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Probleme mit Brandmeldeanlage gibt es schon seit Jahren, wie dieses fast genau zehn Jahre alte Bild beweist: Beim Brunch im Klinikum hatte Dampf aus einem Wok die Meldeanlage ausgelöst, weswegen die Feuerwehr anrückte. Damals bekamen die Kameraden wenigstens ein Essen. In der Regel fahren sie umsonst.

Brandmeldeanlagen in der Kritik

Feueralarm ohne Grund: Starnbergs Kommandant fordert schärfere Kontrollen

Brandmeldeanlagen kosten die Feuerwehren zunehmend Nerven – wegen vieler unnötiger Einsätze. Starnbergs Kommandant fordert schärfere Kontrollen. Kreisbrandrat Peter Bauch rät Kommunen, bei vermeidbaren Auslösungen Rechnungen an die Anlagenbetreiber zu schicken.

Landkreis– Jeder vierte Alarm für die Feuerwehr Starnberg kam im vergangenen Jahr automatisch: Brandmeldeanlagen sorgen zunehmend für Unmut unter ehrenamtlichen Feuerwehrleuten, insbesondere im Stadtgebiet Starnberg und den Gemeinden drumherum. Starnbergs Kommandant fordert von den Verwaltungen mehr Engagement bei der Vermeidung unnötiger Alarmierungen. Ein Kontrollsystem gibt es jedoch bereits. Verschärft wird die Lage durch die Personalstärke in der Kreisstadt.

Automatische Brandmeldeanlagen (BMA) sind für bestimmte Gebäude vorgeschrieben, für Schulen etwa, Bauten mit hohem Besucherverkehr wie das Landratsamt, oder solche mit hoher Brandlast, beispielsweise bestimmte Firmen. BMA bestehen aus Meldern, zumeist Rauchmeldern, aber auch Hitzesensoren. Insbesondere die Rauchmelder sorgen für Fehleinsätze, da sie sich leicht täuschen lassen – durch Staub bei Bauarbeiten, Dampf aus Wasserkochern oder Spülmaschinen. BMA melden ein angebliches Feuer automatisch der Leitstelle in Fürstenfeldbruck, und die setzt die vorgesehenen Feuerwehren in Marsch.

Starnberg ist am stärksten betroffen, weil Starnberg auch die meisten BMA hat – rund 130. Starnbergs Kommandant Markus Grasl zählte in seinem Bericht für 2018 die Einsätze auf: 110 von 407 Einsätzen gingen auf das Konto der Meldeanlagen, mit wenigen Ausnahmen waren es Fehleinsätze. 17 waren es allein im Klinikum und dessen Nebengebäuden, zwölf im Malteserstift in Percha, zehn im Seebad (Wasserpark), fünf im Landratsamt.

Der Landkreis München habe Kontrollsysteme

Grasl fordert, dass Stadt und/oder Landkreis mit eigenem Personal solchen unnötigen Alarmen nachgehen. Der Landkreis München habe solche Kontrollsysteme, und „dort würde es nicht passieren, dass die Feuerwehr 17-mal dasselbe Objekt anfährt“. Die Auslösungen im Seebad seien ihm „unverständlich“ – es ist ein städtisches Gebäude. Die Überprüfung solle, sagt der Starnberger Kommandant, sich nicht nur auf die Technik, sondern auch auf organisatorische Fragen beziehen – etwa, dass unter einem Rauchmelder kein Wasserkocher stehen darf.

Kreisbrandrat Peter Bauch zufolge gibt es bereits ein Kontrollsystem, denn nach auffälligen BMA-Alarmierungen werden die Anlagen in eine Liste eingetragen, der Betreiber bekommt Post vom Landratsamt mit einer Frist, die Anlage in Ordnung zu bringen. „Danach hat sich das in der Regel erledigt“, sagt Bauch. Jedoch: Das wirkt nur, wenn die Anlagentechnik auch wirklich schuld ist. Etwa, wenn Melder falsch platziert sind. Das Landratsamt war davon nicht ausgenommen, dort war ein Rauchmelder ausgerechnet an der Atemschutzübungsstrecke installiert worden, in der die Feuerwehr mit Rauch arbeitet. Der Melder wurde ausgetauscht und reagiert nun auf Hitze. Oder im Seebad: Dort wurde ein Rauch-Hitze-Melder im Sauna-Bereich eingebaut, wo heißer Dampf zum Alltag gehört. Diese Melder, sagt Bauch, seien nun während der Öffnungszeiten des Seebads abgeschaltet. Denn: Brennt es in einem Gebäude mit vielen Menschen wirklich, meldet das auch jemand. Oder: In einer Einrichtung waren Rauchmelder in der Küche installiert, was man vermeidet wegen des Dampfes.

