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Feuerwehr-Schicht: „Wir sitzen nicht herum“

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Von: Michael Stürzer

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Bereitschaftsdienst bei der Feuerwehr: Die erste Nachtschicht übernahmen Martin Küspert, Michael Falk und Regina Falk (v.l.).
Bereitschaftsdienst bei der Feuerwehr: Die erste Nachtschicht übernahmen Martin Küspert, Michael Falk und Regina Falk (v.l.). © Michael Stuerzer

Die Feuerwehr Starnberg hat am Wochenende erstmals mit Bereitschaftsdiensten personelle Engpässe überbrückt. Für die jeweils drei Aktiven, die in der Regel Zwölf-Stunden-Schichten übernehmen, heißt das aber nicht, dass sie im Gerätehaus herumsitzen und warten, ob oder bis ein Alarm kommt.

Starnberg – Ein unüberhörbarer Gong ist das Signal im Starnberger Gerätehaus, wenn es ernst wird: Bei einem Alarm dröhnt er durch die Räume, das Licht geht an, die Pieper gehen los. Normalerweise hört den Gong nur, wer zufällig im Gerätehaus ist – doch seit diesem Monat ist das Gerätehaus an Wochenenden und Feiertagen durchgehend mit einer kleinen Mannschaft besetzt. Bereitschaftsdienst nennt sich das und ist eine Folge der Personalschwäche der Starnberger Wehr. Die drei Aktiven vom Dienst rücken dann binnen 90 Sekunden mit einem Fahrzeug aus und sind entsprechend schnell am Einsatzort. Das dient der Sicherheit der Bevölkerung.

Die erste Schicht übernahmen ab Freitag, 18 Uhr, Regina Falk (26), Michael Falk (24) und Martin Küspert (22), alle drei hoch qualifiziert und seit sechs bis 14 Jahren dabei. Unangenehm war es für die drei nicht. „Es macht wenig Unterschied“, sagt Regina Falk, „ich verbringe eh viel Zeit mit der Feuerwehr“. Die 26-Jährige ist auch zweite Vorsitzende des Feuerwehrvereins und stammt aus einer Feuerwehr-Familie. Dass Bereitschaftsdienste erforderlich sind, um schnell ausrücken zu können, steht für Michael Falk außer Zweifel: „Wir haben all mitbekommen, wie schwierig es an Wochenenden ist.“ Und für Martin Küspert ist Bereitschaftsdienst nichts Neues, denn: Er stammt aus Partenkirchen, ist dort auch bei der Feuerwehr, wohnt nun aber in Starnberg. In Partenkirchen und Garmisch sind Bereitschaftsdienste keine Seltenheit, nicht nur bei Ereignissen wie dem G7-Gipfel. „Man wächst dadurch aus besser zusammen“, ist seine Feststellung.

Darauf setzt auch der federführende Kommandant Markus Grasl, der die Bereitschaftsdienste bei Gesprächen mit Bürgermeister Patrick Janik vereinbart hatte. Die Aktiven in Bereitschaft erhalten von der Stadt eine Aufwandsentschädigung (keine Bezahlung), umgerechnet wenige Euro pro Stunde. Das aber finden die Aktiven gut. „Es ist eine kleine Anerkennung“, findet Regina Falk. Die Bereitschaftsdienste laufen immer von Freitag, 18 Uhr, bis Montag, 6 Uhr, in Zwölf- oder auch 24-Stunden-Schichten. Die jeweils Diensthabenden bleiben die ganze Zeit im oder am Gerätehaushaus. „Aber wir sitzen nicht herum und drehen Däumchen“, erklärt Michael Falk.

Dafür sorgt schon der festgelegte Ablauf der Schichten. Beispiel der ersten Schicht: 18 Uhr Übernahme und Wacheinteilung, Überprüfung der persönlichen Ausrüstung und dergleichen. Danach überprüfen die drei die Fahrzeuge, mit denen sie bei einem Alarm ausrücken – die Drehleiter oder den Rüstwagen. Besatzung dieser Fahrzeuge: drei Mann. Bei einem Schichtwechsel am Morgen werden die Geräte erst später überprüft, aus Rücksicht auf die Nachbarn. Zum Tagesablauf gehören Ausbildungen und Übungen, Dienstsport und einiges mehr. Natürlich bleibt auch Zeit zur freien Verfügung. Bei Diensten über Nacht ist ab 22 Uhr Bettruhe angesagt – dann ist auch wirklich Ruhe im Haus. Die 90-Sekunden-Regel gilt auch dann, weswegen jeder seine Einsatzkleidung so hinlegt, dass er in Sekunden angezogen ist.

