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Erinnerung mit Bildern: Barbara Beck, Rainer Hange, Dr. Sybille Krafft und Landrat Karl Roth (v.l.) mit Flyern zur Ausstellung „Die Kinder vom Lager Föhrenwald“. 

Zeitgeschichte

Todesmarsch bis Föhrenwald

Der Jahrestag an den Todesmarsch der Häftlinge aus dem KZ Dachau durch den Landkreis wird in diesem Jahr mit einem Projekt in Wolfratshausen verknüpft.  

Starnberg– Das Gedenken zum Jahrestag des Todesmarsches von rund 10 000 KZ-Häftlingen aus Dachau und anderen Lagern durch den heutigen Landkreis wird in diesem Jahr mit einem Erinnerungsprojekt aus dem Nachbarkreis verknüpft – dem Lager Föhrenwald bei Wolfratshausen. Am Samstag, 29. April, wird es ab 15 Uhr eine kurze Feier am Mahnmal vor dem Landratsamt geben, danach wird im Foyer die Ausstellung mit einem Film und geschichtlichen Hintergründen eröffnet. Landrat Karl Roth rief gestern die Bevölkerung auf, sich zahlreich zu beteiligen.

Am 27. April 1945 hatte die SS Tausende russische Gefangene, Juden und Deutsche durchs Würmtal und Starnberg und dann weiter über Wolfratshausen Richtung Bad Tölz und den Tegernsee getrieben. Zwischen 1000 und 3000 Menschen überlebten das nicht. US-Truppen befreiten die Häftlinge an unterschiedlichen Stellen – einige hundert in der Nähe des Lagers Föhrenwald, dem heutigen Wolfratshausener Stadtteil Waldram. Dort waren im Krieg vor allem Zwangsarbeiter für Munitionsfabriken untergebracht, es wurde von den US-Truppen zu einem Lager für Displaced Persons (DP) umgewandelt – für jene, die aus ihrer Heimat verschleppt worden waren.

Das Lager war das zweitgrößte in Deutschland und das mit dem längsten Bestand; es wurde erst 1956 aufgelöst. Dr. Sybille Krafft vom Verein „Bürger fürs Badehaus“, die das Badehaus des Lagers vor dem Abriss gerettet hat und derzeit zu einem Erinnerungsort ausbaut, hat herausgefunden, dass in das DP-Lager sowohl Überlebende des Todesmarschs durch Starnberg als auch aus dem Lager in Feldafing kamen. In Föhrenwald lebten viele Juden – und viele Kinder. Um die geht es in der Ausstellung „Die Kinder vom Lager Föhrenwald“, die vom 27. April bis 18. Mai zu sehen ist. Dieser Teil der Geschichte werde vielfach vergessen, sagt die Historikerin: „Das ist Geschichte, die uns alle angeht.“

Die Koordination der Feierstunde liegt wieder in Händen von Rainer Hange (75), der seit sechs Jahren das Gedenken als Mitglied des Vereins Gegen Vergessen – Für Demokratie und neuerdings des Starnberger Dialoges organisiert, und des Landratsamtes in Person von Barbara Beck. Am Mahnmal soll es nur eine kurze Ansprache geben, Schüler werden Zeitzeugenberichte lesen. „Das ist so wichtig als Erinnerung“, betont Hange.

Mehr Infos

zum Lager Föhrenwald unter www.badehauswaldram.de

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