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Auf ein gut gefülltes Salzlager kann Starnbergs Betriebshofleiter Peter Mayer zurückgreifen. Er plant die Einsätze des Winterdiensts seit 25 Jahren.

„Wir müssen auf der Hut sein“

Die Tücken des frühlingshaften Winters: Starnberger Betriebshofleiter warnt 

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In einem frühlingshaften Winter wie diesem langweilen sich die Winterdienste. Und Sportgeschäften fehlen die Einnahmen. Könnte man glauben. Aber die derzeitige Wetterlage hat für Betriebshöfe und Händler weit komplexere Folgen – und so manche Tücken.

Landkreis – „Ich heiße Peter – und nicht Petrus“, scherzt Peter Mayer. Richtig, ein Wettergott ist der Leiter des Starnberger Betriebshofs nicht. Aber er weiß trotzdem so genau wie kaum ein anderer in der Stadt über die Witterung Bescheid. Er kann zum Beispiel exakt sagen, wie kalt der Asphalt auf den Straßen ist. Mayer greift bei der Planung des Winterdiensts auf einen maßgeschneiderten Wetterbericht zu. Über diese Woche sagt er: „Wir hatten täglich Reifglätte. Unsere Leute waren ab zwei Uhr morgens im Streueinsatz. Teilweise waren sogar alle Mitarbeiter in Rufbereitschaft.“

Letztere Vorkehrung war im Januar 2019 Standard, der bisher frühlingshafte Winter 2020 ist ruhiger für den Winterdienst. Aber er hat Tücken, sagt Mayer: „Wir müssen auf der Hut sein – gerade nachts, wenn es friert und neblig ist. Das kann gefährlich werden.“ Die Glätte entschärften die Betriebshofmitarbeiter dieser Tage, sie streuten vor allem auf den Busstrecken, rund um Krankenhaus und Gewerbegebiet. „Wir langweilen uns nicht, es gibt genug Arbeit“, versichert Mayer. Beispiele: Wahltafeln aufstellen, totes Gehölz wegschneiden und abtransportieren, beim Eiszauber-Aufbau am Kirchplatz mithelfen.

Winterdienst Gauting: 60 Tonnen Salz seit Mitte November 

Johannes Roth, Bauhofchef in Gauting, hat seit Mitte November 15 Streueinsätze (mit 60 Tonnen Salz) gezählt. In der Vorsaison waren es zu diesem Zeitpunkt 21, dazu kamen 13 Räumeinsätze. „Das war eine ganz andere Belastung“, sagt er. „Prophylaktisch“ hätten sich aber auch schon in diesem Winter zwei Bürger beschwert. Die Quintessenz: Bitte diesmal nicht wieder die Einfahrten und Gehwege mit Schnee zuschütten. Roth dazu: „Wir versuchen, bürgerfreundlich zu arbeiten, können aber nicht auf jede Befindlichkeit achten.“

Angesprochen auf den milden Winter, berichtet Sepp Mursch von einer „psychologischen Geschichte“. Er ist stellvertretender Geschäftsleiter bei Intersport Thallmair in Tutzing. „Es steigert die Kauflust, wenn Schnee auf der Straße liegt“, sagt er. Im Bereich Wintersportausrüstung fehlen dem Laden dementsprechend „immense Umsätze“ im Vergleich zum Vorjahr. Aber Mursch betont: „Wir können das ausgleichen und kommen solide über den Winter.“ Dafür gebe es mehrere Gründe: treue Stammkunden, die allgemein starke Kaufkraft in der Region und „neue junge Marken mit Pep, die gut ankommen“. Jacken würden sich trotz des ausbleibenden Schneefalls gut verkaufen – und Laufschuhe erst recht. Mursch: „Viele wollen sich nach Weihnachten den Speck abtrainieren.“ Eine Folge der zufriedenstellenden Zahlen: Thallmair kann relativ spät – Anfang, Mitte Februar – mit dem Winterschlussverkauf starten.

Sporthändler: „Das Wort Schnee im Wetterbericht macht viel aus“

Nicht klagen kann auch Milko Lier. Vom Umsatz her bewege sich sein Geschäft Sport Lier in Starnberg „auf Vorjahresniveau. Die Leute sind es mittlerweile gewöhnt, in beschneite Skigebiete zu fahren“, sagt er. Und dass die Wintereinbrüche später kommen. Bemerkenswert ist der Umsatzunterschied bei der Langlaufausrüstung trotzdem: War der Laden im vergangenen Jahr total ausverkauft, läuft es heuer schleppend. „Das Wort Schnee im Wetterbericht macht viel aus“, sagt Lier.

Bis zu zwölf Grad warm war es gestern im Landkreis. In der Mittagssonne legte so mancher am Starnberger See die Jacke ab. Doch für Sonntag ist Schneefall angesagt.

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Tagsüber war es ein blutroter Hingucker, nachts schien es durch die Beleuchtung zu glühen: Dieser Tage fällt „Die letzte Bastion“ – jenes Haus an Starnbergs Hauptstraße, das mit Kanonen in den Dachfenstern monatelang Stadtgespräch war. Bagger reißen es ein.

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