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Der Chef deckt ein: Wirte wie Andreas Fink aus Tutzing finden kaum noch Mitarbeiter.

Gastronomie

Ohne Koch und Kellner

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Viele Wirte im Landkreis haben zunehmend Probleme, Personal zu finden.

LandkreisDer Gastronomie im Landkreis gehen stellenweise die Mitarbeiter aus. In einigen Fällen führte das bereits zu reduzierten Öffnungszeiten – das Museumsschiff in Tutzing war sogar komplettgeschlossen.

Das Museumsschiff „Tutzing“ im Kustermannpark mit seinem Bistro an Deck ist zurzeit geöffnet. Aber das war auch schon anders: Ausgerechnet an mehreren warmen Tagen der vorigen Woche hing eine Mitteilung am Steg: „Auf Grund Personalmangels müssen wir gezwungenermaßen bis Sonntag geschlossen bleiben.“ Pächter Andreas Fink stöhnt: „Ich habe zu wenig Personal.“ Kein Einzelfall.

Gastronomen haben massive Probleme, Personal zu finden – allerdings nicht alle und nicht überall. Und sie haben mit plötzlichen Ausfällen zu kämpfen. Mitten im Hochbetrieb sind im Tutzinger Midgardhaus zwei Mitarbeiter verschwunden, erzählt Chef Fritz Häring. So etwas kennt auch Fink nur zu gut. Im Tutzinger Café Höflinger sind in diesem Jahr vier Mitarbeiter „von heute auf morgen nicht mehr gekommen“, sagt Betreiber Umüt Erin.

Ob es an der Bezahlung liegt? „Ich glaube nicht“, meint der Tutzinger Wirt Bedri „Gennaro“ Müller: „In der Gastronomie kann man gut verdienen.“ In seinen beiden Lokalen – „Mille Lire“ und am Golfplatz Deixlfurt – kann er zurzeit alle Stellen besetzen, aber Ausfälle muss auch er immer wieder verkraften. Viele Kollegen kämpften mit Personalsorgen, sagt er. In einem Betrieb habe einer von zwei Chefköchen dem anderen frei gegeben – und sei dann selbst nicht mehr erschienen.

„Wir müssen uns jedes Jahr wieder viele neue Mitarbeiter suchen“, sagt etwa Mathias Scheffel (53) vom Starnberger Undosa. Ein Problem sei zurzeit, dass der Sommer bald wieder vorbei sei und die guten Leute daher nun alle bereits eine Arbeit gefunden hätten. „Wir haben sehr viel unerfahrenes Personal“, gibt Scheffel zu. „Deshalb können wir immer gute Leute gebrauchen.“ Dem kann sich Alexander Urban (50) vom Klostergasthof Andechs anschließen. „Für den Service, den wir normalerweise mit 14 Kellnern leisten, haben wir derzeit nur fünf Kellner zur Verfügung“, berichtet er. „Wir mussten deswegen im Sommer kurzfristig einen wöchentlichen Ruhetag einführen.“ Neues Personal zu finden, sei immer wieder eine schwierige Aufgabe, heuer trifft es den Klostergasthof aber besonders hart – Urban übergibt den Klostergasthof zum Jahresende.

Einen Betreiberwechsel muss Otmar Walch (53) vom Gasthof zur Post in Herrsching nicht bewältigen, dennoch sieht auch er die Lage kritisch. „Die Personalsituation ist bei uns sehr angespannt“, sagt Walch. „Arbeitskräfte zu finden, ist in der Gastronomie generell ein riesiges Problem.“ Walch befürchtet, dass manche Betriebe im Landkreis künftig deswegen während der Saison geschlossen haben werden. In Österreich sei dieses Szenario bereits eingetreten. Hohe Mieten spielen eine Rolle, denkt Walch. „Bei uns im Gasthof ist die Lage noch schwieriger, denn wir haben keine Mitarbeiterwohnungen“, sagt der 53-Jährige. Walch zahlt deutlich mehr als den Mindestlohn und greift zu innovativen Maßnahmen: „Wir nutzen auch die modernen Medien und starten zum Beispiel Aufrufe auf Facebook“, erzählt er. „Manchmal funktioniert es.“

Katharina Kowollik (34) vom Sepperlwirt in Meiling hat ebenfalls über Facebook Mitarbeiter gesucht. „Wir haben aber seit Langem das ganze Jahr über einen festen Personalstamm“, erklärt Kowollik. Hört ein Mitarbeiter auf, sei es aber nicht leicht, qualifizierten Ersatz zu bekommen. Auch Christoph Zauner (46) vom Seehaus Schreyegg ist froh über sein Stammpersonal. „Prinzipiell gestaltet sich die Suche nach geeignetem Personal jedoch schwierig“, räumt er ein.

Anders sieht das Martin Rieb (55) vom Restaurant Fischer am Ammersee. Für ihn sei es einfach, Mitarbeiter zu finden. Sein Konzept: Übertarifliche Löhne, Wertschätzung sowie Anerkennung der Mitarbeiter und eine Vier-Tage-Woche für die Köche.

Von Alicia Schmidbauer und Lorenz Goslich

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