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Sie wachsen schnell, aber nicht so gut wie anderswo: Die Paulownia-Plantage bei Hadorf ist nicht so erfolgreich wie erhofft. Das spielt beim Rechtsstreit um das Grundstück jedoch keine Rolle.

Zwei Männer ringen um Grundstück

Das Feld war ein Experimentierlabor: Rechtsstreit um exotische Baum-Plantage bei Starnberg

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Die Paulownia-Plantage bei Hadorf ist eine exotische Besonderheit im Landkreis. Nun aber ist ein Rechtsstreit um das Grundstück mit den hierzulande äußerst seltenen Bäumen entbrannt.

Update vom 2. Juni: Zur Verhandlung an diesem Dienstag um 10.30 Uhr erschien vor dem Münchner Landwirtschaftsgericht weder der Beklagte noch sein Anwalt. Das berichtet der Kläger, ein Landwirt aus Gilching, dem Starnberger Merkur auf Nachfrage. Julia Burk, Pressesprecherin des Gerichts, bestätigt das so genannte Versäumnisurteil. Dem Kläger wurde in allen Punkten recht gegeben, die andere Seite hat nun 14 Tage Zeit, Einspruch einzulegen. Gerd Voigt hatte gegenüber dem Starnberger Merkur angekündigt, der Verhandlung fernzubleiben, weil er anderweitig beschäftigt sei. Vom Versäumnisurteil zeigte er sich überrascht. Sein Anwalt habe ihm gesagt, die Verhandlung sei verschoben worden. Wurde sie nicht. Sie dauerte aber nur eine Viertelstunde.

Hadorf – In Japan heißen sie Kiri, in Österreich Kaiserbäume, in Deutschland umgangssprachlich auch Blauglockenbäume. Die Rede ist von der Sorte Paulownia. Ursprünglich kommen die Gewächse aus Südostasien. Ihre Vermarkter preisen das „ultraleichte Edelholz“ an, sie sprechen vom „Aluminium unter den Hölzern“, das besonders brandresistent sei und in Rekordtempo wachse. Mehrals 2000 Paulownien hat Gerd Voigt, Pflanzenhändler und Weltenbummler, seit 2012 bei Starnberg angepflanzt. Er kreuzte verschiedene Arten, die Plantage, auf der auch nordamerikanisches Sida-Gras wächst, wurde zum Experimentierlabor. Und mit den Jahren zum Hingucker: Die exotischen Bäume wuchsen tatsächlich schnell und blühten wunderbar lilablassblau.

Doch nun bekommt die Karriere der Plantage zwischen Söcking und Hadorf, nahe der Starnberger Westumfahrung, einen Knick. Nicht nur, weil Baumzüchter und Artenkreuzer Voigt klar geworden ist, dass die Bedingungen für die Bäume in Deutschland nicht optimal sind. Sondern vor allem, weil ein Rechtsstreit um das Grundstück entbrannt ist. Ein Landwirt aus Gilching, der neue Eigentümer der drei Hektar bei Hadorf, hat Voigt verklagt und pocht auf seine Besitzansprüche. Voigt wiederum behauptet, er habe ein schriftlich fixiertes Nutzungsrecht für die Fläche mit dem verstorbenen ehemaligen Eigentümer. Und zwar über 20 Jahre. Am Dienstag wird der Fall vor dem Landwirtschaftsgericht in München verhandelt.

Verklagt: Pflanzenhändler Gerd Voigt spricht von einer 20-jährigen Nutzungserlaubnis, der neue Eigentümer sieht das völlig anders.

Beide Seiten sprechen nicht gut übereinander. Die Aussagen widersprechen sich oftmals. Der Gilchinger Landwirt, der anonym bleiben möchte, sei über den Nachlassverwalter des verstorbenen Eigentümers an das Grundstück gekommen. Das Rapsfeld nebenan gehörte ihm bereits. Wegen des Baus der Umgehungsstraßen bei Gilching und Starnberg habe er Flächen abgeben müssen. Er habe bei Hadorf, wohin er auch Familienbeziehungen habe, investiert, um den Bestand zu erhalten und ihn später an seine Kinder weitergeben zu können. Der Landwirt baut unter anderem Weizen, Gerste und Mais an. Seiner Aussage nach habe der Nachlassverwalter das Grundstück zunächst Voigt zum Kauf angeboten. Als er schließlich in Besitz der Fläche war, habe er Voigt ein bis zwei Jahre Zeit angeboten, um einen Nachnutzer für die Plantage zu finden. „Das ist alles nicht wahr“, sagt Voigt. „Ich bin hintergangen worden.“ Das Grundstück sei hinter seinem Rücken verkauft worden.

Mittlerweile ist das Interesse gering an den Hadorfer Paulownien, deren Holz vom Mausverbiss geplagt ist, aber eigentlich doch so ideal für den Bau von Flugzeugen, Yachten oder Musikinstrumenten sein soll. Gerd Voigt war selbst schon seit November 2019 nicht mehr auf der Plantage. Abholzen und das Holz verkaufen will er nicht. „Das bringt im Moment noch nichts.“ Die Paulownien müssten weiter wachsen und gepflegt werden. Selbst machen will er das aber nicht. Voigt orientiert sich eher Richtung Griechenland, dort wachsen die Bäume besser. Die Vegetationszeit sei in Deutschland zu kurz. „Und sie müssen gepflegt werden“, betont Voigt noch mal. Aber wegen des Rechtsstreits mache es für ihn derzeit keinen Sinn, in die Pflege zu investieren. Etwa 100 000 Euro stecken seiner Aussage nach in der Plantage.

Kläger: „Niemand will die Bäume, nicht mal geschenkt“

Von „unverschämten Mondpreisen fast im sechsstelligen Bereich“ spricht der Kläger und Grundstückseigentümer, wenn er an den Austausch mit Voigt zurückdenkt. Er habe selbst recherchiert, mit Holzhändlern und Forstdienstleistern telefoniert. „Aber ich finde niemanden, der diese Bäume haben will – nicht mal geschenkt.“ Ihm gehe es nicht darum, die Paulownia-Plantage platt zu machen. „Ich möchte erst mal die Rechtsverhältnisse klären.“

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