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Steffi Hirschmann mit ihrer 3D-Kamera.
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An 20 Punkten in der Redaktion musste die Kamera aufgestellt werden, damit das Modell entsteht.
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Das fertige 3D-Modell unserer Redaktion.

3D-Scan

Virtueller Rundgang durch unsere Redaktion

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Starnberg - Moderne Technik erlaubt heute Dinge, die vor wenigen Jahren kaum vorstellbar waren. Zum Beispiel einen virtuellen Bummel durch die Redaktion des „Starnberger Merkur“ – ganz einfach zu Hause am PC.

Es ist früh am Morgen. Verdammt früh. Denn das ist der einzige Moment des Tages, an dem in einer Zeitungsredaktion Ruhe herrscht. Und genau diese Ruhe braucht Stefanie Hirschmann, um ihre neue Technik zu präsentieren. Die Söckingerin ist mit ihrer Firma „vr¦werk“ die erste Anbieterin in Deutschland, die 3D-Modelle von Räumen erstellt. 

Klingt kompliziert? Deswegen kommt Stefanie Hirschmann an diesem frühen Morgen einfach vorbei und führt die Technik vor. In zwei Koffern ist alles verpackt. Herzstück ist die Matterfix-Kamera, die ein amerikanisches Technologie-Startup entwickelt hat. Die sieht aus wie eine überdimensionierte Polaroid-Kamera mit vielen, vielen Linsen. Hischmann setzt sie auf das Stativ und schnell müssen alle aus dem Raum flitzen. Denn während der Aufnahme darf sich nichts in der Redaktion verändern.

20 Einstellungen für ein Modell

Über ihr iPad kontrolliert die gelernte Autoverkäuferin die Aufnahme. Immer wieder muss die Kamera neu positioniert werden. Wieder rausrennen, warten, kontrollieren. Bei der Aufnahme macht die Kamera nicht nur ein hochauflösendes Foto, per Infrarotmodell generiert sie auch einen dreidimensionalen Scan des Raumes. Nach einer guten halben Stunde und insgesamt 20 Aufnahmen ist alles im Kasten. Die Daten werden nun in die USA übertragen, dort wird aus den Aufnahmen ein 3D-Modell erzeugt. Ein paar Stunden später ist es da. Und fällt ziemlich faszinierend aus.

Der Sportler und das Leergut

Man kann sich völlig frei durch die menschenleere Redaktion bewegen, hinzoomen, wo man will. Nachschauen, wie viele Flaschen der Kollege vom Sport neben seinem Schreibtisch gestapelt hat – wahrscheinlich als Altersvorsorge. „vr¦werk“ ist derzeit der einzige Anbieter in Deutschland, der über diese Technik verfügt. „Mein Lebensgefährte Norman Wagner hat Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um die Kamera nach Deutschland zu importieren“, berichtet Stefanie Hirschmann. Nun ist sie dauernd im Einsatz. Insbesondere in der Immobilienbranche ist dieser Dienst sehr gefragt. „Kürzlich haben wir eine Villa in Feldafing komplett gefilmt“, berichtet die Söckingerin. Gerade bei repräsentativen Objekten lohne sich der Aufwand.

Wohnungsbesichtigung von Amerika aus

Stefanie Hirschmann nennt ein Beispiel: „Amerikanische Firmen, die ihre Manager nach Deutschland schicken, mieten denen hier schicke Häuser und Wohnungen für bis zu 10 000 Euro im Monat. Die Manager können natürlich nicht x-mal für Besichtigungen herfliegen.“ Daher könnten sie sich die Wohnungen als 3D-Modell vorher anschauen, dabei selbst schon Maße nehmen, um zu schauen, ob die Couch auf ins Zimmer passt. Auch Museen, Ausstellungen und Yachten hat Stefanie Hirschmann bereits aufgenommen. Und nun auch unsere Redaktion.

Hintergrund: Das Lochmannhaus in drei Dimensionen

Eines der Vorzeigeprojekte von „vr¦werk“ war die Erstellung eines 3D-Modells des Lochmanhauses im Museum Starnberger See. Ende Dezember vergangenen Jahres stellte Norman Wagner sich und seine Arbeit im Museum vor und bot an, vom Museum ein 3D-Modell zu entwickeln. „Mitte Februar wurde das Haus daraufhin gescannt, seit einer Woche ist das Modell online“, erzählt die Leiterin des Museums, Sibylle Küttner. Zahlen musste das Museum dafür nicht, lediglich das Modell auf ihrer Internetseite vorstellen.

 „Wir profitieren davon wirklich“, meint die Museumsleiterin. Denn die meisten bekämen das Museum nur von der Fassade an der Hauptstraße aus zu sehen. Der Scan gebe nun einen besseren Einblick in die Ausstellung selbst. „Jetzt kann man von außerhalb sehen, was es alles im Museum zu entdecken gibt“, erklärt Küttner. Für eine professionelle Nutzung ist das Modell allerdings nicht optimal. „Man gewinnt zwar einen tollen ersten Eindruck, für eine Konzeptentwicklung zum Beispiel verzerrt das Modell die Räume noch zu sehr“, sagt die Expertin. Die Realität schlägt also die virtuelle Welt immer noch knapp.

Dessen ungeachtet freut sich Stefanie Hirschmann darüber, dass die Technik so gut ankommt. Und träumt davon, ein Franchise-Unternehmen aufzubauen. „Gerade für Frauen mit Kindern ist das ideal“, schwärmt die Söckingerin. Zudem seien die Anfangsinvestitionen überschaubar. Mit Transport und Zoll koste die 3D-Kamera der Firma Matterfix rund 5000 Euro, dazu kommen die Kosten für ein iPad, einen schnellen Rechner zu Hause und eine flotte Internetleitung. „Dann kann man schon loslegen“, berichtet die 3D-Filmerin, die erst vor wenigen Jahren aus Nürnberg an den Starnberger See zog. Mit ihrer Kamera ist sie bundesweit im Einsatz.

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