1 von 4
Paul Dechant ist eine lebende Legende beim Fischerstechen. Sein Sohn Peter will nun endlich auch König werden und den Titel nach Starnberg holen.
2 von 4
Paul Dechant machte 1977 den Titel-Hattrick perfekt.
3 von 4
Schon in den Anfangsjahren (Foto von 1912) machte mancher Getroffene eine gute Figur.
4 von 4
Schorschi Wenzel (unten rechts bei seinem ersten Sieg 1982) ist mit vier Titeln Rekordsieger beim Prinzregent-Luitpold-Fischerstechen.

Prinzregent-Luitpold-Fischerstechen 

Im Namen der Lanze

  • schließen

Am Sonntag treten Berufsfischer und Sportler beim Prinzregent-Luitpold-Fischerstechen in Starnberg an. Es werden tausende Zaungäste erwartet.

Starnberg– Sieger der Herzen war Peter Dechant (51) immerhin schon einmal beim Prinzregent-Luitpold-Fischerstechen. Vor zehn Jahren hatten sich die dramatischen Szenen auf dem Wasser vor der Seepromenade abgespielt: Im Halbfinale stieß Dechant mit seiner Lanze den Ambacher Michael Menzinger gekonnt von der Planke, doch die Starnberger am Ufer jubelten zu früh. Die Schiedsrichter erklärten den Stoß für regelwidrig. Noch heute ärgert sich Dechant darüber: „Ich habe ihn an der Hüfte getroffen, aber sie meinten, es waren die Weichteile.“ Das Duell mit dem Ambacher Fischer musste wiederholt werden, Dechant geriet zur tragischen Figur. Er wurde selbst getroffen und landete im Wasser. Menzinger zog ins Finale ein und holte den Titel.

Am Sonntag unternimmt der Chef des bekannten Fischgeschäfts den nächsten Versuch, den Titel zurück in die traditionsreiche Starnberger Fischer-Familie zu holen. Den letzten Erfolg feierte 1977 sein Vater Paul Dechant. Der mittlerweile 77 Jahre alte Senior gilt unter den Fischern am Starnberger See als lebende Legende. Bei seiner dritten Teilnahme wurde er 1967 erstmals Fischerkönig, seitdem stieß ihn niemand mehr vom Boot. Zweimal verteidigte Paul Dechant den Titel souverän, danach übergab er die Lanze an Sohn Peter (damals 16).

Der Vater war zu dieser Zeit selbst noch 37 Jahre jung, und viele versuchten, ihn zu überreden, doch noch einmal vor der Seepromenade aufs Boot zu steigen. „Aber wenn mich dann jemand reingestoßen hätte, würde heute keiner mehr davon reden“, sagt Dechant senior und lächelt vergnügt. So hatte der schärfste Rivale und letzte große Finalgegner Dechants – der Starnberger Schorschi Wenzel – keine Chance zu einer Revanche. Wenzel dominierte nach dem Rücktritt Dechants die Stechen zwischen 1982 und 2002, als er nur einmal verlor und insgesamt viermal den Titel nach Starnberg holte.

Peter Dechant dagegen zahlte bei seiner ersten Teilnahme 1982 noch Lehrgeld. Aber schon damals hatte der Junior den Trumpf im Boot, der seinem Vater immer wieder in die Karten spielte: Helmut Schmücker. Der 77-jährige Starnberger steuert jetzt schon seit 55 Jahren das Boot, von dem aus die Dechants ihre Schlachten schlagen. Vater und Sohn nennen ihn denn auch mit an erster Stelle, wenn sie nach dem Geheimnis des Erfolgs beim Fischerstechen gefragt werden: „Der Ruderer macht ein Drittel aus“, sagt Peter Dechant. „Er hat mich manchmal gerettet“, nickt Vater Paul. Wenn er auf der Planke ins Schwanken geriet, war es Schmücker, der das Boot geschickt aus der Gefahrenzone manövrierte. Und wenn andererseits der Gegner ins Straucheln kam, war es wieder der Ruderer, der den richtigen Riecher bewies und Dechant zielgenau zum entscheidenden Stoß steuerte.

