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Blickt mit Sorge auf die Entwicklung in den Wäldern: Luitpold Schneider vom Staatlichen Forstrevier Andechs, hier zusammen mit Hündin Nelly im Wald bei Unterbrunn. 

Wälder in Gefahr

„Müssen auf das Schlimmste gefasst sein“

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Seit Wochen hat es nicht geregnet. Die Böden sind trocken, in den Wäldern herrscht mittlere bis hohe Waldbrandgefahr. Den Förstern im Landkreis macht zudem ein altbekannter Schädling große Sorgen: der Borkenkäfer.

Landkreis – Die Wälder im Landkreis Starnberg kommen nicht zur Ruhe. „Der April war viel, viel zu trocken“, sagt Gautings Revierförster Markus Noack. Schon die Sturmtiefs Sabine und Bianca im Februar hätten ihnen zugesetzt. Schon damals sei es zu warm gewesen. Und: Wegen der Stürme „haben wir viel Schadholz im Wald rumliegen“, ergänzt Luitpold Schneider, zuständig für das Staatliche Forstrevier Andechs, das den südlichen Teil des Landkreises umfasst. Holz, das „waldschutzwirksam aufgearbeitet“, also aus dem Wald herausgeholt werden müsse. Zu dessen Beseitigung sind Waldbesitzer verpflichtet.

Denn das Holz bietet einen idealen Angriffspunkt für den Borkenkäfer, der laut Schneider derzeit „total aktiv“ ist und seine Eier dort hinein legt. Die Larven könnten in vier bis sechs Wochen schlüpfen und die neuen Käfer dann ausschwärmen. Auch Noack und Martin Springer, der das Forstrevier Starnberg betreut, betonen, dass der Schädling derzeit „ideale Bedingungen“ vorfindet. „Aufgrund der Trockenheit können sich die Bäume, insbesondere die Fichten, nicht wehren“, sagt Schneider. „Insgesamt haben wir Angst vor einem starken Borkenkäferjahr.“

Hinzu kommt die Waldbrandgefahr. Die schätzt Schneider für seinen Zuständigkeitsbereich zwar hoch, aber weniger schlimm als weiter nördlich in Noacks Revier Gauting ein, da der Boden in Schneiders Revier wegen der Würmeiszeit eine bessere Fähigkeit habe, Wasser zu halten. Das Forstrevier Gauting liege hingegen zum Teil schon in der Schotterebene. Nur in Oberbrunn und Buchendorf gebe es Lehmböden, die gut Wasser speichern können, erklärt Förster Noack. Im Kreuzlinger Forst und bei Unterbrunn sickere das Wasser schnell durch.

Und: „Recht viel trockener kann es eigentlich nicht mehr werden“, betont Noack im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Er spricht von einem „äußerst ungünstigen Start“ in die Saison. „Die Bäume leiden unter Trockenstress.“ Ohnehin sei die Waldbrandgefahr im Frühjahr besonders hoch. Man müsse sich nur das trockene, verdorrte Gras überall ansehen. Noack: „Da reicht oft schon ein kleiner Funke.“

Daher hatte die Regierung von Oberbayern, Sachbereich Katastrophenschutz, auf Basis der Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes wegen drohender Waldbrandgefahr für das Wochenende erneut Überwachungsüberflüge angeordnet, wie Landratsamtssprecherin Barbara Beck auf Nachfrage am Freitag bestätigte.

Und selbst wenn es dieser Tage tatsächlich, wie vorhergesagt, regnen sollte, helfe das dem Wald wenig. „Ein bisschen Regen bringt nichts, weil der in den Kronen abgefangen wird“, sagt Noack. Was wiederum für das weitere Wachstum im Wald und die Waldbrandgefahr im Sommer Gefahren birgt. Denn sollten die kleinen, frisch gepflanzten Bäumchen kein Wasser bekommen, vertrocknen auch diese, erklärt Schneider.

Der für das Forstrevier Starnberg zuständige Martin Springer sagt: „Wenn wir nicht einen sehr nassen Mai und Juni bekommen, dürfen wir uns auf das Schlimmste gefasst machen.“ Zumindest aus der Sicht eines Försters wären starke Niederschläge „eine Wohltat“. Auf Wetterprognosen, die weiter als drei Tage in die Zukunft reichen, geben alle drei Revierförster aber nichts.

In der Landwirtschaft sei die Situation dagegen noch nicht ganz so kritisch, sagt Kreisbauernobmann Georg Zankl. Noch sei der Mangel an Regen weitgehend kompensierbar. Aber: „Das Grünland wächst überhaupt nicht.“ Und: „Wenn es so weiter geht, wird das Getreide Schaden nehmen.“ Das befinde sich aktuell in der Phase der Wurzelbildung. Auch die Kartoffeln bräuchten die Feuchtigkeit für die Keimung. Spätestens Anfang Mai müssten 30 bis 50 Liter pro Quadratmeter auf die Felder fallen, so Zankls Hoffnung. Zwar sei die Trockenheit noch nicht so gravierend wie in Ostdeutschland, aber bei einem ist sich Zankl sicher: „Der Klimawandel hat da seine Hand im Spiel.“

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