Bauämter

Fachbewerber verzweifelt gesucht

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    Sebastian Raviol
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In den Verwaltungen im Landkreis Starnberg herrscht akuter Ingenieursmangel. Es wird immer schwieriger, geeignete Bewerber für die Bauämter zu finden.

Landkreis – In den Reigen der Gemeinden, die einen Bauamtsleiter suchen, reiht sich jetzt auch Feldafing ein. Bürgermeister Bernhard Sontheim berichtete im Gemeinderat, dass die bisherige Bauamtsleiterin Petra Spreen die Verwaltung zum Jahresende verlassen wird. „Dadurch wird bei uns eine Riesenlücke entstehen“, lobte Sontheim seine scheidende Mitarbeiterin. Aber es helfe nichts, nun müsse man sich nach einem oder einer Nachfolgerin umschauen. „Und das ist schwierig“, räumt der Bürgermeister ein. Auf eine erste Ausschreibung habe es nicht eine einzige qualifizierte Bewerbung gegeben, klagte er dem Rat sein Leid. Nun habe man erneut ausgeschrieben. „Die Ergebnisse sehen besser aus“, gab sich Sontheim hoffnungsvoll.

Bei all den Nöten, Nachfolger mit Erfahrung zu finden, hat sich die Gemeinde Pöcking vor einigen Monaten dennoch dazu entschlossen, sich einvernehmlich vom bisherigen Bauamtsleiter und dem technischen Leiter im Bauamt zu trennen (wir berichteten). Anschließend suchten auch die Pöckinger intensiv nach Nachfolgern – schließlich warten große Projekte wie der Bau des Hauses der Bürger und Vereine oder das neue Gewerbegebiet am Schmalzhof auf ihre Umsetzung. Vorteil der Pöckinger in der schwierigen Übergangsphase: Bürgermeister Rainer Schnitzler war vorher Bauamtsleiter in der Gemeinde, konnte also übergangsweise die Aufgaben des Bauamtschefs mehr oder weniger mit abdecken. Dennoch tat sich die Gemeinde intensiv um und wurde fündig: Ein Mitarbeiter, der bislang im Bauverwaltungsamt des Landkreises tätig war, wechselt zum Jahresende in das Pöckinger Rathaus.

Auch am Wörthsee wird ein neuer Bauamtsleiter gesucht. Jemanden offensiv abzuwerben, komme aber für die Gemeinde nicht infrage, sagt Bürgermeisterin Christel Muggenthal. „Das wäre nur ein kurzfristiger Gewinn – für das Verhältnis mit der Nachbargemeinde oder dem Landkreis wäre das nicht gut.“ Ihr eigener Bauamtsleiter ging Ende Juli nach Dachau, seinem früheren Wohnort. „Und sind wir ehrlich: Die bessere Gehaltsgruppe war wohl auch ein Faktor“, sagt Muggenthal. Seitdem sucht die Gemeinde vergebens nach einem Nachfolger. „Wir hatten sehr früh ausgeschrieben, aber leider hat sich niemand mit einer entsprechenden Qualifikation beworben.“

Für die Stelle „muss man zumindest mal in der Verwaltung gearbeitet haben“. Auch wenn Architekten fachlich durchaus geeignet wären, fehle ihnen die verwaltungsrechtliche Ausbildung. Bewirbt sich ein Auszubildender aus einer anderen Gemeinde auf die Stelle, muss Wörthsee an diese eine Ausbildungsentschädigung im mittleren fünfstelligen Bereich zahlen.

Auch das wäre Muggenthal aber recht. Um die Vakanz zu kompensieren, habe man die Abgabefrist von Bauanträgen von einer auf zwei Wochen vor der Gemeinderatssitzung erhöht. Einen Trumpf weiß sie in der Hinterhand: „Wir könnten auch eine Wohnung vermitteln.“

Der Landkreis hat unterdessen die Stelle des Mitarbeiters, der nach Pöcking wechseln wird, bereits ausgeschrieben. „Und wir sind durchaus hoffnungsvoll, dass wir sie auch besetzen können“, sagte der Pressesprecher der Kreisverwaltung, Stefan Diebl, gestern. Das Landratsamt sei ein attraktiver Arbeitgeber, zudem biete man etwas, was nur die wenigsten Arbeitgeber in der freien Wirtschaft bieten können: „Sicherheit und ein Festgehalt“. Sicherlich könne man auf Honorarbasis auf dem freien Markt durchaus mehr verdienen, „und ja, die Bewerber rennen uns nicht die Bude ein, aber bislang konnten wir unsere freien Stellen immer gut besetzen“, so Diebl weiter.

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