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Bürgermeisterin Eva John im Gespräch mit Merkur-Redakteur Peter Schiebel im Strandhouse im neuen Seebad.

Eva John im Interview

„Ich denke nicht in Problemen“

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Im Interview mit dem Starnberger Merkur spricht Bürgermeisterin Eva John über ihren Entschluss, 2020 wieder zu kandidieren und wie sie die aktuelle politische Lage in der Stadt sieht.

Starnberg – Frau John, es sind noch 14 Monate bis zur Bürgermeisterwahl am 15. März 2020. Werden Sie wieder antreten?

Ja, ich werde kandidieren.

Haben Sie in den vergangenen Monaten mal ernsthaft überlegt, es nicht zu tun?

Es gibt natürlich Momente, in denem man die ganze Situation reflektiert. Aber nein, das war keine ernsthafte Überlegung. Dafür mache ich die Arbeit viel zu gerne. Außerdem sind die Planungsabläufe wahnsinnig lange. Nehmen Sie zum Beispiel das Einheimischenmodell am Wiesengrund. Da haben wir bereits im Jahr 2014 richtig angefangen. Und obwohl Verwaltung und Stadtrat an einem Strang gezogen haben und das planungsrechtliche Verfahren relativ schnell gegangen ist, dauert es wohl sechs Jahre bis zur ersten Baggerschaufel. Von daher will man als Bürgermeisterin schon länger als sechs Jahre im Amt sein.

Hat das Jahr 2018 auch Spaß gemacht? Immerhin hat es viele Auseinandersetzungen mit Teilen des Stadtrats und diverse Gerichtsverfahren gegeben.

2018 war ein Superjahr, finden Sie nicht? Wir konnten mit der Westumfahrung und dem Seebad zwei Großprojekte in einem Jahr abschließen. Wenn das nicht toll ist, dann weiß ich auch nicht. Und zu den Gerichtsverfahren: Ich finde, es lohnt sich, vor Gericht um Bürgerbeteiligung zu kämpfen.

Sie hätten in dem Prozess um das Tunnel-Bürgerbegehren aber die Position des Stadtrats vertreten müssen und nicht Ihre persönliche ...

Ich habe die Frage des Gerichts an mich zu meiner Meinung, ob das Vorhaben noch gestoppt werden kann, beantwortet. Im Übrigen habe ich die Position unseres Anwalts unterstützt.

Und Sie konnten im Jahr 2018 auch den Spatenstich für den Tunnel feiern ...

Für mich persönlich war es kein Grund zum Feiern. Aber ich respektiere natürlich die Freude anderer über dieses Großprojekt.

Fühlen Sie sich eigentlich manchmal unfair behandelt?

Das kann man vom ganzen Stadtrat nicht sagen, aber von einigen Stadträten fühle ich mich ungerecht behandelt, ja. Im Umgang miteinander sind ein gewisser Respekt und Anstand erforderlich. Den zeigen aber leider nicht alle Stadträte.

Sie kommentieren aber auch mal ganz gerne die Redebeiträge von Stadträten ...

Das stimmt. Aber so oft, wie ich angeschossen werde, gebe ich es nicht zurück. Ich schaue auf jeden Fall, dass ich jedem zuhöre und mir nicht jeden Ärger anmerken lasse, auch wenn es schwierig wird. Und wenn man mich überzeugt, dass es bei diesem und jenem Thema auch besser geht, bin ich die erste, die das annimmt. Aber leider verzweifle ich manchmal im Stadtrat, weil es genau darum oft nicht geht.

Kritiker werfen Ihnen ein mangelndes Demokratieverständnis vor, unter anderem weil sie den Informationsfluss aus dem Rathaus mangelhaft finden.

Ich bin nicht fehlerfrei, und ich arbeite nicht fehlerfrei. Aber ich bin mit Sicherheit nicht die einzige, die für die Demokratie in Starnberg zuständig ist. Dieser Vorwurf tut mir persönlich weh, aber er wird durch bloßes Wiederholen nicht besser. Es gibt gute Gründe, warum ausnahmsweise bestimmte Unterlagen erst kurzfristig nachgereicht oder vielleicht auch gar nicht vorgelegt werden können. Und noch einen Satz zum Demokratieverständnis: Die Super-Demokraten im Stadtrat waren die ersten, die ein Mediationsverfahren für den Stadtrat abgelehnt haben, um das politische Klima zu verbessern. Da ist der Vorwurf mir gegenüber schon unredlich.

„Mangelnde Transparenz“, lautet ein Vorwurf.

In der Zeit vor mir gab es beispielsweise keine öffentlichen Haushaltsberatungen. Da ist das hinter verschlossenen Türen besprochen worden. Aber eine Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt, dass ich nicht mehr alles elektronisch versenden kann, weil es ansonsten sofort unberechtigt weitergeleitet wird. Ich muss auch die Stadt schützen.

Verstehen Sie sich eigentlich als Bürgermeisterin für alle Starnberger?

Freilich. Ich bin für alle ansprechbar und versuche, allen gleich zu begegnen, unabhängig von ihrer politischen oder anderweitigen Stellung.

Obwohl Ihnen auch aus Teilen der Bevölkerung Kritik entgegenschlägt ...

Die Arbeit ist herausfordernd, natürlich. Aber ich habe viel Kontakt zu den Menschen in Starnberg. Ich bekomme mit, was sie bewegt und was für jeden einzelnen wichtig ist. Dabei erfahre ich auch viel Zuspruch.

Was ist Ihre Motivation?

Das ist Veranlagung. Ich denke nicht in Problemen. Ich bin früher oft gesegelt und weit gewandert. Da kann man auch nicht zwischendrin einfach aufhören, wenn es mal schwierig wird.

2019 dürfte das Verwaltungsgericht über die Disziplinarklage verhandeln, die die Landesanwaltschaft gegen Sie erhoben hat. Wie sehen Sie diesem Verfahren entgegen?

Das ist eine schlimme Erfahrung für mich. Aber ich stelle mich diesem Verfahren.

Im Laufe dieses Jahres wird wohl auch bereits der Wahlkampf für 2020 beginnen ...

Ich habe nicht den Eindruck, dass wir nie keinen Wahlkampf hatten. Wir können es uns im Interesse der Bürgerschaft nicht leisten, uns zugunsten des Wahlkampfes ein Jahr tot zu stellen.

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