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Telefonbetrug

Fälle häufen sich im Landkreis Starnberg

Falsche Polizisten und ihre heimtückischen Maschen: Gautingerin überlässt Fremden Gold und Diamanten

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Falsche Polizisten treiben ihr Unwesen im Landkreis, dieser Tage besonders häufig und erfolgreich: Drei ältere Frauen aus Gauting und Starnberg wurden innerhalb von nicht mal zwei Wochen Opfer der Trickbetrüger.

Landkreis – Sie gaben sich unter anderem als verdeckte Ermittler aus. Und sie probierten ihre Maschen wohl hunderte Male im Fünfseenland. Thomas Kaiser von der Kripo Fürstenfeldbruck: „Wir hatten seit Januar weit über 200 Anrufe von Bürgern, die kontaktiert wurden.“

Die aktuellen Fälle

Der jüngste Fall spielt am vergangenen Montagabend. Gegen 21.15 Uhr klingelt das Telefon einer 81-jährigen Gautingerin. Zwei angebliche Kriminalbeamte warnen sie, dass eine Einbrecherbande in ihrem Wohnumfeld festgenommen wurde. Aber nicht alle von ihnen. Deshalb müsse sie dringend ihren Schmuck in Sicherheit bringen und die Polizei bei den Ermittlungen unterstützen. Die aufgeregte Seniorin folgt den Anweisungen – und lässt einen Mann in ihre Wohnung. „Gold und Diamanten: Er konnte sich selbst das Beste aus ihrem Fundus raussuchen“, sagt Kaiser. Der Wert laut dem Ermittler: wohl zwischen 10 000 und 40 000 Euro. Erst als die 81-Jährige wieder zur Ruhe gekommen ist, erkundigt sie sich telefonisch bei der Gautinger Inspektion. Dann wird ihr alles klar.

Am vergangenen Donnerstag überreichte eine 72-jährige Gautingerin Betrügern einen vierstelligen Geldbetrag. In diesem Fall warnten die echten Beamten vor dem tückischen zweiten Anruf, auf den die Seniorin letztlich reinfiel. Wer den Trick mit der Einbrecherbande durchschaut und auflegt, wird im Anschluss von „Sonderermittlern“ kontaktiert. Sie bitten darum, sie beim Ertappen der Betrüger zu helfen. Und sie drängen ihre Opfer dazu, ihnen ihr Geld zur Sicherheit vorübergehend zu überlassen.

Erschreckend erfolgreich war die Einbrecherbanden-Masche auch vor knapp zwei Wochen in Starnberg. Ein Betrüger überzeugte eine 82-Jährige davon, eine Liste mit potenziellen Einbruchsobjekten gefunden zu haben. Die Frau vertraute dem Anrufer und überließ seinem Komplizen Goldmünzen und Bargeld im Wert von knapp 30 000 Euro.

Die Opfer

Petra Scheucher koordiniert die Nachbarschaftshilfe des Starnberger Seniorentreffs und damit die Ehrenamtlichen, die ältere Menschen wöchentlich zuhause besuchen. „Sie berichten mir in letzter Zeit oft von Betrugsversuchen“, sagt sie. Mit dem Trick nach dem Motto „Sie sind die Nächste auf der Liste“ seien auch Starnberger Senioren zuletzt konfrontiert worden. „Das Schlimmste ist, dass es den Menschen Angst macht“, sagt Scheucher. „Es geistert ihnen durch den Kopf, auch wenn sie nicht reingefallen sind.“ Die Sozialpädagogin kennt eine Frau aus dem Landkreis, die beinahe Geld überwiesen hätte. „Aber ihr Bankberater hat nachgebohrt und sie davor bewahrt. Trotzdem schämt sie sich sehr.“

Der Seniorentreff organisiert immer wieder Info-Veranstaltungen mit Kriminalbeamten. Aufgrund der letzten Vorfälle möchte die Einrichtung bald wieder einen Vortrag anbieten. Davon abgesehen ist Scheucher wichtig, betroffene Senioren ernst zu nehmen: „Darüber zu sprechen, ist die beste Prävention.“

Die Tricks der Betrüger

Die Anrufe gehen meist von Call-Centern und vom Ausland aus. Am Mittwoch fassten Ermittler eine Bande, die von der Türkei aus agierte und deutschlandweit Rentner um mehrere Millionen Euro betrogen hat. Die Aufklärungsquote ist insgesamt aber sehr gering. Auch weil die Betrüger verschlüsselte Telefonnummern verwenden.

In Polizeiberichten liest man oft von „geschickter Gesprächsführung“. Aber was heißt das eigentlich? „Es wird Angst geschürt und mit persönlichen Repressalien gedroht. Die Leute werden richtig unter Druck gesetzt“, sagt Kripo-Mann Kaiser. Josef Heggmeier, Fachberater für Kriminalprävention in Fürstenfeldbruck, ergänzt: „Sie lassen die Leute gar nicht zum Nachdenken kommen und versprechen Belohnungen.“ Ein weitere Aussage, die laut Heggmeier oft fällt: „Fragen Sie bloß nicht bei Ihrer Bank nach. Gegen die wird auch ermittelt.“

Die Tipps der Polizei

Die Polizei ruft niemals unter der Notrufnummer 110 an, sie fragt nicht nach Wertgegenständen oder Überweisungen. Das betont das Präsidium Oberbayern Nord in seinem aktuellen Pressebericht. Weitere Ratschläge: „Fordern Sie von angeblichen Amtspersonen den Dienstausweis. Beenden sie im Zweifelsfall das Gespräch schnellstmöglich, ohne persönliche Daten preiszugeben. Und: Lassen Sie grundsätzlich keine Unbekannten in Ihre Wohnung.“

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