Bitte lesen und beachten: Hartwig Görtler, Vorsitzender der Kreisjägerschaft (l.), und sein Vize Markus Ortner brachten dieser Tage die ersten humorvollen, ansprechenden Schilder im Jagdrevier Gut Rieden an.
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Bitte lesen und beachten: Hartwig Görtler, Vorsitzender der Kreisjägerschaft (l.), und sein Vize Markus Ortner brachten dieser Tage die ersten humorvollen, ansprechenden Schilder im Jagdrevier Gut Rieden an.

Aktion im Kreis Starnberg

Freundliche Hinweise für Waldbesucher: Jäger machen mit Schildern auf Schutz der Tiere aufmerksam

Ausflügler werden über Ostern in der Natur Erholung vom Corona-Stress suchen. Jäger wollen nun durch eine Beschilderung Besucher für den Schutz der Tiere sensibilisieren.

Landkreis – „Du suchst Ruhe im Wald? Wir auch!“ So steht es auf einem der zunächst rund 400 Schilder, die die Jäger im Landkreis an Waldwegen aufhängen. Weiter heißt es: „Bitte bleib auf den Wegen, sensibilisiere auch deine Kinder und nimm deinen Hund an die Leine.“ Gewissermaßen als Urheber des Appells sind Rehe und Vögel abgebildet.

Sie, wie alle Wildtiere, leiden unter dem nicht zuletzt durch Corona gestiegenen Druck auf die Natur im Landkreis, der zumindest in den kommenden Monaten wegen Reisebeschränkungen und dergleichen nicht abnehmen wird. „Die Leute müssen mal raus, ja“, sagt Hartwig Görtler, Vorsitzender der Kreisjägerschaft – aber man solle doch Rücksicht auf die Natur nehmen.

Beispiele zeigen: Der Druck auf die Natur im Landkreis Starnberg ist hoch

Wie hoch der Druck auf die Natur schon ist, zeigen viele Beispiele. „Alle Wege nach Andechs sind überfüllt“, nennt Görtler ein Beispiel. Internetdienste wie zum Beispiel Google tragen dazu bei. Gehen mehrere Menschen quer durch den Wald auf einer Route, stellt der Kartendienst fest: Da scheint ein Weg zu sein – und vermerkt ihn. Tatsächlich sei dort vor wenigen Wochen noch ein Wildwechselbereich gewesen.

Ähnliches gelte für Wege zwischen den Seen. Manche Waldwege haben Jäger mit Baumstämmen gesichert, damit sie nicht zu vielbefahrenen Straßen werden. Die seien weggeräumt, bisweilen schon einmal durchgesägt worden. Einige Revierinhaber haben nun Stämme beträchtlicher Größe so hingelegt, dass nur noch Fußgänger und Radfahrer passieren können. Die Jäger wissen von vielen Konflikten zwischen Spaziergängern, Hundehaltern, Reitern, Mountainbikern und anderen – vor allem mit Wild.

Einprägsam und eindeutig: Mit Schildern wie diesen wollen die Jäger Besucher in Wald und Flur sensibilisieren.

Das ist kein Phänomen bei steigenden Temperaturen. Im Winter beispielsweise bilden Rehe Rudel (was sie sonst eher nicht tun), fahren ihren Stoffwechsel herunter und bleiben in der Regel an einem Ort. Werden sie durch Spaziergänger oder Hundehalter aufgeschreckt, suchen sie sich einen anderen Platz – was Energie kostet, die die Tiere im Winter kaum auffüllen können. „Die Tiere sind dann nur noch in Hektik“, sagt Görtler. In anderen Kreisen mussten schon stark abgemagerte Rehe geschossen werden, weil sie sonst qualvoll verendet wären. Im Kreis seien die Rehe in diesem Jahr „sichtbar kümmerlicher“.

Jäger halten Unwissenheit für die Hauptursache der Störungen

Unwissenheit ist für die Jäger Ursache der Störungen – und deswegen hängen sie die Schilder auf, um Waldbesucher zu sensibilisieren. „Ich bin ein Fasan und brüte hier. Pass bitte auf, mein Nest ist so gut getarnt, dass ich froh bin, es selber wiederzufinden. Du siehst es erst, wenn Du drinstehst“, steht auf einem der Schilder, das zudem zeigt: Hunde sollen an die Leine, die Wege soll man nicht verlassen und nachts nicht in den Wald gehen.

Letzteres ist aktuell wegen der Ausgangssperre kein großes Problem, doch gilt die hoffentlich nicht allzu lange. Generell sollte man nicht quer durch den Wald oder über Wiesen und Felder gehen oder radeln; bei Feldern schädigt das auch die Ernte der Landwirte. Die Schilder hängen an Wegen an Stellen, an denen viele in den Wald abbiegen; genau das sollte man unterlassen.

Rund 400 Schilder bereits vorhanden, weitere folgen - auf Kosten der Jäger

Rund 400 sind es in einem ersten Schritt, weitere folgen. Entworfen hat sie Hartwig Görtler in Zusammenarbeit mit einer Grafikerin; die Kosten tragen die Jäger selbst. Sie wollen die Aktion breit streuen, auch über Soziale Medien oder WhatsApp.

Einprägsam und eindeutig: Mit Schildern wie diesen wollen die Jäger Besucher in Wald und Flur sensibilisieren.

„Nutzt den Wald wie ein Wohnzimmer“, sagt der Jägerchef, „aber es ist nicht Euer Wohnzimmer, sondern das der Natur.“ Verbote wolle man nicht aussprechen, vielmehr die Leute daran erinnern, dass sie die meisten Tiere in ihrer Nähe nicht sehen und durch unbedachtes Verhalten bleibende Schäden in der Natur anrichten können. Zumal: Derzeit ist die Schon- und Setzzeit, in der Vögel brüten und Wild Nachwuchs bekommt. Sie dauert bis Juli. In dieser Zeit sind die Tiere besonders sensibel.

Neuer Ausflugsticker für den Landkreis Starnberg

Bisher hat das Landratsamt nicht vor, Regelungen für Ostern zu verschärfen, erklärt Kreissprecherin Barbara Beck. Die Stege bleiben gesperrt, die Maskenpflicht gilt für die bekannten Bereiche (Bahnhöfe) ebenso wie das Alkoholverbot. Allerdings haben sich Kreis und Polizei immer vorbehalten, kurzfristig Sperrungen oder dergleichen anzuordnen. Die Polizei wird mit verstärkten Kräften im Landkreis und am ganzen Ammersee Infektionsschutzmaßnahmen überwachen. Auch die Wasserschutzpolizei ist ab Ostern wieder unterwegs.

Bei der Wirtschaftsförder- und Tourismusgesellschaft gwt laufen die Vorbereitungen, Besucherströme in diesem Jahr gezielter zu lenken. Für April hat Geschäftsführer Christoph Winkelkötter Kreis und Gemeinden zu einer Konferenz geladen, um Details zu besprechen. Dabei geht es beispielsweise um Hinweistafeln an Autobahnen, wenn Regionen überlaufen sind, oder auch den Einsatz von Rangern in der Natur. Der Ausflugsticker wird kräftig ausgebaut.

ike

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