Vom Torjäger zum Hotelier: Der ehemalige SpVgg-Kapitän Franz Wiesheu im Biergarten des – wegen Corona derzeit geschlossenen – „Wittelsbacher Hof“ in Utting
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Vom Torjäger zum Hotelier: Der ehemalige SpVgg-Kapitän Franz Wiesheu im Biergarten des – wegen Corona derzeit geschlossenen – „Wittelsbacher Hof“ in Utting.

Fußball

Starnbergs erster Bayernliga-Kapitän

Er war der erste Kapitän, der mit der SpVgg Starnberg in die Fußball-Bayernliga aufstieg. Aber Franz Wiesheu (62) spielte danach kein einziges Mal in der damals dritthöchsten deutschen Spielklasse. Das holte der gebürtige Uttinger allerdings im zweiten Anlauf nach. Heute ist er in einem Hotel tätig – und kickt noch immer.

Starnberg – Es war der 3. Juni 1989, als in Starnberg die Sekt-, nein, natürlich die Champagner-Korken knallten. Die von Gerd Ritzer trainierte SpVgg schaffte als erster Verein aus dem Fünfseenland den Sprung in die Bayernliga. Und Bürgermeister Heribert Thallmair überreichte nach dem 4:1 gegen den FSV München dem Mann den Meister-Zinnteller, der zwei Jahre zuvor von Landesliga-Konkurtrent TSV Landsberg an den Starnberger See gekommen war. Wiesheu: „Ich hatte in Landsberg eine brutal erfolgreiche Zeit. Wir sind in die Landesliga aufgestiegen und haben uns da in der Spitze etabliert – trotz namhafter Konkurrenz wie Türk Gücü, Wacker München oder den beiden Ingolstädter Vereinen. Aber ich habe eine neue, sportliche Herausforderung gesucht“, erinnert sich der gelernte Bankkaufmann. Sein Wechsel sorgte für Schlagzeilen: „Der erfolgreichste Torschütze des TSV Landsberg wird in der kommenden Saison für die SpVgg Starnberg stürmen, die sich stark Bayernliga-ambitioniert zeigt. Ausschlaggebend war vor allem der sportliche Anreiz“, war zu lesen.

Es dauerte zwei Jahre, bis sich Wiesheus Traum von der höchsten bayerischen Spielklasse erfüllte. „Die Mannschaft war so stark, wir mussten einfach aufsteigen“, sagte Ritzer später einmal. Kurios – und ein Schock für den Coach und die Mannschaft: Noch am Abend nach dem großen Triumph gab der Kapitän sein Karriereende bekannt. „Ich muss aus beruflichen Gründen kürzertreten“, verkündete Wiesheu auf der Aufstiegsfete im Festzelt. Doch als es zum Winter hin eng in Sachen Klassenerhalt wurde, reaktivierte die SpVgg ihren Ex-Kapitän. Bitter: Ausgerechnet im letzten Vorbereitungsspiel gegen Inning zog er sich eine schwere Meniskusverletzung zu und blieb damit weiter ohne Bayernliga-Einsatz, zumal die SpVgg nach einer Saison postwendend wieder abstieg.

1990 stieg Franz Wiesheu mit dem damaligen Trainer Karl-Heinz Finsterer zum zweiten Mal in die Bayernliga auf.

Erst im Herbst 1990 feierte er in der Landesliga sein Comeback im SpVgg-Trikot. 1992 stieg er dann unter Trainer Karl-Heinz Finsterer zum zweiten Mal in die Bayernliga auf. „Der 3:2-Sieg in Unterhaching gegen 1860 München war da natürlich das Highlight meiner Karriere“, erzählt Wiesheu. „Wahnsinn, dass das schon 30 Jahre her ist. Gefühlt sind das doch erst zehn Jahre.“

1993 war dann Schluss mit dem „großen“ Fußball. Der Uttinger übernahm als Spielertrainer für zwei Jahre seinen Heimatverein, holte den ehemaligen Landsberger Klaus Steinherr dazu und stieg mit dem TSV auf Anhieb in die B-Klasse auf. „Auch der Sprung in die A-Klasse war möglich, aber da sind wir kurz vor dem Aufstieg verhungert“, weiß er noch. Es folgte ein „Päuschen“ bis 2007, ehe er sich den Senioren B des FC Bayern München anschloss. Und später regelmäßig – bis zur aktuellen Corona-Pause – für die Ü60 der „Roten“ spielte. Auch mit denen feierte er einen Riesen-Erfolg: In Wattenscheid wurde er im Oktober 2019 inoffizieller Deutscher Ü60-Meister.

Wiesheu lebt heute mit Ehefrau Sabine, mit der er seit 2000 verheiratet ist, Sohn Adrian (18) und Charly, einem acht Jahre alten, griechischen Mischlingshund aus dem Landsberger Tierheim in Greifenberg. Statt in der Bank, wo er 20 Jahre tätig war, findet man den ehemaligen SpVgg-Kapitän im „Wittelsbacher Hof“ in Utting. Dort ist er bereits seit 1997 im Hotel (20 Zimmer) seiner Eltern Martin und Johanna tätig. „Ein Familienbetrieb seit 1920“, erzählt er. Und fügt hinzu: „Leider ist das Hotel wegen der Corona-Pandemie seit dem 2. November komplett geschlossen.“ Wie alle Hoteliers hofft er jetzt auf Lockerungen zum Saisonstart: „Es wäre schön, wenn wir ab April wieder öffnen dürften.“ Und wenn er dann auch wieder für die Bayern-Oldies auflaufen könnte.

Thomas Ernstberger

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