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Ungewohnter Anblick: Die „Dilmun S“, ein Segelschiff nach historischem Vorbild, ist seit gestern – und heute noch – auf dem Starnberger See unterwegs. Die Testfahrten dienen als Generalprobe für eine große Expedition im Frühjahr 2019.

Forschungsprojekt

Starnberger See als Schwarzes Meer

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Segler trainieren am Dienstag und Mittwoch mit einem Boot nach historischem Vorbild für eine große Expedition von Sotschi nach Kreta.

Starnberg – Zu den üblichen Elektro- Motor- und Segelbooten auf dem Starnberger See gesellt sich dieser Tage ein ungewohnter Gast: „Dilmun S“. Das ist ein Schiff, größtenteils aus Styropor, das ein Papyrusfloß von vor 6000 Jahren nachahmt. „Wir wollen mit Techniken der Gegenwart herausfinden, wie es damals gelaufen ist“, sagt Dr. Dominique Görlitz (51). Der Wissenschaftler aus Augsburg ist der Kopf hinter einem großen Projekt: Im Frühjahr 2019 möchte er mit einem deutlich größeren Modell eine Expedition vom russischen Sotschi bis nach Kreta bestreiten und beweisen, dass es schon früher deutlich anspruchsvollere Handelswege gab, als die Wissenschaft derzeit annimmt.

Für Görlitz geht es ohnehin nicht nur um Training

Der Starnberger See dientGörlitz als Testfeld. Mit seiner Acht-Mann-Crew übt er auf der „Dilmun S“ die nötigen Handgriffe. Eine wichtige Rolle spielen zehn Seitenschwerter. Mit diesen Holzbalken wahrt das ein Tonnen schwere Schiff – durch Wassertanks kommt eine weitere Tonne dazu – seine Stabilität und ist in der Lage, gegen den Wind zu kreuzen. Das ist der entscheidende Vorteil gegenüber den Versuchen des bekannten Wissenschaftlers Thor Heyerdahl, sagt Görlitz. „Er hatte die Schwerter methodisch nicht im Griff.“ Deshalb habe Heyerdahl nur von A nach B segeln können, nicht aber zurück.

Wie die Arbeit mit den Seitenschwertern funktioniert, erlebten gestern und heute etwa 100 Mitglieder von Segelvereinen am Starnberger See. Am Dienstag war die Fahrt vor allem eins: gemächlich. Windstärke 1 reichte nicht aus, um das Schiff ordentlich in Fahrt zu bringen. Für Görlitz geht es ohnehin nicht nur um Training – der Augsburger ist mit seinem Team auch angereist, um Sponsorengelder zu akquirieren.

Segler aus Seeshaupt: „Da braucht man mehr Feingefühl“

Zwei Jahre haben sie in über 2000 Arbeitsstunden am Testschiff „Dilmun S“ gearbeitet. Es ist sechs Meter lang, 2,20 Meter breit und 6,50 Meter hoch. Die Herstellung von „Abora IV“, mit dem die Expedition auf dem Schwarzen Meer stattfindet, ist ebenfalls aufwendig. Es soll 14 Meter lang werden, 4 Meter breit und 14 Tonnen schwer. Nächste Woche fliegt das Team nach Bolivien, um Schilf zu ernten. Man brauche ein spezielles Schilf, sagt Görlitz, Teichsimse genannt. Das wachse auch am Starnberger See. Bei „Dilmun S“ dient das Schilf nur zur Verkleidung. Das Testschiff ist seit vier Jahren im Einsatz, mit Schilf wäre es schon lange nicht mehr verwendbar gewesen, sagt Görlitz.

Das erste Mal bei einer Testfahrt war Christian Stelzmüller (40) am Dienstag dabei. Als Mitglied des Seeshaupter Segelvereins Oberland kennt er den Starnberger See – die Fahrt mit einem historischen Schiff aber nicht. „Hier muss man viel mit den Schwertern arbeiten, da braucht man mehr Feingefühl für den Wind.“ Bei der Expedition will er eine Etappe mitmachen und zeigen, dass sich die Testfahrten auf dem See gelohnt haben.

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