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Testfeld in den Sommerferien

Für den Starnberger Tunnel-Bau: Säulen im Seeton

Das Staatliche Bauamt Weilheim lässt ab Beginn der Ferien mitten in Starnberg ein Bauverfahren für die Tunnel-Portale erproben. Die Vorarbeiten starten am Montag.

Starnberg – Seeton! Schon der Begriff lässt Bauingenieure die Augen verdrehen. Seeton ist ein breiiges Zeug, das – der Name lässt es vermuten – im Bereich des Sees vorkommt. Starnberg steht teilweise auf Seeton, was Bauherren zumeist mehr Aufwand und damit mehr Kosten bringt. Was Seeton anrichten kann, sieht man bei der Würmbrücke der B 2 zwischen Starnberg und Percha – sie ist im Lauf der Jahre abgesackt. Der miese Untergrund erstreckt sich aber auch bis zur Trasse des B 2-Tunnels, genauer: unter den geplanten Portalen an der Münchner und der Weilheimer Straße. Deswegen lässt das Staatliche Bauamt ab Ferienbeginn testen, wie sich der Seeton mit einem so genannten Düsenstrahlverfahren (DSV) stabilisieren lässt. Die Vorarbeiten beginnen am Montag.

Der Seeton erstreckt sich im Bereich des Nordportals in einer Tiefe von acht bis 22 Metern. Genau durch diesen Bereich verläuft der Tunnel, der etwa auf Höhe der Polizeiinspektion wieder an die Oberfläche kommt. Seeton könnte aber dazu führen, dass das gesamte Tunnelbauwerk absinkt, wenn er nicht stabilisiert wird. Die Lösung: Betonsäulen im Untergrund, die diesen fester machen, aber nicht als Fundament dienen. Technisch ist das kein Hexenwerk: Man bohrt durch die oberen Schichten – im Falle des Versuchsfeldes neben McDonald’s ist es Kies – eben bis in neun bis 22 Meter Tiefe ein Loch. Dann wird Beton am Ende versprüht, das Rohr dreht sich dabei, es entsteht eine Säule mit einem Durchmesser von etwa zwei Metern. Macht man das im Abstand einiger Meter, wird aus dem breiigen Seeton eine Masse mit stabilen Betonelementen darin, die erheblich mehr aushält.

Verfahren bewährt - in Starnberg muss es genau eingestellt werden

Das technische Prinzip sei bewährt und wohl bei anderen Baustellen in Starnberg auch schon mal zum Einsatz gekommen, sagt der für den Tunnelbau zuständige Abteilungsleiter der Weilheimer Behörde, Raphael Zuber. Für den Straßenbau ist es neu. Getestet werden muss es in Starnberg, um herauszufinden, wie sich der Untergrund danach verhält – das kann gemessen werden. So werden unterschiedliche Säulen im Untergrund erzeugt und danach ermittelt, ob sie wie gewünscht tragfähig sind. Je nach Ergebnis werden Druck, Drehgeschwindigkeit und anderes festgelegt. Die DSV-Säulen werden ausschließlich im Seeton ausgegossen, das Grundwasser werde nicht beeinträchtigt. Das sei im Vorfeld untersucht worden.

„Für den Bau des Tunnels gibt es zwei Anwendungsfälle für das DSV. Zum einen ist eine Stabilisierung des Baugrundes in beiden Portalbereichen für einen sicheren Tunnelbau erforderlich. Zum anderen ist dieses Verfahren im Bereich des Nordportals zur Verfestigung der Seetone im Untergrund unabdingbar erforderlich.“ Ziel sei, „detaillierte Vorgaben für die Ausschreibung und Ausführung der nachfolgenden Hauptbaumaßnahme machen zu können, um dadurch Kostensicherheit zu erlangen. Das Verfahren wird an die konkreten geologischen Verhältnisse im Seeton angepasst.“

Gebohrt wird auf einer Fläche an der Ecke Münchner/Leutstettener Straße neben dem McDonald’s. Den ursprünglichen Standort des Testfeldes vor dem Gymnasium hatte die Behörde aufgegeben. Die Baustelleneinrichtung hat bei McDonald’s keinen Platz, sie wird auf der Rheinlandstraße zwischen Einfahrt von der Münchner Straße und Einfahrt zur Polizei eingerichtet. Folge: Die Rheinlandstraße wird von Samstag, 25. Juli, bis 6. September gesperrt. Polizei und Gymnasium sind in dieser Ferienzeit über die Ferdinand-Maria-Straße erreichbar, die Einbahnregel wird aufgehoben. Für Fußgänger und Radfahrer gibt es laut Bauamt keine Einschränkungen.

Rheinlandstraße bleibt wochenlang gesperrt

Die Vorarbeiten beginnen am kommenden Montag, 20. Juli. Zwischen 20 und 22 Uhr wird für den Aufbau einer Leitungsbrücke zwischen Testfeld und Baustellenlager eine Spur der Münchner Straße Richtung Süden gesperrt – die Masten werden aufgebaut. Am Dienstag, 21. Juli, abends zwischen 20 und 24 Uhr sind zwei kurze Vollsperrungen geplant, beide sollen bis zu 15 Minuten dauern und betreffen sowohl die Münchner als auch die innere Leutstettener Straße. Das Staatliche Bauamt empfiehlt, am Dienstagabend den Bereich zu umfahren – wegen der Kürze der Sperrungen wird es keine Umleitung geben. Durch die Leitungsbrücke über die dort fünfspurige B 2 werde es keine Einschränkungen bei der Höhe von Fahrzeugen geben (solange diese die Bestimmungen einhalten).

Die endgültigen DSV-Säulen im Bereich der beiden Tunnelportale sind nicht alle eine Dauerlösung. Die Tunnelbohrmaschine durchbricht die Schichten, die mit den Betonsäulen stabilisiert werden, an einigen Stellen, fräst sie also gewissermaßen durch. Andere Säulen verfestigen den Grund unter der Röhre. An den meisten Stellen der Trasse haben Tunnel und Seeton, soweit vorhanden, keinen Kontakt – die Röhre verläuft dafür zu tief im Boden.

Die Pläne für den Tunnel müssen in Teilbereichen angepasst werden. Dazu läuft derzeit ein Änderungsverfahren. 

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