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Galerie Schwarzmann in Starnberg: Ende einer Institution

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Von: Stephan Müller-Wendlandt

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Gabriele Schwarzmann hat mit dem Ausverkauf begonnen. Über Jahrzehnte war die Galerie Treffpunkt für Kunstliebhaber. „Es kamen Freunde und Kunden, die im Laufe der Zeit zu Freunden geworden sind“, sagt sie.
Gabriele Schwarzmann hat mit dem Ausverkauf begonnen. Über Jahrzehnte war die Galerie Treffpunkt für Kunstliebhaber. „Es kamen Freunde und Kunden, die im Laufe der Zeit zu Freunden geworden sind“, sagt sie. © Andrea Jaksch

Nach einem halben Jahrhundert schließt die Galerie Schwarzmann in Starnberg. Inhaber Peter Schwarzmann ist kürzlich verstorben, seine Witwe will verstärkt als Gutachterin tätig sein.

Starnberg – Starnberg verliert eine Institution. Die Galerie Schwarzmann an der Maximilianstraße steht vor der Schließung. Wenige Wochen nach dem unerwarteten Ableben ihres Mannes Peter im Alter von 78 Jahren durch plötzlichen Herztod hat Gabriele Schwarzmann mit dem Ausverkauf des Inventars begonnen: Gemälde, hauptsächlich von Künstlern aus der Region, sowie Antiquitäten, vornehmlich Einrichtungsgegenstände und Dekorationsartikel aus Silber, aber auch Schmuckstücke und Möbel. Der Tod des bekannten Kunstsammlers, anerkannten Sachverständigen und Gutachters war aber nicht der Auslöser für die Schließung. „Sie ist die Konsequenz einer Überlegung, die mein Mann bereits im vergangenen Jahr angestellt hatte“, sagt die Witwe (66).

Am 30. September wurde Peter Schwarzmann plötzlich aus dem Leben gerissen. „Weil er nicht nach Hause gekommen war, bin ich nochmals ins Geschäft gefahren und habe ihn dort tot aufgefunden“, berichtet Gabriele Schwarzmann. „Der Arzt sagte, er sei auf der Stelle tot gewesen, es habe keinen Todeskampf gegeben.“ Das tröstet sie: „Es gehört zur Liebe dazu, wenn man bereit ist, ein solches schmerzloses Weggehen zu akzeptieren.“ Seit 1977 war das Paar verheiratet.

Wehmütig wird sie, wenn sie an das Ende der Galerie denkt. „Es hat viel Freude gemacht zu sehen, wie viele Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke hier über den Ladentisch gegangen sind. Selbst der Ausverkauf macht noch Freude“, räumt Gabriele Schwarzmann ein. Allerdings werde sie das Persönliche vermissen, den Kontakt zu den Kunden. Sie tröstet sich, „weil es für mich kein harter Schnitt werden wird. Im Keller gibt es noch ein großes Archiv, das Lager, die Werkstatt. Da gibt es noch eine Menge zu tun. Und dann werde ich mich darum kümmern, was mit dem Rest an Ware geschieht. Ich werde wohl mit Auktionshäusern in Kontakt treten“.

Gabriele Schwarzmann steht nicht unter Druck: „Uns gehört mittlerweile diese Immobilie.“ Kunst wird ihre Leidenschaft bleiben, so wie diese das Leben ihres Mannes bestimmt hat. Sie hat Kunst und Design studiert und will weiterhin als Gutachterin tätig sein und Schätzungen vornehmen. Und sie will am Starnberger See bleiben, am Ostufer hatte das Ehepaar Wohneigentum erworben: „Hier habe ich meine Freunde. Ich werde mir die Zeit nehmen, Städte zu besuchen, vielleicht intensiviere ich wieder das Segeln, was mein Mann mit großer Leidenschaft betrieben hat.“

Peter Schwarzmann war das Kunst-Gen quasi in die Wiege gelegt worden. Sein Vater war ein bekannter Kunsthistoriker, Mitbegründer der Künstlervereinigung Deutscher Werkbund. Sohn Peter studierte zunächst Volkswirtschaftslehre, bevor seine Leidenschaft für Kunst Oberhand gewann. Seine erste Galerie eröffnete er Anfang der 1970er-Jahre am Tutzinger-Hof-Platz, es folgte eine Episode an der Ecke Possenhofener Straße/Bahnhofstraße. Dann zog die Galerie um in das alte Sparkassengebäude, das Portobello-Haus, an der Wittelsbacherstraße. Zu Galerie und Antiquitäten gesellten sich ein Handel mit allerlei Artikeln, die man zwar nicht braucht, die sich aber gut als originelle Geschenke eigneten, Ron Evans mit seinem Schallplattenhandel sowie Jürgen Kiffers Hi-Fi-Angebot. 1990 folgte der Umzug an die Maximilianstraße.

Peter Schwarzmann kannte sich als Starnberger mit der Geschichte der Stadt aus, vor allem mit den hier lebenden Künstlern. Persönlich hat er noch den in der Schweiz geborenen und in Starnberg 1966 verstorbenen Fritz Osswald erlebt und den Maler und Zeichenlehrer Jakl Jordan gekannt. Oft sei ihr Mann um Rat gefragt worden von Starnbergern, die Kunstgegenstände geerbt hatten, aber nicht so recht wussten, was ihnen da zugeflogen war, erzählt Gabriele Schwarzmann. Die Galerie entwickelte sich zu einem Treffpunkt. „Es kamen Freunde und Kunden, die im Laufe der Zeit zu Freunden geworden sind.“

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