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Alexandra Führer hat einen Teil der Kühe wieder im Stall.

Entlaufene Tiere werden eventuell erschossen

Bauern sauer über Debatte: Rinder nicht so leicht einzufangen

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Die Nachricht, dass die 14 immer noch flüchtigen Jungrinder aus Hausen eventuell zum Abschuss freigegeben werden, sorgte bei den Merkur-Lesern für heftige Debatten. Muss das sein?

Hausen – Gnadenfrist für die 14 Jungrinder, die in der Nacht zum Donnerstag vom Hof der Familie Führer in Hausen entlaufen sind: Am Montag wurde beschlossen, dass die Tiere vorerst noch nicht zum Abschuss freigegeben sind. Einzige Ausnahme laut Bäuerin Alexandra Führer: „Wenn Gefahr im Verzug ist, wird die Polizei natürlich vereinzelte Tiere schießen müssen.“ 

Ansonsten soll aber vorerst ein Veterinär hinzugezogen werden, der prüfen soll, ob die Tiere mit einem Betäubungsgewehr eingefangen werden können.

Mittlerweile ist auch das Veterinäramt eingeschaltet

Ansonsten macht den betroffenen Bauern insbesondere die Debatte im Netz schwer zu schaffen: „Da sind Leute, die allen Ernstes meinen, das könne doch nicht so schwer sein, ein paar Rinder einzufangen und uns unlautere Motive unterstellen. Haben die jemals selbst versucht, ein entlaufenes Rind zu fangen?“ Seit Tagen sind Führers und ihre Helfer rund um die Uhr im Einsatz. Jedes Mal, wenn die Tiere gesehen werden, springen sie ins Auto und fahren hin. Jedes Mal sind die Tiere dann lange weg.

Mittlerweile ist auch das Veterinäramt eingeschaltet. „Unsere Mitarbeiter telefonieren regelmäßig mit der betroffenen Familie“, so der Pressesprecher des Landratsamtes, Stefan Diebl. Parallel dazu prüfen die Experten seiner Aussage nach die einzelnen Optionen.

Einfangen der Tiere wird mit jedem Tag schwerer

„Fakt ist, dass es mit jedem Tag, der verstreicht, schwerer wird, die Tiere einzufangen. Die sind bereits jetzt verwildert“, so Diebl. Will meinen, dass der Fluchtreflex die Kontrolle übernimmt, die Tiere extrem scheu auf Menschen reagieren. Deswegen wird auch der Einsatz eines Betäubungsgewehres unwahrscheinlicher. „Da müsste man mindestens auf 50 Meter ran an die Tiere“, so Diebl. So nah würde man kaum noch an die Jungrinder kommen.

Zudem berge die Betäubung weitere Gefahren. „Es hat seinen Grund, dass Patienten vor einer Vollnarkose mit nüchternem Magen erscheinen müssen“, so Diebl. Ansonsten drohe die Gefahr, am eigenen Erbrochenen zu ersticken. Das sei bei Wiederkäuern wie Rindern nicht anders – ganz im Gegenteil. Und da keine geschlossene Schneedecke liegt, fänden die Tiere auch derzeit genug Nahrung. Dazu komme, dass die Rinder auch nach einem erfolgreichen Betäubungsschuss nicht gleich zusammensacken, sondern durchaus noch die Flucht antreten. „Und da kommen wir zum Sicherheitsaspekt“, so Diebl weiter. Renne ein Rind auf die Straße oder vor die S-Bahn, dann drohen schwere Unfälle mit Personenschaden.

Das letzte Wort über Abschuss haben Eigentümer der Tiere

Wegen dieser Gefahren müsse man sich darauf vorbereiten, dass die Tiere notfalls abgeschossen werden. „Der Bereich Waffenamt der Kreisverwaltung sucht bereits nach zwei bis drei Jägern, die jederzeit einsatzbereit wären, wenn irgendwo eines der Tiere gesichtet wird“, so Diebl. Diese Jäger würden dann eine Ausnahmegenehmigung erhalten, weil Rinder natürlich nicht als „jagbares Wild“ eingestuft sind.

Das letzte Wort über Abschuss oder nicht hätten allerdings die Eigentümer der Tiere, im konkreten Fall also Familie Führer aus Hausen. Diese sucht allerdings auch weiterhin unermüdlich nach den entlaufenen Tieren. Wobei es Tag für Tag schwieriger wird: Die Tiere sind in Gefangenschaft geboren, kennen das Verhalten in der Herde nicht. Die Gruppen, in denen die Tiere unterwegs sind, werden immer kleiner.

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