Urteil am Amtsgericht

Freundin um Geld erpresst: Haftstrafe

Starnberg - So einen Freund braucht niemand: Ein 26-Jähriger ist vom Amtsgericht zu einer Haftstrafe verurteilt worden, weil er seiner Freundin unter Zwang Geld abgenommen hat.

Raue Sitten herrschten jahrelang in einer Starnberger Beziehung: Seit Oktober 2011 soll ein 26-jähriger Starnberger seine Freundin laufend unter Druck gesetzt haben, um an Geld zu kommen. Bei der Verhandlung vor dem Starnberger Schöffengericht setzt der Angeklagte eine Unschuldsmiene auf: „Sie hat sich nicht geweigert, mir Geld zu geben. Auch kann ich mich nicht erinnern, wann ich die Hand gegen sie erhoben haben soll.“ Das half nichts.

Zeugenaussagen waren eindeutig, eine einschlägige Vorverurteilung des gewaltbereiten Starnbergers tat das Ihre: Nach gut vierstündiger Verhandlung mit sieben geladenen Zeugen setzte Richterin Brigitte Braun die Haftstrafe für elffache räuberische Erpressung, dreifache vorsätzliche Körperverletzung, Bedrohung nebst versuchter Nötigung auf zwei Jahre und sechs Monate fest. Einbezogen ist ein Urteil des Amtsgerichtes vom Januar 2014. Damals war der 26-Jährige wegen vorsätzlicher Körperverletzung bestraft worden, weil er die Mutter seiner Freundin zusammengeschlagen hatte.

Günstiger Wohnraum ist knapp, und so quartierte sich der 26-Jährige in der Starnberger Wohnung seiner 42-jährigen Freundin ein. Der Aufforderung, aus dem kleinen Appartement auszuziehen, kam der Angeklagte nicht nach. Statt dessen nahm er seiner berufstätigen Freundin ständig ihr Gehalt ab. „Meinen Lohn musste ich meistens abgeben. Er hat mir gedroht, mir sonst auf die Fresse zu hauen“, so die Starnbergerin. Was genau der Angeklagte mit den ergatterten 1000 Euro machte, kann die 42-Jährige heute nur mutmaßen: „Er war gelegentlich beim Spielcasino.“

Aggressiv hatte sich der damals arbeitslose Mann vor allem im April 2014 gezeigt, als er die Frau im Streit würgte und diese in Panik und mit geplatzter Gesichtsader zu ihrer Arbeitsstelle flüchtete. „Sie hat total verstört gewirkt, war am Heulen und am Luft schnappen“, sagte eine Kollegin im Zeugenstand. Obwohl ihr Freund sie auf offener Straße schmerzhaft an die Häuserwand drückte, Drohungen aussprach sowie im Streit das Handy der Geschädigten ergriff und sie dabei zu Boden warf, hält die 42-Jährige trotz inzwischen getrennter Wohnungen bis heute zu ihrem Peiniger: „Wir haben jetzt eine freundschaftliche Beziehung und sehen uns täglich.“  (nh)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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