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Das Fünf-Seen-Filmfestival verzeichnet sinkende Zuschauerzahlen.

Fünf-Seen-Filmfestival

Die letzte Klappe droht

Steht das Fünf-Seen-Filmfestival auf der Kippe? Gründer Matthias Helwig plagen Sorgen – nicht nur über sinkende Besucherzahlen.

Starnberg Das Fünf-Seen-Filmfestival steht bei seiner elften Auflage am Scheideweg. Laut einem leicht frustriert wirkenden Festivalleiter Matthias Helwig zeichnete es sich bereits nach vier Festivaltagen ab, „dass wir in diesem Jahr keinen neuen Besucherrekord erreichen“. Steht das Festival auf der Kippe?

Als Gründe deutete der FSFF-Leiter vor allem die mangelnde Resonanz in Gauting an, das heuer mit fünf Kinosälen eine der tragenden Spielstätten hätte sein sollen. Helwig bemängelte, dass es im Würmtal nicht genügend werbende Unterstützung für das Festival gegeben habe, ging bei seiner Kritik aber nicht ins Detail. Konkreter wurde der 57-Jährige hinsichtlich der Kosten-Belastung für das Festival: „Es kann nicht sein,“ sagt Helwig, „dass ich jedes Jahr aus eigener Tasche draufzahle.“ Wie schon im Vorjahr, als er das aufgelaufene Defizit des FSFF mit Einnahmen aus seinen Spielstätten habe auffangen müssen, drohe dies auch heuer an ihm persönlich hängen zu bleiben – trotz des 250 000 Euro umfassenden Budgets. „Allein für die Technik in der Schlossberghalle muss ich während des Festivals 20 000 Euro ausgeben“, benannte Helwig einen der erheblicheren Posten. Dass das FSFF überhaupt noch funktioniere, liege nicht zuletzt am aufopferungsvollen Mitarbeiter-Team: „Die können aber auch nicht mehr leisten, als sie leisten – deshalb die Reduzierung von zwölf auf heuer zehn Festivaltage.“

„Mein Steuerberater sagt mir, lass es lieber“

Helwig muss gerade über einiges nachdenken, was die Zukunft des FSFF angeht: „Mein Steuerberater sagt mir, lass es lieber“, deutet Helwig gewisse Sorgen an. Mit Eröffnung seines eigenen Kinos im Herbst 2016 in Gauting hat der Gilchinger nicht nur einen enormen finanziellen Kraftakt zu bewältigen, sondern auch eine Akzentverschiebung innerhalb der „Breitwand“-Landschaft eingeleitet: Im kommenden Jahr fallen das Kino Herrsching und wohl auch Hochstadt als Festival-Spielort weg – es könnte also sein, dass das FSFF dann erstmals wieder schrumpft, nachdem es seit seinen Anfängen 2007 stetig gewachsen war. Ob es 2018 womöglich in den September wechselt oder ob es überhaupt noch weiter geht mit dem „kulturellen Aushängeschild des Landkreises“, erscheint momentan erstmals fraglich. Das der Kreissparkasse gehörende Gebäude des Starnberger Kinos ist für drei Millionen Euro schon länger zum Verkauf ausgeschrieben, und der von Helwig selbst formulierte Anspruch an gutes Kino und ein exquisites Festival lässt sich wohl nur dann aufrecht erhalten, wenn auch der finanzielle Rahmen stimmt bzw. „mitwächst“. Die Jahr für Jahr wiederkehrende Frage „Will ich mir das alles noch antun?“, sie könnte von Helwig erstmals mit einem Nein beantwortet werden.

Zu groß, zu viel, zu wenig familiär

Aus Kreisen langjähriger, durchaus wohlmeinender Kino- und Festival-Freunde ist Kritik an einer gewissen „Überdehnung“ zu vernehmen. Das Familiäre, Überschaubare des FSFF drohe immer mehr verloren zu gehen, so der Tenor. Der Schwerpunkt eines Festivals, das sich nun mal die „fünf Seen“ als Markenzeichen auserkoren hat, kann natürlich nicht das Würmtal sein, trotz des Kinos dort, das im Publikumszuspruch auch im „Alltag“ bislang hinter Helwigs Erwartungen zurückbleibt. Gefordert scheinen also vor allem die am See liegenden Gemeinden – und Helwig, der die „Ein-Mann-Show“ auch nicht ewig alleine schultern sollte. Von Thomas Lochte

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