Natürlich trugen und tragen auch Vater und Sohn Dechant ihre Teile zu den erfolgreichen Stechen bei: „Ich habe schon immer einen guten Stand gehabt und ein gutes Gleichgewichtsgefühl“, sagt der Senior. Gelobt wurde Paul Dechant auch immer wieder für seine aufrechte Haltung auf der Planke, die ihn als fairen Sportsmann auswies. „Andere haben sich so tief gebückt, dass sie eine Verwarnung bekommen haben“, erinnert er sich an mehrere unfaire Versuche der Gegner, die Lanze abzuwehren.

Obwohl er der wohl berühmteste Fischerkönig vom Starnberger See ist, hat er seinem Sohn nie Tipps geben wollen oder ihn gar trainiert. „Das hat er alles selbst gelernt“, sagt der Altmeister. Und noch nicht einmal zum Spaß sind die beiden je mit den Lanzen gegeneinander angetreten. „Das ist bei uns wie bei den Klitschkos“, sagt der Sohn. „Wir kämpfen nicht gegeneinander.“

Für diesen Sonntag zählt für den 51-jährigen Junior, der im Feld zu den älteren Berufsfischern zählt, nur eines: „Gewinnen!“ Schließlich geht es auch darum, nach einer langen Durststrecke den Titel zurück nach Starnberg zu holen. „In den letzten Jahren haben die Oberseer aufgeholt“, sagt Vater Paul zu der Tatsache, dass die Fischerkönige 2007 und 2012 aus Ambach kamen. Es ist also höchste Zeit, dass die einstigen Seriensieger aus der Kreisstadt wieder ihre Zähne zeigen.

Peter Dechant wird dabei alles in die Waagschale werfen. Und nach dem Sonntag will er auch 2022 noch einmal antreten. Besser gesagt, er muss, um die Familie Dechant weiter im Fischerstechen zu halten. Denn sein Sohn Leopold ist erst sieben Jahre alt. Er hat zwar zwei Schwestern, aber: Frauen sind beim Fischerstechen nicht zugelassen. Mit Blick auf die Stöße gegen den Oberkörper und die vielen blauen Flecken, die man im Training und beim Wettkampf davonträgt, finden Peter und Paul Dechant das auch gerechtfertigt: „Fischerstechen ist ein Männersport.“ In zehn Jahre will er die Lanze dann seinem Sohn weitergeben.

Insgesamt haben für den Wettbewerb am Sonntag zwölf Berufsfischer gemeldet. Bei den Sportstechern, die vorher antreten, liegen dem Heimat- und Volkstrachtenverein 18 Nennungen vor.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgesehene Fotostrecken

Weßling
Vom Löscheimer zur Wasserkanone
Die Freiwillige Feuerwehr Oberpfaffenhofen hat am Wochenende ihr 125-jähriges Bestehen gefeiert. Höhepunkte waren der Tag der offenen Tür und der Festumzug durch den Ort.
Vom Löscheimer zur Wasserkanone
STA
Zwei Rückkehrer und ein baldiger Abschied
Es tut sich was am Baierplatz in Stockdorf. Ein Spezialitätengeschäft hat seinen Einstand gegeben. Ein alteingesessener Wirt will sich zur Ruhe setzen und sucht einen …
Zwei Rückkehrer und ein baldiger Abschied
Tutzing
Rebellinnen treffen sich nach 50 Jahren
50 Jahre nach ihrem Abschluss haben sich ehemalige Schülerinnen der Tutzinger Benedictus-Realschule getroffen. Geblieben sind die alten Geschichten – über Rebellion, …
Rebellinnen treffen sich nach 50 Jahren
Andechs
Gottes Segen vor herrlicher Kulisse
350 Musikanten sind am Wochenende von Aschering nach Andechs gepilgert und haben am Ende ihrer Wallfahrt einen festlichen Gottesdienst gefeiert.
Gottes Segen vor herrlicher Kulisse

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.