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Festival-Macher: In zehn Tagen beginnt das Fünf-Seen-Filmfestival, bei dem Leiter Matthias Helwig (vorne r.) von dem Filmemacher Walter Steffen, den Künstlern Roman Woerndl und Juschi Bannaski, dem Tango-Experten Ralf Sartori und der Regisseurin Felicitas Darschin (hinten, v.l.) unterstützt wird.

Fünf-Seen-Filmfest

150 Filme, 250 Vorstellungen und bekannte Gäste

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Ein anderer Zeitpunkt, filmische Statements und ein Thema: Vieles ist neu beim Fünf-Seen-Filmfestival. Vom 6. bis 15. September heißt es in den Kinos in Starnberg, Gauting und Seefeld sowie dem Pfarrstadel in Weßling wieder „Film ab“, und zwar von morgens bis abends.

Starnberg – Die Rechnung ist aufgegangen, bis jetzt jedenfalls. „Die Zahlen waren vergangenes Jahr nicht so wie erhofft“, gab Festivalleiter Matthias Helwig bei der Pressekonferenz gestern im Starnberger Kino offen zu. Also habe er entschieden, das Festival zu splitten: Open-Air im August und das Festival dann, wenn alle aus dem Urlaub zurück sind. Der Sommer tat sein Übriges: Tatsächlich besuchten mehr als 8000 Menschen die Open-Air-Abende in Starnberg und am Wörthsee. Mittlerweile sind die Abende kühler, der Kinosaal lockt. Vielleicht wirklich der beste Zeitpunkt für das 12. Festival – mit 150 ausgewählten Filmen, mehr als 250 Vorstellungen und neun Wettbewerben auf insgesamt 13 Leinwänden. Nicht zu vergessen die Ehrengäste, unter ihnen Josef Bierbichler („Zwei Herren im Anzug“), die Regisseure Dominik Graf, Edgar Reitz, Norbert Lechner und Felicitas Darschin, die Editorin Bettina Böhler, die Schauspielerin Marianne Sägebrecht.. Die Politik vertritt unter anderem Europaminister Georg Eisenreich.

Erstmals hat Helwig einen Leitfaden ausgegeben. „Zeit“ ist das übergeordnete Thema. „Zeit entsteht dadurch, dass man etwas entwickelt“, erklärte Helwig. Man müsse sich der Wertigkeit der Zeit wieder bewusst werden. Ergo gibt es eine Retrospektive mit Filmen von Chaplin bis zu Christopher Nolan („The Dark Knight“, „Inception“). Und die Diskussion darüber, dass sich die Zeiten ändern. Denn auch das Kino durchschreitet eine Phase epochaler Umwälzungen, bedingt durch den Wandel im Medienverhalten der Generationen. Helwig denkt bei dem Leitfaden an eine Trilogie, die er in den kommenden zwei Jahren mit den Begriffen „Raum“ und „Bewegung“ weiterspinnen möchte.

Bewährtes bleibt im Programm

Vieles ist aber auch wie gewohnt: Natürlich findet die Dampferfahrt mit Stumm- und Kurzfilmen statt. Dem Thema Drehbuch werden Veranstaltungen und Gesprächsrunden gewidmet. Die verschiedenen Podien sind gut besetzt, Schauspieler Udo Wachtveitl und Regisseur Florian Gallenberger beispielsweise haben zugesagt. Dabei hat Helwig für sein Festival auch einen Schwerpunkt ausgegeben: den mitteleuropäischen Film mit Werken aus der Schweiz, Österreich und Rumänien. Gastländer sind Indien, Südtirol und Taiwan. Es gibt Filme aus den Bereichen Architektur, Tango, Theater und vor allem Video-Kunst, dazu kommen Lyrikabende und schließlich noch viel Musik.

Nach einem Jahr Pause zeigt auch Walter Steffen, Filmemacher aus Seeshaupt, einen neuen Film. Er war mit den Clowns ohne Grenzen auf Reisen, sein Film „Joy in Iran“ ist auf dem Festival erstmals zu sehen (7. September). „Lachen kann den Heilungsprozess bei traumatisierten Menschen in Gang setzen“, berichtete Steffen auf der Pressekonferenz. Und erzählte, dass ihn die Reise in den Iran auch beschämt habe: „Ich habe vergessen, das politische System von den Menschen zu trennen.“ Diese seien ihm offen und sehr gastfreundlich begegnet. Probleme beim Drehen habe er nicht gehabt. Er sei ohne sein Team und mit einer kleinen Handkamera unterwegs gewesen, „ich war offiziell Dokumentarist der Clowns“.

Statements zum Start und Ausklang

Und sonst? Erstmals zeigt Helwig zur Eröffnungs- und zur Abschlussfeier schwerere Kost: „Styx“ von Regisseur Wolfgang Fischer erzählt bildgewaltig von einer Frau, die auf einem Segeltörn überraschend aus ihrer heilen Welt gerissen und mit den großen Fragen unserer Zeit konfrontiert wird. „Ich habe den Film auf der Berlinale gesehen und erst nicht daran gedacht, ihn zu zeigen.“ Aber so, wie sich die Situation entwickelt habe in der Welt, habe er sich dafür entschieden. Am Abschlussabend ist schließlich noch „Wackersdorf“ zu sehen. „Diese Filme sind ein Statement.“

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