Die Ärzte und Pfleger haben mich super behandelt. Die konnten die Anweisungen der Regierung ja auch nicht ignorieren.“ Er selbst nahm’s mit Humor und avancierte während seines Aufenthalts zum TV-Junkie. „Hubert und Staller kann ich seitdem nicht mehr sehen“, sagt Riedmeier und lacht.

„Ich wurde nicht einmal auf Antikörper getestet“,

Eine medizinische Nachbetreuung gab es für ihn nicht. „Ich wurde nicht einmal auf Antikörper getestet“, sagt er. Dementsprechend geht er davon aus, dass er sich auch noch ein weiteres Mal mit Corona anstecken könnte. Sobald er die Möglichkeit dazu bekommt, möchte Riedmeier sich daher impfen lassen. „Was sein muss, muss eben sein“, sagt er dazu. Um das Klinikum Großhadern bei der Forschung rund um das Virus zu unterstützen, hatte er diesem zudem angeboten, Blutplasma zu spenden. „Im Internet stand, dass sie nach Leuten suchen, die Corona hatten und bereits geheilt sind“, erzählt Riedmeier. Als die Mediziner jedoch erst acht Wochen nach seinem Angebot antworteten und er zusätzlich sämtliche Unterlagen aus Starnberg selbst besorgen hätte müssen, winkte er letztlich ab. „Dann war es offenbar doch nicht so dringend“, sagt er. „Ich habe ja auch noch einen Job, um den ich mich kümmern muss.“

Dort, beim Autoteilespezialisten ATD 5 Seen in Starnberg, geht Riedmeier mittlerweile wieder ganz normal seiner Arbeit nach. „Als ich aus dem Krankenhaus draußen war, ging es gleich wieder los“, erzählt er. Misstrauische Reaktionen von Mitarbeitern oder Kunden erlebte er keine. „Niemand ist zu mir besonders auf Abstand gegangen.“ Mittlerweile sei es eh bei Weitem nicht mehr so außergewöhnlich, sich mit Covid-19 zu infizieren, als es bei seiner Diagnose der Fall war. Daher sieht Riedmeier die Lage recht pragmatisch. „Wir müssen einfach mit diesem Virus leben.“ Dürfte er sich aussuchen, was man umgehend wieder ändern sollte, muss er nicht lange überlegen. „Lasst die Kinder wieder Fußballspielen“, betont der U17-Trainer der FT Starnberg. Dabei geht es ihm nicht rein um den sportlichen Aspekt. Auch die soziale Erziehung komme zu kurz. „Fußball ist für viele eine kleine Lebensschule.“

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