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Viele Fehlalarme sind aber nicht auf die Anlagen zurückzuführen. Wird gebaut oder auch nur gemalert, reicht Staub in der Luft für einen Alarm – die Melder können zwischen Rauch, Dampf und Staub nicht unterscheiden. Dann macht die BMA ihren Job richtig. Gerade solche Alarmierungen sind vermeidbar, in dem man einfach die Anlage oder Teile davon für die Zeit der Arbeiten abschaltet oder die zuständigen Stellen informiert. „Das wird man nur mit Rechnungsstellungen in den Griff bekommen“, ist Peter Bauch überzeugt. Viele, aber längst nicht alle Gemeinden schicken für solche Fehleinsätze Rechnungen nach den entsprechenden Satzungen. Normalerweise sind es mehrere hundert Euro. Die Stadt Starnberg hat eine solche Satzung und schickt auch Rechnungen. Der Kreisbrandrat rät allen Kommunen, die Kosten abzurechnen, um die Anlagenbetreiber zu mehr Sorgfalt anzuhalten. Und das ohne Ausnahme.

Bürgermeistersprecher Rupert Monn zufolge haben die Bürgermeister das Thema nicht offiziell beraten, aber durchaus darüber gesprochen. Eine einheitliche Linie gibt es daher nicht. Berg hat eine Kostenregelung und verschickt Rechnungen. „Das zeigt auch Wirkung“, sagt Monn.

100-prozentig werde man Fehlalarme nie vermeiden können, erklärt Bauch. Einmal im Jahr ein Alarm ohne Grund sei bei solchen BMA nicht ungewöhnlich – das kenne man auch aus der Landeshauptstadt München. In seiner Heimatwehr Krailling mit wenigen BMA fallen diese Alarme beispielsweise nicht ins Gewicht.

Hohe Belastung wegen Personalschwäche

Für eine hohe Belastung bei einigen Wehren sorgen die BMA-Einsätze auch wegen der von Kommandant Grasl attestierten Starnberger Personalschwäche. Nach den aktuellen Alarmierungsvorgaben müssen acht Atemschutzträger ausrücken, die Starnberg tagsüber aber Grasl zufolge nicht sicher aufbieten kann. Folge: Die Wehren Söcking und Percha werden zusätzlich alarmiert, je nach Objekt auch Leutstetten oder Pöcking. Söcking und Percha haben 2018 so viele Einsätze gehabt wie noch nie, und in Pöcking regt sich Unmut.

Bürgermeister Rainer Schnitzler befürchtet, dass die Feuerwehrler so langsam Probleme mit ihren Arbeitgebern bekommen könnten. Er kritisierte die vielen durch Brandmeldeanlagen verursachten Fehlalarme – und dass die Pöckinger deshalb oft umsonst nach Starnberg ausrücken müssen. „Irgendwann reagiert man nicht mehr darauf“, sagte er bei der Mitgliederversammlung der Brandretter. Dort zu Gast war auch Kreisbrandinspektor Helmut Schweickart. Die Problematik werde bereits in überörtlichen Gruppen diskutiert, sagte er: „Wir hören von allen Seiten von Nachwuchsproblemen. Dafür gehen wir sehr freizügig mit unseren Ressourcen um.“ Die 108 Einsätze der Pöckinger Wehr 2018, überdurchschnittlich viele im Vergleich zu den Vorjahren, seien „ein trauriger Rekord“. Wenn Brandmeldeanlagen ausgelöst werden, reiche oft auch eine Löschgruppe. „Die kann hinfahren und dann gegebenenfalls Verstärkung anfordern“, so Schweickart.

Rechtlich zulässig wäre, die Ausrückestärken für bestimmte, eher unkomplizierte Objekte zu reduzieren, damit weniger Wehren alarmiert werden müssen. Denn: Schlägt die BMA an und sorgt für einen Feuerwehralarm, ergeht auch ein Räumungssignal. Damit wäre das Hauptziel, Menschen zu schützen, erreicht. „Da sollte man im Stadtgebiet von Starnberg einmal drüber nachdenken“, rät Kreisbrandrat Bauch.

Kommandant Markus Grasl hat das bereits überprüft, sagte er dem Starnberger Merkur. In mehr als 90 Prozent der Fälle sei die Ausrückestärke in den Papieren festlegt, lasse sich also seiner Ansicht nach nicht ohne Weiteres herabsetzen. Die wenigen Anlagen, bei denen eine Reduzierung möglich sei, seien aber nicht das Problem. Grasl findet diese Diskussion auch nicht angemessen: Man müsse die Zahl der Fehlalarme reduzieren, nicht die nötige Einsatzstärke.

Michael Stürzer und Tobias Gmach

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