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Frust über Schülerbeförderung: Janik will Schulbusse auch für Starnberg

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Von: Peter Schiebel

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Starnbergs Bürgermeister Patrick Janik will auch für die Grundschule wieder eigene Schulbusse einführen (Symbolbild).
Starnbergs Bürgermeister Patrick Janik will auch für die Grundschule wieder eigene Schulbusse einführen (Symbolbild). © Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa

Ein Jahr nach Wiedereinführung von Schulbussen an den Grundschulen Söcking und Percha will Bürgermeister Patrick Janik nun auch die Grundschule Starnberg wieder mit eigenen Linien anfahren. Als Grund nennt er die Unzuverlässigkeit der ÖPNV-Busse.

Starnberg – Das neue Schuljahr ist gerade mal eine Woche alt, aber bei einigen Eltern von Grundschulkindern in Starnberg gibt es schon reichlich Frust. Grund ist die Schülerbeförderung mit öffentlichen Bussen. Vor allem die Linie 904 macht Ärger, mit der unter anderem Kinder aus Leutstetten und von der Starnberger Wiese zum Bahnhof Nord fahren und von dort zu Fuß zur Grundschule an der Ferdinand-Maria-Straße gehen.

Am Donnerstag ist dieser Bus, Abfahrt 7.23 Uhr in Leutstetten, mal wieder ausgefallen. Bereits vor den Sommerferien war das mehrfach der Fall. Bürgermeister Patrick Janik will nun die Reißleine ziehen. „Wir müssen feststellen, dass der MVV auf absehbare Zeit die Schülerbeförderung nicht mit Sicherheit gewährleisten kann“, sagt er im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Deswegen werde er dem Stadtrat vorschlagen, auch für die Grundschule Starnberg wieder eigene Schulbusse einzuführen. Janik: „Die Schülerbeförderung braucht ein maximales Maß an Verlässlichkeit.“

Schulbusse in Starnberg wurden im Sommer 2015 abgeschafft

Im Sommer 2015 hatte der Stadtrat auf Vorschlag der damaligen Bürgermeisterin Eva John entschieden, die Schulbusse in Starnberg abzuschaffen und die Schülerbeförderung stattdessen über das öffentliche Busnetz abzudecken. Vor einem Jahr folgte bereits die erste Korrektur: Seit Beginn des Schuljahres 2021/22 gibt es für die Grundschulen Söcking und Percha wieder eigene Schulbuslinien. Nachdem es anfangs noch gehakt hatte, scheint das System mittlerweile reibungslos zu funktionieren. Für die Grundschule Starnberg blieb es bis jetzt bei der Schülerbeförderung mit den Linien 901, 903, 904 und 951.

Zwar sei die Anbindung mit dem ÖPNV prinzipiell sehr gut, betont Janik. Aber: „Das System funktioniert offensichtlich nicht, ohne dass irgendjemand etwas dafür kann.“ Die Busfirmen leiden unter einem zunehmenden Fachkräftemangel, der immer wieder zum Ausfall von Fahrten führt. Landrat Stefan Frey hat deswegen bereits ein Krisengespräch mit den Verantwortlichen angekündigt (wir berichteten).

Kosten in sechsstelliger Höhe

Janik will aufgrund der Umstände auch gar keine Kritik am Landkreis üben, der für die Bereitstellung der Linien verantwortlich ist. Auch den Stadtrat nimmt er in Schutz. Als sich dieser vor einem Jahr noch gegen eigene Schulbusse für die Starnberger Grundschule ausgesprochen hatte, habe es die Fahrermisere noch nicht gegeben.

Dass durch eine Umstellung Kosten in sechsstelliger Höhe auf die Stadt zukommen, nimmt Janik in Kauf. Er sei ein großer Freund davon, zwischen freiwilligen Leistungen und Pflichtaufgaben zu unterscheiden, sagt Janik. Und die Schülerbeförderung sei „originär unsere Aufgabe, die wir erfüllen müssen“. Vor allem die Schüler der ersten und zweiten Klassen seien noch zu klein, um allein mit dem Bus zu fahren – gerade dann, wenn es Probleme gebe. Sollte der Stadtrat seinem Vorschlag folgen, dürfte es mit der Umsetzung dennoch vermutlich bis zum Halbjahreswechsel im Februar 2023 dauern. Schließlich muss die Leistung erst detailliert ausgeschrieben werden.

Grundschule Starnberg: „Für Kinder ist es Stress pur, wenn der Bus nicht kommt“

Bei Nicole Bannert, der Leiterin der Grundschule, stößt Janiks Vorschlag schon mal auf volle Zustimmung. Sie finde es zwar prinzipiell gut, wenn Kinder sich an das normale Bussystem gewöhnen, sagt sie – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass dieses auch funktioniere. „Das ist aber nicht der Fall“, betont Bannert. Sie habe schon vor den Sommerferien auf die Missstände hingewiesen, sagt sie. „Es hat leider nichts gebracht. So geht es halt nicht.“

Auch mangelnde Kommunikation mit den Busunternehmen kritisiert sie. So erfahre die Schule oft es mit Verzögerung, dass Busfahrten ausgefallen seien. Und ganz unabhängig davon: „Für die Kinder ist es Stress pur, wenn der Bus nicht kommt.“ Das passiere übrigens nicht nur morgens, sondern auch mittags, wenn Kinder zum Beispiel zum Hort St. Nikolaus am Waldspielplatz wollen – mit Folgen auch für den Hort. Der bekomme nämlich erst Geld, wenn die Kinder auch dort seien. Nicole Bannert: „Es hängt auch noch ein Rattenschwanz dran.“

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