Für ein Löschfahrzeug hat die Feuerwehr bereits einen Stellplatz am Seebad gefunden, die Hütte soll unweit des Pumpenhauses (rechts, Foto rechts) an der Nepomukbrücke entstehen
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Für ein Löschfahrzeug hat die Feuerwehr bereits einen Stellplatz am Seebad gefunden, die Hütte soll unweit des Pumpenhauses (rechts, Foto rechts) an der Nepomukbrücke entstehen

Engpässe im Bauamt

Feuerwehr fürchtet um neue Hütte

Die Feuerwehr fürchtet, dass ihr Zukunftskonzept unter den Engpässen im Bauamt der Stadt leidet. Die vom Stadtrat im Grundsatz gebilligte Bootshütte hält Kommandant Markus Grasl für zwingend nötig. Der Bürgermeister beschwichtigt.

Starnberg – Einen konkreten Standort für eine neue Feuerwehr-Bootshütte hatte der Stadtrat Anfang vorigen Jahres zwar nicht beschlossen, wohl aber erste Planungen. Da vor wenigen Tagen wegen Kapazitätsengpässen im Bauamt der Stadt eine Prioritätenliste beschlossen wurde, fürchten die Ehrenamtlichen um Kommandant Markus Grasl, dass dieses Projekt deswegen um fünf oder mehr Jahre verschoben wird. Für Grasls Zukunftskonzept wäre das ein Rückschlag, denn mit der Bootshütte will er die Feuerwehr attraktiver machen. Bürgermeister Patrick Janik beruhigt, geht aber auch nicht von einem schnellen Planungserfolg aus.

Markus Grasl setzt darauf, mit diversen Maßnahmen mehr ehrenamtliche Helfer in die Feuerwehr zu bekommen, da der Personalbedarf in Zukunft wegen des B 2-Tunnels, aber auch wegen Projekten wie dem Gewerbegebiet in Schorn deutlich steigen wird. In den vergangenen Jahren hatte die Wehr unter Personalmangel gelitten, durch mehr Homeoffice in der Pandemie hat sich das zeitweise leicht gebessert – auswärts arbeitende Kameraden sind derzeit mehr in Starnberg. Das wird so aber nicht bleiben. Zum Konzept gehören spezielle Ausbildungsangebote, die hauptamtliche Ausbilder umsetzen sollen, die gerade eingestellt werden.

Zum Konzept gehört auch die Bootshütte, die Ehrenamtlichen eine Kombination aus Freizeit am See bei gleichzeitiger schneller Einsatzbereitschaft erlauben soll. Grasl geht felsenfest davon aus, dass spätestens mit Freigabe des Tunnels in fünf bis sechs Jahren – der genaue Termin ist wegen des noch laufenden Planungsänderungsverfahrens noch unklar – Bereitschaftsdienste erforderlich werden. „Und dann werden sich die Aktiven nicht bei 35 Grad ins Gerätehaus setzen wollen“, sagt der Kommandant. Mit Familie an der Feuerwehrbootshütte wären im Sommer die Bereitschaftsdienste angenehmer und damit die Schichten wohl leichter zu füllen.

Die aktuelle Bootshütte ist dafür komplett ungeeignet. Grasl will deswegen eine neue Hütte auf dem Areal des Strandbades, genauer: an der Hafenausfahrt am Pumpenhäuschen. Die Idee stammt bereits von Grasls Vorgängern aus dem Jahr 2015. Gegen den Standort hatte es im Stadtrat Bedenken gegeben, unter anderem wegen des Löschfahrzeugs, das dort stationiert werden soll. Dafür hat die Feuerwehr inzwischen eine Lösung, die nichts gekostet hat: einen sowieso geschaffenen Stellplatz am Seebad. Diesen Platz hatte die Wehr auch gewählt, weil es Bedenken zur Tonnage und zur Befahrbarkeit des Nepomukweges gegeben hatte. Der Stellplatz sei nahe genug am Wunschstandort der Hütte – damit ist die Wehr von den Plänen von vor einigen Jahren schon abgerückt.

Die Hütte selbst sieht Grasl derzeit in der Warteschleife. „Wir haben ein Problem mit der Prioritätenliste“, sagt er, denn auf der taucht das Vorhaben nicht auf. Für die Hütte müsste der Bebauungsplan geändert werden, zumal die Wehr in der Hütte nicht nur ihr inzwischen vom Landkreis gekauftes Boot unterbringen will, sondern auch Sozial- und Jugendräume. Grasl denkt an einen Bau ähnlich der Feldafinger Wasserwachtstation, in dem das Boot dauerhaft bleiben kann und mit einer Art Aufzug aus dem Wasser gehoben wird. An der von ihm favorisierten Stelle seien auch die Versorgungsleitungen alle vorhanden. Grasl fürchtet nun, dass die Feuerwehr-Hütte hinten runterfällt – dabei werde sie für den Brandschutz in Uferbereichen der Stadt mit dem Feuerwehrbedarfsplan, der demnächst fertiggestellt sein soll, ein Thema.

Der Feuerwehrreferent des Stadtrates, Franz Heidinger (BLS), unterstützt den Kommandanten dabei und bei anderen Projekten. Die Hütte sei „zwingend erforderlich, um die Feuerwehr attraktiver zu machen“, sagt er. Man habe Nachwuchsprobleme, und viele Ehefrauen seien nicht sonderlich begeistert, wenn der Gatte den ganzen Tag bei der Feuerwehr sei – da sei es einfacher, ganzen Familien an der Hütte eine Freizeitmöglichkeit zu bieten. „Man muss es nur angehen“, findet Heidinger. Geld für anderes habe man ja auch.

Die Befürchtungen seines Kommandanten versucht Bürgermeister Patrick Janik auszuräumen. Die Stadt verfolge den Plan natürlich weiter: „Das Projekt ist weit davon entfernt, vom Tisch zu sein.“ Allerdings sei das Vorhaben deutlich komplizierter, als es den Anschein habe – nicht nur, weil das Grundstück gar nicht der Stadt, sondern dem Freistaat gehöre. Zudem sei der See FFH-Gebiet, es gibt einen zu ändernden Bebauungsplan. „Es wird länger dauern“, sagt Janik, was aber nicht an den Prioritäten im Bauamt liege.

Der Bürgermeister unterstützt den Bootshütten-Plan, weil sie als Baustein bei der Gewinnung von Ehrenamtlichen auch die Gefahr reduziert, dass die Stadt hauptamtliche Löschmannschaften einstellen müsste – was auf Dauer deutlich teurer wäre.

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