Geregelt ist auch, wer wann den Drucker für die Alarmfaxe (mit den Daten eines Einsatzes) überprüft, Mülleimer leert oder alle Türen überprüft, ob sie verschlossen sind. Die Vorgaben sind nicht Selbstzweck, betont Grasl. „Das gibt den Leuten auch Sicherheit, dass sie alles erledigt haben.“ Räumlich sind die Bedingungen nicht ideal bisher. Da der Umbau von Räumen im Gerätehaus zu Zimmern mit Betten noch andauert, hat die Wehr den Schulungsraum leer geräumt und Feldbetten in abgetrennten Abteilen hineingestellt. Eine Übergangslösung, aber sie funktioniert.

Grasl hat durchaus Leute für die Schichten gefunden, leicht war das aber nicht. Vor allem der Samstagabend erwies sich als Zeit, in der Ehrenamtliche eher keinen Dienst in der Wache schieben wollen. Michael Falk erwartet aber, dass sich mit der Zeit viele dafür begeistern. Es zeichnet sich auch ab, dass die Bereitschaftsdienste einigen Aktiven die Chance geben, trotz schwieriger Umstände Dienst machen zu können. Junge Mütter etwa, die eine Schicht übernehmen und entsprechend planen können, weil sie im Normalfall ja die Kinder bei einem Alarm nicht alleinlassen können. Oder ehemalige Aktive, die wegen des Wohnungsmangels wegziehen mussten und nun in der Wehr ihres neuen Wohnorts sind, aber eine Schicht in Starnberg übernehmen können.

Die Besetzung der Schichten ist jedoch nicht ganz so einfach, denn die Bereitschaftsdienstler müssen die Fahrzeuge fahren und bedienen können, müssen Atemschutzgeräteträger sein und einiges mehr. Die Drei besetzen Fahrzeuge je nach Alarmgrund. Bei einem Wohnungsbrand fahren sie mit der Drehleiter los, um vor Ort sofort Menschen retten zu können, falls nötig. Auch bei einer Wohnungsöffnung fährt die Drehleiter. Die alarmierten Kameraden, die von Zuhause kommen, rücken dann mit den Löschfahrzeugen nach. Bei einem Unfall nehmen die Bereitschaftsdienstler den Rüstwagen, der dafür ausgestattet ist. Sobald das aus Garmisch-Partenkirchen übernommene Tanklöschfahrzeug mit 5000-Liter-Tank im Dienst ist (wohl ab Oktober), fahren sie mit diesem bei einem Flächen- oder Fahrzeugbrand. Mit 5000 Liter kann man einiges löschen, drei Aktive können so viel bewirken.

Der Bereitschaftsdienst besteht allerdings nicht nur aus den drei Aktiven im Gerätehaus. Drei weitere übernehmen Spezialaufgaben, Führungsassistenz etwa oder der Einsatzleiter. Sie haben die Fahrzeuge zu Hause vor der Tür stehen, dürfen sich damit aber nur im Stadtgebiet aufhalten. Auch für sie gilt die 90-Sekunden-Vorgabe. Michael Aulehner, einer der altgedienten Feuerwehrler und seit 43 Jahren dabei, übernahm die erste Schicht als Führungsassistent. Er wollte ausprobieren, wie das so ist mit dem Bereitschaftsdienst. Der gehöre zur „neuen Welt bei der Feuerwehr Starnberg“.

Der Gong im Gerätehaus blieb in der ersten Schicht still, aber nicht in der Nacht auf Sonntag. Gegen 0.15 Uhr meldete die Brandmeldeanlage eines Unternehmens an der Moosstraße ein Feuer. Es war ein Defekt. Die Wehren Söcking und Leutstetten waren ebenfalls im Einsatz. Das erste Starnberger Fahrzeug war nach 90 Sekunden unterwegs.

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