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Über Dating-Plattformen kommen die Liebesbetrüger an Mailadressen.

Polizei warnt vor „Romance Scamming“

Frauen über ein Jahr lang ausgenutzt: Liebesbetrüger erbeuten sechsstelligen Betrag

  • Tobias Gmach
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Zwei Frauen, eine davon aus dem Landkreis Starnberg, wurden Opfer des sogenannten Romance-Scammings. Betrüger gaukelten ihnen die große Liebe vor und brachten sie dazu, ihnen enorm viel Geld zu überweisen.

Landkreis –Ein Jahr und vier Monate lang wurde einer 75-jährigen Frau aus dem Landkreis Starnberg die große Liebe vorgegaukelt. Ihr wurden erfundene Geschichten aufgetischt, die sie dazu veranlassten, mehrfach Geld an Betrüger zu zahlen – per Überweisung, aber auch mithilfe der digitalen Währung Bitcoin. Das berichtete das Polizeipräsidium Oberbayern Nord am Montag. Sie bezieht sich dabei auch auf eine 55-jährigen Ingolstädterin, die mit der gleichen Masche finanziell ausgebeutet wurde. Insgesamt hätten die Liebesbetrüger einen sechsstelligen Betrag erhalten – „durch geschickte Gesprächsführung und zahlreiche Lügen“, schreiben die Beamten.

Die Kriminalpolizei warnt vor der immer wieder auftretenden Betrugsmasche, die sie als „Romance Scamming“ bezeichnet. Die Vorgehensweise: Über Internet-Plattformen nehmen die Täter Kontakt auf und gaukeln in gemeinsamen Chats die große Liebe vor. Die beiden Frauen ließen sich von den falschen Romantikern überzeugen – und sich zu finanzieller Hilfe überreden.

„Sie flirten und umgarnen die ahnungslosen User“

Die Polizei spricht vom „Geschäft mit der Liebe“ und erklärt im Pressebericht: „Sie flirten und umgarnen die ahnungslosen User teils über Monate, gewinnen ihr Vertrauen und bringen sie dazu, sich in ihr virtuelles Gegenüber zu verlieben. Irgendwann bitten sie ihre Opfer schließlich um Geld, da eine dringende Operation ansteht oder eine andere angebliche Notlage vorliegt. Und viele gehen tatsächlich auf die Forderung ein, da sie zu diesem Zeitpunkt bereits emotional von ihrer Internet-Bekanntschaft abhängig sind.“

Die Polizei gibt Tipps, woran man die sogenannten Love-Scammer erkennt: Frauen locken bevorzugt mit schönen, oft leicht bekleideten Fotos. Männer präsentieren oft Fotos in Uniform. Oft überschütten die Scammer ihre Opfer schnell mit überbordenden Liebesschwüren. In den Nachrichten werden durch Geschäftsreisen oder familiäre Probleme Verbindungen zu Westafrika, Osteuropa, Südamerika oder Südostasien hergestellt. In allen Fällen bitten die Betrüger ihre Opfer um Geld, eine Heirat, ein Visum, Päckchen- oder Briefversand, ein gemeinsames Konto oder auch um Kopien von Ausweisen.

Und was tut man, wenn man gescammt wurde? Die Polizei rät: „Ignorieren Sie die Forderungen. Überweisen Sie auf keinen Fall Geld, lösen Sie keine Schecks ein, leiten Sie auch keine Briefe und Päckchen weiter oder bewahren diese auf. Machen Sie Zahlungen rückgängig. Sichern Sie Mails und Chat-Texte als Beweis auf CD oder USB-Stick. Informieren Sie unverzüglich die Polizei und erstatten Anzeige. Brechen Sie jeglichen Kontakt ab.“

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