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Am von der Tunnelbaustelle gebeutelten Pilgrim-Mahnmal: Organisator Rainer Hange (vo.l.) und die Teilnehmer der Gedenkfeier. 

Gedenken an Todesmarsch-Teilnehmer

„Schutz der Demokratie geht uns alle an“

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Vor 74 Jahren, Ende April 1945, zogen KZ-Häftlinge aus Dachau durch Starnberg. Sie waren abgemagert, schwach, am Ende ihrer Kräfte - und wurden doch von der SS weitergetrieben. Daran erinnerten am Sonntagnachmittag rund 100 Bürger am Starnberger Pilgrim-Mahnmal. 

Starnberg – In der aktuellen Zeit mit ihren nationalistischen Strömungen, ausländerfeindlichen Tendenzen und ihrem Hang zur Gleichgültigkeit sind Gedenkfeiern wie die am Sonntag zum Todesmarsch der KZ-Häftlinge durch das Würmtal, Starnberg und am Ostufer des Starnberger Sees entlang bis nach Tölz wichtiger denn je. Darin waren sich alle Redner am Landratsamt, nahe dem Pilgrim-Mahnmal, einig.

Zur Feier des Vereins „Gegen das Vergessen – für Demokratie“ und des Starnberger Dialogs waren rund 100 Bürger gekommen. Sie alle seien Botschafter des Gedenkens, sagte der evangelische Pfarrer Dr. Stefan Koch. „Wenn Sie den Menschen, die Sie mögen, sagen, dass Sie hier waren, dann wird davon eine Wirkung ausgehen.“

Starnbergs Bürgermeisterin Eva John dankte Organisator Rainer Hange, dass er sich unermüdlich für das Gedenken einsetze und versuche, die junge Generation zu sensibilisieren. Hange freute sich sehr, dass wieder vier Starnberger Gymnasiasten die Feier mitgestalteten. Lotta Döbler, Alexa Geyer, Elisa Färber und Franca Mainz lasen aus dem Bericht eines unbekannten KZ-Häftlings, der den Marsch überlebt hatte. Der Bericht schildert das Leid in knappen, nüchternen Worten. Angesichts der NS-Zeit und vor allem des Todesmarsches sei die Bestürzung der Schüler sehr groß, auch wenn es für sie schon Generationen her sei, fügte Alexa Geyer an. Der katholische Pfarrer Tamás Czopf nannte den Todesmarsch „Metastasen des Bösen, die sich in die Landschaft eingebrannt haben“. Daran müsse man erinnern, forderte Alexa Geyer. Denn: „Wenn ich mir heute manche politischen Parolen anschaue, bin ich zutiefst erschrocken.“

„Wir sollten uns für das stark machen, was ich als Mäßigung bezeichnen möchte“, sagte die Direktorin der Tutzinger Akademie für politische Bildung, Prof. Ursula Münch. Denen, die das Fundament der Gesellschaft in Frage stellen, solle man mit Fakten und Argumenten begegnen. „Der Schutz der demokratischen Strukturen ist nicht nur Aufgabe des Staates, er geht uns alle an.“

Die Gedenkfeier wäre wegen der Tunnel-Arbeiten beinahe nach Petersbrunn umgezogen. Der Bauzaun rund um das Mahnmal wurde dank Hanges Engagement entfernt. Ein Mahnmal hinter Gittern für Menschen, die aus einem umzäunten Lager gekommen seien – „welch eine Ironie“, merkte Vizelandrat Georg Scheitz an. Am Mahnmal sprach Kantor Nikola David von der Jüdischen Gemeinde Beth Shalom ein Kaddisch, ein Gebet. Und Marie von Miller-Moll (85) berichtete, wie ihre Mutter mit einem Korb voll Lebensmittel zu den Todesmarsch-Häftlingen nach Starnberg radelte und gesund zurückkehrte. „Der Eindruck liegt mir auf der Seele, wie wenn es gestern gewesen wäre.“ 

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