Prost! Irene und Norbert König aus Perchting freuen sich im Gasthaus zur Sonne über ihr Mittagessen sowie ein gemeinsames Bier mit Sohn Stefan.
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Prost! Irene und Norbert König aus Perchting freuen sich im Gasthaus zur Sonne über ihr Mittagessen sowie ein gemeinsames Bier mit Sohn Stefan.

Endlich wieder Gesellschaft und gutes Essen

Die Wirtshäuser sind zurück im Landkreis Starnberg

  • Simon Nutzinger
    VonSimon Nutzinger
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Nie waren die bayerischen Wirtshäuser ausgestorbener als in den vergangenen rund acht Monaten. Corona hielt ihre Türen mit Vehemenz verschlossen. Seit gestern darf die Gastronomie im Landkreis nun endlich ihren Innenbereich wieder öffnen – zur großen Freude von Wirten und Gästen.

Landkreis – Könnten die Mauern des Gasthofes Widmann in Gilching sprechen, sie hätten sicher einiges zu erzählen. Seit 1866 steht der „Obere Wirt“ an der Schulstraße für bayerische Küche und regionale Qualität. Dabei hat das Wirtshaus nicht nur abertausende Gäste beherbergt und versorgt. Es hat auch die beiden Weltkriege sowie einen Großbrand überlebt. „In 155 Jahren passieren sehr, sehr viele Dinge“, sagt Michael Jakob-Widmann, der den Traditionsgasthof gemeinsam mit seiner Frau Tina führt. „Aber acht Monate geschlossen – das gab’s bisher noch nie.“ Das schaffte erst Corona.

Seit gestern hat das Warten ein Ende. Die bayerische Staatsregierung erlaubt allen Gastronomen, auch wieder im Innenbereich zu öffnen und zu bewirten. In Landkreisen wie Starnberg, in denen die Inzidenzwerte konstant unter 50 liegen, dürfen dabei sogar zehn Personen aus zehn verschiedenen Haushalten an einem Tisch sitzen. Zweimal Geimpfte und Genesene dürfen sich sogar in beliebiger Anzahl dazusetzen. Einen negativen Coronatest braucht dabei niemand. Zu achten ist lediglich auf den Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Tischen sowie auf die Maskenpflicht beim Verlassen des Tisches.

Hungrige Handwerker: Die Zimmerer (v.l.) Lukas Frey, Sebastian Höfler und Thomas Albrecht lassen sich im Gasthaus zur Sonne von Janine Gerstmann die Speisekarte bringen.

„Damit können wir arbeiten“, betont Michael Jakob-Widmann. Überraschend kam die Lockerung für ihn ohnehin nicht. Beim Blick nach Österreich oder Baden-Württemberg, wo die Regelungen zuletzt schon nicht mehr so streng waren wie in Bayern, hatte er fest mit einem derartigen Entschluss seitens Söder und Co. gerechnet. „Sie mussten jetzt auch etwas tun“, findet er. Entsprechend gut sind er und sein Team auf den Neustart im Innenbereich vorbereitet. „Wir haben die Regentage genutzt und alles geputzt, hergerichtet und frisch dekoriert.“ Mit dem Brauchtumsverein erwartete er gestern Abend bereits den ersten Stammtisch. Auch Familienfeiern seien am Wochenende sogleich gebucht worden, berichtet Jakob-Widmann und stellt fest: „Die Leute wollen zu uns – und das ist gut so.“

Heilfroh über die neuen Öffnungsoptionen ist auch Christine Scholler vom Gasthaus zur Sonne in Starnberg. Mangels ausreichender Außenflächen hatte sie bis gestern lediglich Essen zum Mitnehmen angeboten. „Alles andere hätte sich nicht rentiert“, sagt sie. Jetzt wartet sie mit neun Tischen im Innenbereich und fünf auf der kleinen Terrasse für ihre Gäste auf. Startklar war ihr Betrieb in Windeseile. „Wir kriegen unser Fleisch aus der Region“, betont Scholler. „Mit den kurzen Wegen ist das alles schnell organisiert.“

Darf wieder auftischen: Wirtin Christine Scholler mit ihren Gästen (v.l.) Tobias Kraus, Andreas Kraus, Yves Kessler, Gereon Göller und Hans Jekel im Gasthaus zur Sonne an der Hanfelder Straße in Starnberg.

Mit einem Lieferservice hat auch Thomas Ruf vom Gasthaus Ruf in Seefeld die Zeit der Wirtshaus-Dürre überbrückt. „Das hat im Grunde sehr gut funktioniert“, sagt der Gastronom. Dass ihm dieses Standbein nun wieder etwas wegbrechen dürfte, ist Ruf allerdings mehr als recht. „Wir wollen unsere Gäste endlich wieder persönlich sehen und mit ihnen in Kontakt treten – für einen Wirt gibt es doch nichts Schöneres.“

Im Gourmetrestaurant Aubergine im Starnberger Hotel Vier Jahreszeiten müssen die Gäste auf solche Momente noch bis Freitag warten. Erst dann ist das Sterne-Restaurant auch wieder für Nicht-Hotelgäste zugänglich. „Schneller schaffen wir es nicht“, sagt Verkaufs- und Marketingleiter Tobias Baumann. Die hochwertigen Produkte müssten erst wieder in adäquater Menge eingekauft und vorbereitet werden. „Dafür haben wir die Infos der Regierung einfach zu spät bekommen.“ Geöffnet haben im „Vier Jahreszeiten“ hingegen schon seit gestern das Restaurant Oliv‘s sowie die Hemingway-Bar. Baumann meint: „Da sollte hoffentlich für jeden das Richtige dabei sein.“

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