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Die Flussseeschwalben am Starnberger See haben sich in diesem Jahr prächtig entwickelt. Im April werden sie aus dem Winterquartier in Westafrika zurückerwartet.

Landesbund für Vogelschutz

Der fliegende Methusalem vom Starnberger See

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Positive Nachrichten von der Kreisgruppe Starnberg des Landesbundes für Vogelschutz: Die bedrohte Flussseeschwalbe hat sich heuer am Starnberger See so gut entwickelt wie seit vielen Jahren nicht – und ein Tier hat den Altersrekord gebrochen.

Landkreis – Der Name des Tieres ist ja etwas sperrig: EF00265. So lautet die Beschriftung des Ringes einer Flussseeschwalbe, die im Jahr 2002 am Starnberger See geschlüpft ist und noch als Küken beringt wurde. Dieser Tage sichtete ein Vogelfreund EF00265 am Genfer See, wo sie mit ihrem Schwarm einen Zwischenstopp auf dem Weg ins Winterquartier einlegte. Er konnte den Ring ablesen und die Daten seinen Kollegen am Starnberger See mitteilen. „16 Jahre – dieses Alter ist bei unseren Flussseeschwalben Rekord“, freut sich Dr. Andrea Gehrold, die Gebietsbetreuerin des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) für den Starnberger See.

„Bestimmt hat dieser Vogel schon eine Flugstrecke von über 100 000 Kilometern zurückgelegt“, sagt Gehrold in ihrem Büro in Stegen am Ammersee. Die Tiere sind lange unterwegs zwischen den Brutgebieten in Europa und dem Winterquartier an der Westküste Afrikas. Bereits im August sind sie am Starnberger See aufgebrochen. Dann führt sie der Weg zunächst nach Westen an die großen Voralpenseen. Am Genfer See oder am Neuenburger See fressen sie sich ein Fettpolster an, ehe es weitergeht in Richtung Süden. Aus der Schweiz gibt es jährliche Herbstmeldungen in die Brutgebiete. Neben dem fliegenden Methusalem entdeckten die Ornithologen dort heuer auch zwei Jungvögel sowie zwei Altvögel (fünf und sieben Jahre alt) vom Starnberger See.

Was alle Vogelfreunde besonders freut: Das Jahr 2018 war ein äußerst gutes Jahr für die Flussseeschwalbe. Vor einigen Jahrzehnten war sie noch vom Aussterben bedroht, unter anderem weil ihre natürlichen Lebensräume durch Flussbegradigungen und Staustufen immer weiter eingeengt wurden. Mittlerweile hätten sich die Bestände zwar erholt, gefährdet sei sie aber noch immer, erklärt Gehrold. Insgesamt 400 Brutpaare gibt es in Bayern, 31 davon auf dem Brutfloß im Schutzgebiet bei St. Heinrich, einer künstlichen Nisthilfe. 31 Küken sind dort heuer geschlüpft – eine sehr gute Quote, wie die LBV-Gebietsbetreuerin erklärt. Da Flussseeschwalben bis zu 30 Jahre alt werden könnten, sei die Nachwuchsrate nämlich von Haus aus relativ gering.

Dazu kam: „In den vergangenen Jahren gab es wegen Gewitterstürmen und Verlusten durch Beutegreifer nur wenige Küken.“ Das sei dieses Jahr anders gewesen. „Die Wärme war dabei nicht so entscheidend“, sagt Gehrold. „Es ist wichtiger, dass es nicht so windig ist. Und auch der wenige Regen in diesem Jahr hat sich sehr positiv ausgewirkt.“ Dann nämlich könnten die Vögel ihre Beute, kleine Fische, im Wasser besser erkennen. Da die Schwalben zum Brüten oft an ihren Geburtsort zurückkehren, sei der Nachwuchs besonders wichtig, um die Kolonie am Starnberger See dauerhaft zu erhalten.

Wie es mit den Tieren genau weitergeht, werden Andrea Gehrold und ihre Kollegen vom LBV im April 2019 wissen. Denn dann kehren die Flussseeschwalben von der Atlantikküste wieder zurück an die heimischen Gewässer. Und wer weiß: Vielleicht ist EF00265 dann auch wieder dabei – als fliegender Methusalem vom Starnberger See.

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