Raviol, Boldrini, Leillinger, Staszczuk, Wegehaupt
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28 Färberfrösche werden offiziell hier gehalten.
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96 Mal ist im Landkreis der Erlenzeisig gemeldet.
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Giftig und gefährlich: die afrikanische Speikobra.
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450 griechische Landschildkröten gibt es im Landkreis.

Strenge Auflagen

Nach Schlangenbiss: Exoten in der Wohnung - was ist erlaubt?

Der Fall des von einer Giftschlange gebissenen Leutstetteners wirft Fragen auf. Halter exotischer Tiere müssen beim Artenschutz strenge Auflagen erfüllen. Wir haben nachgefragt, was erlaubt ist und was nicht.

Landkreis – Neun Schlangen im eigenen Terrarium, sieben davon hochgiftig, eine biss zu. Nur mit sofortiger Hilfe und mehrern Medikamenten konnte ein 18-Jähriger aus Leutstetten überleben, nachdem ihn eine afrikanische Speikobra gebissen hatte (wir berichteten). Der junge Mann hielt die Tiere in seiner Wohnung. Der Starnberger Merkur beantwortet die wichtigsten Fragen.

-Wie geht es dem 18-Jährigen nach dem Schlangenbiss?

Der Leutstettener ist außer Lebensgefahr, wie Oliver Jauch von der Polizei Starnberg mitteilt. „Sein Zustand war ganz kritisch, er ist jetzt noch ganz fix und fertig“, sagt Jauch. „Aber er ist wieder ansprechbar und wird in ein paar Tagen entlassen.“

-Wie ist der Stand der Ermittlungen?

Die Starnberger Polizei hat Ermittlungen aufgenommen, weil dem 18-Jährigen die Genehmigung zum Halten der Schlangen fehlt. Ihn erwarten nun zwei Verfahren: Bei der Stadt hätte er seine gefährlichen Schlangen melden müssen, beim Landratsamt die Madagaskar-Boa, weil diese unter den Artenschutz fällt.

-Was geschieht nun mit den neun Schlangen?

Einsatzkräfte der Feuerwehr Leutstetten haben die Tiere zur Reptilienauffangstation nach München gebracht. „Die zuständigen Behörden müssen klären, was passiert ist“, sagt Patrick Boncourt, Sprecher der Auffangstation. Ohne Genehmigung aber bekommt der frühere Halter die Tiere nicht zurück, sie bleiben vorerst in München.

-Wie gehen die Einsatzkräfte mit gefährlichen Tieren um?

„Mehrere Giftschlangen im Haus“ – nach dieser Meldung sei so manchem Feuerwehrler unwohl geworden, gesteht der Leutstettener Kommandant Michael Rattelmüller. „Keiner hatte Erfahrung im Umgang mit Schlangen. Aber aus unserer Sicht lief es reibungslos.“ Die Feuerwehr kümmerte sich um die Absicherung des Gebäudes. Für das Bergen der Schlangen wurde ein Experte der Münchner Berufsfeuerwehr hinzugezogen.

-Welche Tiere dürfen Bürger in ihrer Wohnung halten?

Gesetzlich sei die Tierhaltung in Wohnungen nicht geregelt, erklärt August Mehr. Der Starnberger Anwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht sagt: „Auch Klauseln im Mietvertrag, wonach gar keine Tiere gehalten werden dürfen, sind unwirksam.“ Kleintiere wie Zierfische, Kanarienvögel, Katzen oder auch kleine Hunde dürfe jeder Mieter halten. Vermieter können aktiv werden, wenn die Haltung übermäßig wird oder es sich um gefährliche Tiere handelt. „Dann können sie dem Mieter die Haltung untersagen und eine Frist setzen.“ Notfalls müsse ein Gericht entscheiden. Im Fall des verunglückten Leutstetteners ist der Verband Wohnen als Vermieter zuständig. „Wir wussten von den Schlangen nichts“, sagt Jacqueline Schürger vom Verband. Anträge für Schlangen gebe es für keine der 2400 Wohnungen im Landkreis. Ablehnen würde man Tiere nur, wenn sie auffällig geworden oder gefährlich sind. „Giftige Schlangen in einem Mehrfamilienhaus würden wir ablehnen. Wir müssen die übrigen Mieter schützen.“

-Wie viele gefährliche Tiere sind im Landkreis gemeldet?

Eine Gesamtzahl ist schwer zu erfassen, da sich Halter bei der Ordnungsbehörde ihrer jeweiligen Gemeinde melden müssen und von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist. In Herrsching, Seefeld, Weßling und Wörthsee sind keine gefährlichen Tiere gemeldet, heißt es aus den Rathäusern. „Bei uns wurde vergangene Woche ein Kampfhund angemeldet“, sagt Bergs Bürgermeister Rupert Monn. Sonst wisse er nichts von gefährlichen Tieren in der Gemeinde. In Starnberg sind außer drei Kampfhunden keine gefährlichen Tiere gemeldet. In Gilching sind es sieben Kampfhunde, darunter Bullterrier und Rottweiler, wie Bernd Schauer vom Ordnungsamt mitteilt. Halter müssten zur Anmeldung ein Führungszeugnis sowie ein Gutachten für das Tier vorlegen. Dass jemand gefährliche Exoten hält, habe er in 40 Jahren sonst nur einmal erlebt, sagt Schauer. „Ein Professor hatte hier mal sechs Vogelspinnen.“ Zusätzlich zu Dokumenten müssen Interessierte einen triftigen Grund nachweisen. „Es reicht nicht, Liebhaber zu sein.“ Oft führten die Halter Studien durch. Schauer geht davon aus, dass manche Halter ihre gefährlichen Tiere gar nicht melden, weil sie die Auflagen nicht erfüllen.

-Wie viele artengeschützten Tiere und Pflanzen sind im Landkreis gemeldet?

Insgesamt meldet das Landratsamt 1538 artengeschützte Pflanzen und Tiere im Landkreis. Am meisten verbreitet ist die griechische Landschildkröte (450 Mal), gefolgt vom Erlenzeisig (96 Mal). Bei den artengeschützten Pflanzen ist besonders die Laelia jongheana (50 Mal) gefragt, eine Orchidee. Die Pflanzen und Tiere, darunter auch eine Madagaskar-Boa, müssen beim Landratsamt gemeldet werden. Es komme aber relativ selten vor, dass Halter ihre artengeschützten Tiere nicht melden, glaubt Landratsamt-Sprecher Stefan Diebl. Bei der Meldung wird unterschieden, ob es sich um einen Züchter, einen privaten oder einen gewerblichen Halter handelt. Sie müssen mittels Dokumenten die Herkunft der Tiere lückenlos nachweisen können.

-Wie wird die Haltung der Tiere kontrolliert?

Gehen Halter mit gefährlichen Tieren falsch um, sind die Ordnungsämter auf Anzeigen angewiesen. Dann wird der Halter zum Gespräch einbestellt, wie Bernd Schauer vom Gilchinger Ordnungsamt erklärt. Im Zweifelsfall müsse dieser dann ein neues Gutachten erbringen, was um die 1500 Euro koste. Bei den artengeschützten Tieren wird das Veterinäramt erst aktiv, wenn es Hinweise auf eine falsche Haltung gibt. Die Ausnahme sind gewerbliche Halter, etwa Zoohandlungen. Diese müssen Auflagen – eine bestimmte Käfiggröße oder Raumtemperaturen – einhalten.

Sebastian Raviol, Sandra Sedlmaier, Andrea Gräpel, Hanna von Prittwitz

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