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Eisvergnügen: Das Eis am Ufer des Starnberger Sees faszinierte am Wochenende viele Spaziergänger. Einige Frosttage stehen uns noch bevor, dann sollen die Temperaturen wieder über den Gefrierpunkt steigen. 

Eisdecke auf dem Starnberger See

Kalt, aber nicht kalt genug

Starnberg - Der Starnberger See friert langsam zu. Ganz wird er es wohl nicht schaffen, davon sind die meisten Experten überzeugt – am Wochenende soll es wärmer werden. Auch deshalb warnen die Retter vor Leichtsinn und raten davon ab, aufs Eis zu gehen: Es ist unberechenbar.

Windstille ist unbedingt nötig. Und natürlich muss es kalt sein. Eiskalt. Am besten in einer sternenklaren Nacht. Dann könnte es passieren, dass der Starnberger See ganz zufriert.

Gerhard Völkl, Wirt der „Seestuben“ in Percha, sieht die Voraussetzungen als gegeben an. „Das Eis in der Starnberger Bucht hat schon 10, 15 Zentimeter. Es hält sogar mich aus. Ich schätze, dass der See zufrieren wird.“ Das Eis reiche zehn Meter in den See hinein, und es bleibe kalt bis zum Wochenende. „Aber es darf kein Wind kommen, sonst rüttelt er das Eis auf.“

Völkl beobachtet den See seit 23 Jahren aus nächster Nähe – so lange hat er die „Seestubn“ bereits. Andere Eisexperten sind gegenteiliger Meinung. Markus Bucher von der Starnberger BRK-Wasserwacht meint, dass die Kälte nicht reichen wird. „Am Freitag wird es wieder wärmer“, sagt er. „Der See friert nicht zu.“ Damit es so weit kommt, brauche man Windstille. „Eine große Welle von Süden macht das Eis sofort kaputt.“ Zwar sei das Wasser mit rund zwei Grad kalt genug, aber das reiche nicht, um die Eisdecke zu schließen.

Das meint auch Martin Greinwald. „Da friert nichts zu“, sagt der 59-jährige Tutzinger Fischer. „Es ist nicht kalt genug. Vielleicht, wenn es im Februar einmal eine klare Nacht hat, dann hat der See tags darauf eine dünne Haut.“ Eine Nacht mit Nebel reiche nicht „Nebel ist zwar für uns Menschen kalt und ungemütlich“, aufs Eis wirke er aber isolierend.

2006 war die Eisschicht auf dem See relativ groß. Ganz zugefroren war der See zuletzt 1997, erinnert sich Greinwald. „Aber nur für ein paar Tage, und er war nicht überall begehbar.“

Der Starnberger Wetterexperte Josef Jägerhuber hat zu diesem Anlass 1997 im Starnberger Merkur in einem Artikel an die dicke, tragfähige Schicht im Jahr 1963 und 1929 erinnert. 1929 hatten die Behörden sogar das Eis offiziell zur Begehung freigegeben – mit tragischen Folgen: Der Heimatforscher Dr. Richard Paulus brach auf dem Weg nach Schloss Berg ein und ertrank.

Ein solches Unglück könne jederzeit passieren, warnen die Eisretter. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft Pöcking-Starnberg (DLRG) hat den Ernstfall am Wochenende geübt: Vor der Bootswerft Rambeck in Percha hielt die DLRG eine Übung ab. Unter extrem realistischen Bedingungen: „Anfangs war es schwierig, weil die Eisschicht gut getragen hat“, berichtet DLRG-Sprecher Walter Kohlenz. „Ein Stück weiter weg vom Ufer ist es dann schnell brüchig geworden.“ Eine relativ leichte Kollegin sei – wie geplant – bald eingebrochen.

Die BRK-Wasserwacht und die DLRG warnen eindringlich davor, das Eis zu überschätzen. Bucher ist passiert, dass ihm eine Fünf-Zentimeter-Schicht unter den Füßen direkt zerbröselt ist. „Das habe ich noch nicht erlebt. Da waren offenbar lauter Luftblasen. Eis ist einfach trügerisch.“

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